Die Schülerin Clare, gespielt von Joey King, hat es nicht leicht. Als Kind musste sie den Selbstmord ihrer Mutter mit ansehen, nun lebt sie mit ihrem Vater, gespielt von Ryan Phillipe, in einer Messie-Behausung. Letzterer bestreitet seinen Lebensunterhalt mit dem Durchwühlen von Mülltonnen und schenkt seiner Tochter eines seiner neusten Fundstücke, eine chinesische Spieluhr, die laut Inschrift sieben Wünsche erfüllen kann. Clare ist zwar skeptisch, wünscht dann aber einer verhassten Mitschülerin, halb im Scherz, dass diese verrotten möge. Als diese am nächsten Tag nicht in der Schule auftaucht, da tatsächlich einzelne Körperregionen zu faulen beginnen, äußert Clare weitere Wünsche – ohne zu ahnen, dass dafür ein hoher Preis fällig wird.
Dass überraschendste an „Wish Upon“ ist, dass der Film von John R. Leonetti überhaupt seinen Weg in die Kinos gefunden hat und nicht direkt in amerikanischen oder deutschen DVD-Regalen versenkt wurde. Denn Leonetti, Regisseur von Rohrkrepierern wie „Mortal Kombat 2“, „Butterfly Effect 2“ oder „Annabelle“ hat mal wieder nur B-Ware geliefert, einen Horrorfilm von der Stange, der ebenso durchschaubaren Regeln folgt, wie die chinesische Wunschbox, die sieben Wünsche erfüllt und dafür jeweils einen Tribut fordert.
Weil der Film so durchschaubar ist, hat der Zuschauer der jugendlichen Protagonistin gegenüber stets einen Vorsprung. Man würde am liebsten Aufschreien, wenn Clare ihren ersten Wunsch äußert und die magischen Kräfte der Spieluhr entfesselt. Immerhin ist ja spätestens seit „Tanz der Teufel“ gemeinhin bekannt, dass mit mysteriösen Artefakten unbekannter Herkunft nicht zu spaßen ist. Und dann dauert es auch noch eine halbe Ewigkeit, bis Clare (mit fremder Hilfe) endlich registriert, dass ihre Wünsche nicht folgenlos bleiben, was sie wiederum nicht davon abhält, weiter mit einer Mischung aus Selbstsucht und Naivität blindlinks ins Verderben zu rennen und jedes neue Problem doch wieder mit Hilfe der Spieluhr lösen zu wollen. Würde die tatsächlich erst 17jährige Joey King ihre Figur bei all dem nicht authentisch und trotz allem auch sympathisch verkörpern und die Handlungsweisen menschlich verständlich erscheinen lassen, „Wish Upon“ wäre ein filmisches Debakel geworden.
Der Charme des Films, der nur selten eine dichte Atmosphäre erzeugt, besteht so meist darin, zu erraten, welche Figur als nächstes welchen Tod erleiden wird. Die teils hanebüchenen Unfalltode, ganz offensichtlich von „Final Destination“ inspiriert, gestalten „Wish Upon“ zumindest einigermaßen kurzweilig und sorgen für einen gewissen trashigen Charme, wenngleich das Geschehen so mitunter etwas albern wird und auch die letzte Spannung weicht. Die schauerlich schlechten Dialoge tun in dieser Hinsicht ihr Übriges.
Fazit:
Der größte Reiz besteht bei „Wish Upon“ wohl darin, den nächsten Todesfall zu erraten und zu erkennen, von welchem Vorbild gerade abgekupfert wird. Ansonsten ist der Horrorfilm nach Schema F leidlich spannend, ungewollt komisch, damit aber halbwegs unterhaltsam – B-Movie-Charme inklusive.
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