Review

Staffel 1 - 6,5/10

World Wide Schreck


In den sechs knackigen Episoden der ersten (und einzigen!) Staffel „Darknet“ werden pro Folge mehrere Gruselstories verschachtelt, die (mal mehr, mal weniger) miteinander zu tun haben und die oft Bezug auf die Schattenseite des Internets nehmen. „Southbound“ trifft „Unnfriended: Dark Web“ könnte man sagen. Besonders auffällig und positiv sind dabei das Tempo, die Twistquantität und dass trotz noch nichtmal 30 Minuten Spielzeit pro Folge oft zwei bis vier (!) kürzere Geschichten und Winkel eingebracht werden. In dieser Dichte und Verwobenheit hat man das, selbst als Horror-Anthologie-Spezi, bisher selten erlebt... Das Darknet hat auf einige eine ganz besondere Anziehungskraft. Mich persönlich reizt da wenig bis nichts dran, sich damit, außerhalb von Horrorfilmaufhängern, zu beschäftigen oder dort einzutauchen. Die Zeiten von Rotten usw., wo ein Teenager meiner Generation damals kaum drumherum kam, sind vorbei, illegales Zeug brauche ich auch nicht und die Neugier und Geilheit auf die dunkle Seite der Menschheit wird bei mir scheinbar genug mit Horrorfilmen gedeckt, da braucht es nicht den „real deal“. Für eine solche kurzweilige Anthologie der Netz-Alpträume passt das aber natürlich ganz gut, selbst wenn ich arg bezweifele, dass das hier dargestellte, angeschnittene Darknet auch nur den Hauch von Realismus beinhaltet. 

Doch es geht ja um die Stories an sich, u.a. produziert und arrangiert von einigen größeren Namen wie Vincenzo Natali. Und da gibt es durchaus Highlights, die die Serie zumindest für Fans schaurig-schockierender Kurzgeschichten zur dezenten Empfehlung machen. In der Mitte hat die Season zwar deutliche Hänger, doch für die Folgen eins, zwei und sechs kann ich einwandfrei den Daumen nach oben geben. Und dann ist der Spuk auch schon vorbei. Kurz und schmerzvoll. Der Humor ist oft schön schwarz, die Wendungen sind bitterböse und makaber, Härtegrad und Blutzoll stimmen, es kommt durch die faszinierend hohe Schlagzahl selten Langeweile auf. Außerdem sind einige Sequenzen und Arrangements wirklich erstaunlich ineinander verkeilt und über Ecken miteinander verbunden, die man anfangs niemals erwartet. Besonders hängen geblieben sind zwei konkurrierende Hacker, die ihr blaues Wunder erleben, eine Stripshow für einen Spanner, die ganz fies ausartet, oder auch direkt zu Beginn der Start einer mörderischen Leidenschaft. Hier entpuppt sich oft vieles anders, als man denkt, Unschuld und Bösartigkeit sind clever getarnt und vertauscht, zudem ist alles durch die Bank hochwertig produziert und schön in den letzten Minuten abgerundet. Die Serie und Idee hatte Potenzial, daher ist es schon schade, dass dieser kanadische Geheimtipp direkt wieder abgesetzt wurde und in den mittleren Episoden derart schwächelt. Die Anwesenheit von großen Namen vor der Kamera unterstreicht die Authentizität bzw. das „live“ oder gar „snuff“ Gefühl. Zumindest konzeptuell oder als Hintergedanke. 

Fazit: schön-verflochtene Schlechtenachtgeschichten für die Generationen Y, deren Angst, Schrecken und Biss aber im Laufe der sechs Folgen abnimmt und insgesamt leider zu oft in egalem Mittelmaß mündet. Ein paar Höhepunkte reichen allerdings für einen tröpfelnden Tipp für Anthologie-Fans. (6,5/10)

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