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Aus finanziellen Gründen verlagert Hollywood so manche Produktion nach Bulgarien. Regisseurin Valeska Grisebach nutzt indes den Schauplatz einer rauen Provinz, um ein Fundament ihrer Sozialstudie zu schaffen, die über weite Teile recht realitätsnah ausfällt.

Ein paar deutsche Bauarbeiter reisen in die bulgarische Provinz, um ein Wasserkraftwerk zu errichten.
Während die Kollegen unter sich bleiben, hält sich Meinhard häufiger im nahe gelegenen Dorf auf, um Land und Leute besser kennen zu lernen. Dabei stößt er bei Vorarbeiter Vincent auf Unmut…

Einige Parallelen zum titelgebenden Western sind unübersehbar: Kaum sind die Deutschen im Camp angekommen, wird erstmal die deutsche Fahne gehisst und beim Baden eine junge Einheimische verärgert. Gleich den damaligen Indianern entsteht ein Eindruck von Rückständigkeit, denn in dem Dorf scheint die Zeit vor mehr als 50 Jahren stehen geblieben zu sein. Zudem gibt es Pferde und Waffen kommen auch vor.

Hauptfigur Meinhard entwickelt sich indes zur tragischen Figur zwischen den Stühlen: Indem er Kontakte zu den Dorfbewohnern knüpft, eckt er bei den Kollegen an, während die Einheimischen den Invasoren nicht trauen und Probleme mit der eingeschränkten Trinkwasserversorgung haben, wogegen die Arbeiten eine überdurchschnittliche Menge benötigen und Baumaterial offenbar bei der örtlichen Mafia versackt ist.
Eigentlich eine Menge Konfliktpotential, doch Grisebach nutzt dieses kaum, wodurch Spannungsspitzen nahezu komplett ausbleiben. Selbst der genretypische Showdown findet nicht statt.

Allerdings könnte die Milieustudie kaum realitätsnäher ausfallen, denn es wirken ausschließlich Laien mit. Dieses ist den Mimen beileibe nicht anzumerken und es erweist sich als Trumpf, mit Menschen zu drehen, die sich offenbar kaum oder gar nicht verstellen müssen und sich entsprechend natürlich geben. Zwar wirken einige Dialoge ein wenig improvisiert, aber es strahlt gleichermaßen einen gewissen Charme aus, wenn Meinhard versucht, sich irgendwie zu verständigen, sei es durch Intonation oder mit Gesten. Es wird viel geraucht und getrunken und in Ansätzen fühlt man sich fast ein wenig heimisch in dem urigen Dorf, in dem sich die meisten Bewohner recht umgänglich zeigen.

Dennoch hätte man der Erzählung einige Reibungspunkte mehr hinzufügen können. Innerhalb der rund 121 Minuten plätschert das Treiben nicht uninteressant vor sich hin, doch die Erwartungshaltung, dass sich das letzte Drittel ein wenig zuspitzt, wird jäh enttäuscht.
Insofern sollte man sich auf ein ruhiges Drama einstellen, welches sich zwar gekonnt mit Themen wie Verständigung, Gastfreundschaft und kulturellen Unterschieden auseinandersetzt, sich allerdings nicht traut, zwischenzeitlich auf den Putz zu hauen.
6 von 10

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