kurz angerissen*
Klischees an sich müssen nicht unbedingt immer ein Problem sein. Geschickt überspielt, fallen sie im besten Fall nicht einmal auf. Aber dazu braucht es charismatische Darsteller, die es verstehen, ihren Charme wie einen Taschenspielertrick anzuwenden, indem sie von der Situation ablenken und auf die eigenen Vorzüge verweisen. Definitiv zu viel verlangt für dieses komplett durchschaubare "Fast and the Furious"-Rip-Off, das sich ungelenk wie ein grüner Fahrschüler ein paar PS vom großen Bruder abzuzwacken versucht und dabei in nahezu jeder Beziehung scheitert.
In der Präsentation aufgemotzter Oldtimer, Klassiker und Liebhaberstücke versucht man sich ein Alleinstellungsmerkmal zu erhaschen, das aber schon im Aufbau wieder zerfällt. Wenn die Intention war, den Blechhaufen Persönlichkeit einzuhauchen, muss man glatt feststellen, dass das selbst in "nur noch 60 Sekunden" wesentlich besser gelang. Der Grund ist in der schalen Inszenierung schnell gefunden. Die muckt zum Einstieg mit einer großen Actionszene auf, kopiert dabei aber bloß eine entsprechende Lastwagen-Szene aus der 2001er-Referenz und lässt jede Dynamik vermissen - um dann in einer Nacherzählung der üblichen Gauner-mit-Herz-Nummer zu münden, inklusive Rekrutierungsszenen, Versteigerungen, Villain-schießt-zur-Warnung-eigenen-Handlanger-nieder-Situationen und allem, was dazugehört. Mittendrin Scott Eastwood, dem stets die Coolness seines Vaters auf den Leib geschrieben wird, die er mit seinem krampfigen Silberblick allerdings nicht zu reproduzieren weiß. Mit ihm im Mittelpunkt fühlt sich alles ein bisschen langsamer an: jede Einstellung lässt ihn eine gefühlte Minute blinzeln (erst im Epilog setzt dem armen Teufel endlich mal jemand eine Sonnenbrille auf), dann sagt er seinen Text auf, dann wird wieder geblinzelt. Die Regieanweisungen sind omnipräsent, sie spiegeln sich sozusagen in den fragenden Blicken nicht nur von Eastwood, sondern vom gesamten diebischen Quartett. Das ist mit hübschen Gesichtern besetzt, die zum Teil an anderer Stelle bereits ihre Qualitäten unter Beweis stellen konnten, hier jedoch zur reinen Dekoration mutieren.
Würde man sich denn wenigstens in Sachen Action steigern, aber hier muss die blasse Eröffnungssequenz tatsächlich als Highlight herhalten. "Overdrive" ist also nicht nur schlecht gespielt und schlecht inszeniert, sondern auch noch sacköde. Ansprüche an ein Caper Movie mit Sportwagen sind generell nicht besonders hoch. So etwas darf dumm sein und sollte ein wenig Krach machen. Im besten Fall spielen ein paar Charaktervisagen mit. Erstaunlich, dass es Filme gibt, die selbst über derart niedrig gesetzte Messlatten stolpern.
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