Review

Monstercasting für die MTV-Generation


Ich glaube „The Monster Project“ hatten sich die Macher im besten Fall wie eine moderne Mischung aus „[Rec]“ und „Grave Encounters“ vorgestellt - doch die Rechnung ging nicht auf. In dem hektischen, geisterbahn-ähnlichen Found Footageler treffen sich ein paar Hobbyfilmer und YouTube-Sternchen mit drei „Monstern“, die sie per Netzannounce gesucht hatten. Oder zumindest Menschen, die sich für übernatürliche Wesen und Monster halten. In das verlassene Hause kommen eine Vampirlady, ein Skinwalker und ein dämonisch besessenes Mädchen. Doch während die ersten Interviews zwar gruselig aber noch glimpflich durchgehen, wird die Nacht noch ein ganz wilder Ritt...

Ich hatte bis kurz vor Schluss wirklich noch geglaubt, gleich kommt etwas wie „Pranked!! Alles nur Show“, also ein doppelter Boden. Wäre billig gewesen, hätte aber zu der Dummheit und Plattheit und Machart gepasst. Doch das blieb aus, das Ding nimmt sich wahrhaftig ernst. Und könnte damit kaum verkehrter liegen. Die dauernde Nachtsichteinstellung der Kamera ist nicht nur abartig hässlich sondern erschwert auch Übersicht und Sichtbarkeit, die Monster und Effekte sehen öfters unbrauchbar als gut aus und das „Vorstellen“ der Figuren und deren Beziehungen untereinander im kompletten ersten Drittel geht völlig in die Hose. Danach folgen nur noch billigste Jumpscares, die schneller nerven als man die Blu-ray wieder umtauschen kann. Oder Spukhaus auf dem Rummelplatz sagen kann. Der Höhepunkt ist der „Dämon“, dessen Fratze photoshopmässig immer wieder plötzlich und ohrenbetäubend ins Bild geworfen wird. Jämmerlich. Einzig und allein das aberwitzige Tempo und die dauernde Action in der zweiten Hälfte lassen einen zumindest einigermaßen bei der Stange bleiben. Sei es nur, weil es alle paar Minuten etwas gibt, worüber man sich aufregen kann oder wo man den Kopf schüttelt. Oder was einen lautstark aus dem Schlaf reißt. Wären einem die Figuren immerhin wichtig oder würde der rote Lebenssaft ordentlich fließen... doch auch da ist weitestgehend Fehlanzeige. Dagegen wirken selbst „Katakomben“ oder „The Visit“ wie kleine Meisterwerke der Spannung. Found Footage wirkt wie kaum ein zweites Horrorsubgenre oft zumindest stark kurzweilig und wie seichtes Erschreck-Fast Food - hier reicht es nichtmal dafür. 

Fazit: Welcome to the House of Found Footage Horror - „The Monster Project“ ist nicht mehr als ein lautes, unschönes Horrorhaus vom Jahrmarkt. Schnell nervig und ohne jegliche Spannung. Aber immerhin mit gehörig Schmackes und in gewisser Weise eine Art oberflächliche Zelebration einiger unserer liebsten Monster. Leider fehlen Fingerspitzengefühl und Atmosphäre völlig. Und der Look ist ugly as hell. Da ist die Wertung fast noch gnädig. 

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