Als am 30. April 1980 eine bewaffnete 6-köpfige Gruppe in die iranische Botschaft in London eindringt und dort 26 Geiseln nimmt, stellt dies ein Novum in der Geschichte Großbritanniens dar - vor allem jedoch eine erste Bewährungsprobe für die neue Regierung unter Premierministerin Margaret Thatcher.
Die Terroristen, Angehörige einer arabischen Ethnie einer südwestlichen Provinz des Iran, wollen mit ihrer Aktion zunächst eine Autonomie ebenjener Provinz erreichen und fordern später die Freilassung zahlreicher inhaftierter Gesinnungsgenossen. Doch das iranische Regime, seit kurzem unter der Führung von Ayatollah Khomeini, läßt die britischen Bitten nach Vermittlung unbeantwortet, und die Verhandlungsführer im Stadtteil Kensington haben größte Mühe, die Entführer hinzuhalten. Derweil macht sich die Spezialeinheit SAS (Special Air Service) auf den Weg, notfalls einzugreifen. Als am 6. Tag des Geiseldramas nach zahlreichen folgenlosen Hinrichtungsankündigungen der Terroristen schließlich doch ein iranischer Presseattaché erschossen wird, überantwortet die Polizei den Einsatz dem Militär, und das SAS stürmt die Botschaft: das Ergebnis von - bis auf einen - sämtlichen erschossenen Geiselnehmern bei nur einer weiteren getöteten Geisel wurde damals als Maßstäbe setzender Erfolg der Regierung Thatcher (wie auch der beteiligten Spezialeinheit) gefeiert.
Regisseur Toa Fraser hält sich in seiner 2017er Verfilmung unter dem programmatischen Titel 6 Days weitgehend an die historische Vorlage, wobei die Verhandlungen zwischen Max Vernon (Mark Strong) und dem Anführer der Geiselnehmer Salim (Ben Turner) besonderen Raum einnehmen. Immer wieder gelingt es dem hervorragend performenden Strong, dem man seine persönliche Anteilnahme in jeder Sekunde abnimmt, trotz aussichtsloser Lage (niemand will irgendwelche Garantien übernehmen, auch internationale Diplomaten sagen ab) Zeit zu gewinnen.
Hier hat der bewußt nicht auf Action setzende Film seine stärksten Momente, wenn Vernon vorgeblich die Forderungen der Terroristen nach einem Bus oder einem Flugzeug erörtert und es ihm mit sanfter, bittender Stimme ein ums andere Mal gelingt, den verzweifelter werdenden Salim zu besänftigen.
Ein bißchen Action vor der finalen Erstürmung ergibt sich durch die Lagebesprechungen der zwischenzeitlich eingetroffenen Spezialeinheit, deren 3 dunkle Ford Transits sich im Vergleich zu US-amerikanischen Pendants recht bescheiden ausnehmen. Verschiedene Pläne zur Erstürmung der Botschaft werden (auch graphisch) durchgespielt, dann aber stets wieder verworfen, bis Rusty (Jamie Bell) und seinen Kameraden durch die von den Terroristen eskalierte Situation schließlich der offizielle Auftrag erteilt wird.
Hier wird es dann für einige Minuten tatsächlich brenzlig, denn nach einer der Ablenkung dienenden Sprengung an einem Lichtdach des Treppenhauses gelingen die weiteren vorgesehenen Detonationen nicht mehr und die sich vom Dach abseilenden Spezialisten müssen improvisieren und zwei Stockwerke durchsuchen. Die später diskutierte, möglicherweise nicht unbedingt notwendige Erschießung zumindest zweier unbewaffneter Geiselnehmer umgeht die Regie dahingehend, drei von ihnen bewaffneten Widerstand leisten zu lassen (was ihren Tod bedeutet), lediglich ein sich unter die Geiseln mischender Terrorist wird noch im Treppenhaus erkannt und an Ort und Stelle liquidiert.
Die für die damalige Zeit ungewohnt direkte Berichterstattung namentlich der jungen BBC-Reporterin Kate Adie (Abbie Cornish) kommt dagegen viel zu kurz, auch über das iranische Botschaftspersonal erfährt man nichts. Die zeitgeschichtlich interessante Motivation der arabischen Geiselnehmer, die seinerzeit von Saddam Hussein unterstützt wurden (welcher kurz darauf den zahlenmäßig weit überlegenen, unter Khomeini militärisch aber stark geschwächten Iran angreifen und in einen 8 Jahre lang dauernden Krieg verwickeln sollte) spielt in diesem halb-dokumentarischen Streifen natürlich erst recht keine Rolle.
Fazit: 6 Days ist eine glaubwürdige Darstellung jener Geiselnahme, deren Verfilmung freilich gänzlich ohne Heldenpathos und übermäßige Action auskommt, dessen durchaus vorhandener Spannungsfaktor sich dafür aus der eindringlich dargestellten Verhandlungsführung speist. Solide 6 Punkte.