Review

Trotz des Durchlaufens gleich mehrerer Alternativtitel während der Produktion und vor allem auch der vorbereitenden Distribution hat der anfänglich als The Fixer proklamierte, dann kurzzeitig Drug Warn benannte und nunmehr als Dealer/Healer veröffentlichte 'Kriminalfilm' aus der Regie von Urgestein Lawrence Ah Mon a.k.a. Lawrence Lau eher eine bewegte Geschichte als wirkliche Aufmerksamkeit bei Kritik und Publikum hinter sich. Besetzt u.a. mit dem altbewährten Team aus Louis Koo und Lau Ching-wan, deren gemeinsame Zusammenarbeiten vor der Kamera sich in rasanter Weise der Zwanzig nähern, und noch zusätzlich addiert mit einem (theoretisch brisanten, hier höchst moralisch in ein “Vom Saulus zum Paulus“ ummoduliertes und auch religiös manipuliertes) Thema – die Eröffnungszeremonie der Produktion wurde vor dem Drug Rehabilitation Center of The New Being Christian Fellowship abgehalten – und einem zeitlich interessanten, gesellschaftspolitisch und sozial eminenten Ort und Geschehen, konnte der Film gerade im wichtigen Kassenland der Volksrepublik keine Neugier erzeugen und keinen finanziellen Erfolg generieren.

Ein Einspiel von etwa 6 Mio. USD wurde letztlich verbucht, was angesichts der Möglichkeiten und Ergebnissen anderer Action-Dramen und -Thriller der letzten Tage im Grunde zu vernachlässigen ist, wobei man allerdings attestieren muss, dass das Thema nicht massentauglich, das genannte Setting auch eher nur für den Hong Kong Bewohner von Belang sein dürfte und neben den beiden Hauptdarstellern auch der Rest der Besetzung durchweg aus kantonesischen Personen und oftmals gar Veteranen von dort, wie u.a. Ng Man-Tat, Vincent Wan, Chen Kuan-Tai, Billy Lau, Stephen Au, Lo Hoi-Pang, Patrick Tam, Nora Miao, Mark Cheung Lui usw. usf .besteht:

Die Sechziger und Siebziger waren glorreiche Zeiten für die Kleinkriminellen Chen Hua a.ka. Cheater Hua [ Lau Ching-Wan ], Bullhorn [ Gordon Lam ] und Cat [ John Zhang Jin ], die zwar behelligt von korrupten Polizisten und geldgierigen Triaden ihr eigenes kleines Drogengeschäft am Laufen halten konnten als auch selber fleißig konsumierten. Als die Spirale der Sucht und der Gewalt zu schnell wird und bei Cheater Hua mittlerweile auch die Beziehung zur Freundin und großen Liebe Carol [ Jiang Yi-Yan ] gescheitert ist, riskiert er einen gewagten Schritt und wechselt geläutert auf die andere Seite der Kriminalität, wo er als Drogentherapeut dem Nachwuchs die Flausen austreiben will, und dafür als finanzielle Unterstützung für die Einrichtungen auch Starthilfe vom noch im Sumpf steckenden Triadenboss Harley [ Louis Koo ] benötigt. Dieser, ehemals vom Schläger und Aufpasser aufgestiegen zur einer leitenden Person hat allerdings mit dem rachsüchtigen Konkurrenten Ash [ Ben Lam ] ebenfalls so seine Probleme.

Eine (gewollte und vergebliche) Rückkehr in eine Zeit, in der das einheimische Kino noch eminent und nicht nur Erinnerung, Fußnote für das Mutterland der Volksrepublik und Talenteschmiede für die finanziell prosperierende 'Besatzungsmacht' vom Festland war. Ein kurzer Flug in eine bessere Zeit, die mittlerweile vergangen und nicht vergessen, im besten Fall nur noch bruchstückenhaft vorhanden und so nicht mehr aufzubauen ist; wobei man hier mit der Kowloon Walled City als Ort des Geschehens genau diesen einen Platz wählt, den es außer in Gedanken und als Sammlung von Fotos und Anekdoten in Büchern eben nicht mehr gibt, da nicht mehr existiert.

Aufgezogen wie eine Biografie (vom auch als Produzent fungierenden und derart alles überwachenden  Peter Chan San-Chi, der seine Geschichte bereits 1995 als Drehbuchautor für den weitgehend unbeachteten Those Were the Days... erzählt hat und ein guter Freund von Lau ist)  bzw. eher wie eine Art Huldigung und Bewerbungsgespräch, in dem der Kandidat anhand seines Lebenslauf und des Werdegang seine Qualifikation für "The Most Outstanding Person of the Year" und Beweggründe vor versammelter Mannschaft darstellen muss, wird hier vom Endpunkt im Jahre 1987 angefangen und dann gleich zu Beginn zweimal in die Vergangenheit, erst nach 1974 und dann noch mal ein ganzes Jahrzehnt zurück nach 1964 gesprungen. Allein die Örtlichkeit um Tzs Wan Shan als Ursprungsviertel und daneben Kowloon Walled City als Ort 'beruflicher' Karriere sowie das Trio um Cheater Huo, Cat und Bullhorn sowie Huos baldiger Freundin Carol und ihrer Misere in der Beziehung bleibt während den Sprüngen vor und zurück gleich, die umstehenden Personen und Gegebenheiten wandeln sich.

Huo, der deutlich im Mittelpunkt des Geschehens steht, fungiert dabei auch als Erzähler per Voice Over, zumindest zu Beginn, wobei dies Chan Man-keung, ehedem Stammautor von Lawrence Lau, verantwortlich für dessen ersten halben Dutzend Filme, als sichtlich billiges Mittel für eine gewisse Orientierung in der anfangs haltlosen, nicht gleich fesselnden Geschichte nutzt. Chan, der bspw. für Laus berühmten Gangs, den Lee Rock Zweiteiler, Queen of Temple Street oder Arrest the Restless zuständig war, formuliert hier zusammen mit Neuling Sana Lam eine fest im Drogen- und Verbrechermilieu befindliche Bestandsaufnahme einer bereits komplett ausgeprägten und verhängnisvollen Sucht, die sich den positiven Rauschwirkungen, also das Hochgefühl und die Tiefe an Empfindungen und Sinneseindrücken vollständig verweigert und schon beim Siff, dem Müll, dem allgemeinen Verwahrlosen und der moralischen Korrumption und Korruption, der Degeneration und der Degradation angekommen ist und sich dort zur Abschreckung auch richtiggehend suhlt. Zu all dem Drama um Sucht und Bewältigung kommt später noch das emotionale Ungemach um eine gescheiterte Liebe, den Ärger mit den Triaden, einem wegen dem Erfolg neidischen Vorgesetzten und zuguterletzt eine fatale Krankengeschichte, was nun wirklich zu viel des Guten (bzw. des Schlechten) ist.

Über bleiben tut der Versuch einer Glorifizierung einer Person, die sicherlich seine positiven Einflüsse auf die Menschen ausgeübt hat und was auch anzuerkennen ist, hier aber allzu verklärt wird und rein wie als staatliches und christlich angehauchtes Anti-Drogen-Pamphlet der simpelsten Sorte, wie die Big Budget Variante der ähnlich angesiedelten Kleinfilme The Most Dangerous Man (2010), Demon 2 (2011), Probation Order (2013), Sozial- und Erbauungsware für den ausgewählten Kundenkreis an Lehrmaterial wirkt.

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