Review

Bezeichnenderweise ist „Bloodwood“ die bislang einzige Arbeit von Joshua A. Siegel, der hier das Drehbuch schrieb, Regie führte und eine Nebenrolle bekleidet.
Deshalb mal gleich die beste Szene, welche inhaltlich nicht viel vorwegnimmt:
Zwei Personen rangeln am Ufer eines Baches, dann stürzen sie zeitgleich hinein. Diese rund drei Sekunden sind, wohl aufgrund mangelnder Stuntleute komplett am Rechner entstanden. Man sieht zwei Figuren, die jedem physikalischen Gesetz trotzend ins Nass stürzen, wonach es Wellen zu sehen gibt, die einem Morphingeffekt auf Zeichentrickbasis gleichen. Immerhin ist ein Großteil der Splattereffekte per Handarbeit entstanden.

Auf der eigentlichen Suche nach Bigfoot finden Dokufilmer eine verwilderte junge Frau, die nach ärztlicher Aussage vor kurzem Mutter geworden sein muss. Also begibt sich das Team von sechs Leuten erneut in die abgelegene Wildnis Nordkaliforniens, um den potenziellen Vater ausfindig zu machen. Rasch stoßen sie auf eine Gruppe blutrünstiger Kannibalen…

Natürlich gibt es gute Gründe, warum manche Streifen, im Gegensatz zu Pendants wie „Wrong Turn“ hierzulande erst gar nicht in synchronisierter Fassung erscheinen.
Der amateurhafte Look sticht sogleich ins Auge, die durchweg talentfreien Mimen ebenfalls und da das ohnehin recht überschaubare Budget sparsam eingesetzt werden musste, ist die Action spärlich gesät oder mündet in dilettantischen Momenten fernab jeden Feingefühls für Realismus.

Natürlich sieht die aufgegabelte Wilde relativ sauber aus, die Lockenglomse ist frisch geföhnt und von Verschleißspuren auf Haut und Kleidung fehlt jede Spur. Derweil lässt sich kein Sympathieträger ausmachen, obgleich sich ein Ranger hervortut, der in irgendeinem Auslandseinsatz tätig gewesen sein soll. Dessen schroffe Art ist aber in etwa so liebreizend wie der Oberkannibale, der einem verletzten Kumpel den soeben heraus getrennten Augapfel wieder hereindrückt (zweitbeste Szene). Auch die Antagonisten, die sich in ihren Holzfällerhemden nur aufgrund wilder Frisuren von den Abenteurern unterscheiden, machen nicht allzu viel her.

Eine Menschenjagd durchs saftige Grün könnte ja noch für Unterhaltung sorgen, doch die wenigen Temposzenen werden regelmäßig durch blechern vorgetragene Dialoge ausgebremst. Überdies offenbaren die Darsteller speziell während der ruhigen Momente ihr Unvermögen, sei es beim Nachlass per Videobotschaft oder beim Erzählen eines traumatischen Ereignisses.
Lediglich die wenigen Gewalteinlagen halten minimal bei Laune, da zumindest heraus gepultes Gekröse, ein abgetrennter Arm und eine Skalpierung handgemachte Effekte beinhalten.

Der Rest verläuft überraschungsfrei und nur selten mit Spannung auf Sparflamme, selbst der Showdown mit angehängter, makaberer Pointe reißt nichts mehr. Insofern ergibt sich Survivalhorror ohne viel Substanz, der handwerklich als auch dramaturgisch gegen die Wand gefahren wurde.
3 von 10

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