Ein Frühling in Grautönen
Ein ägyptischer Film Noir? Allein diese exotischen Fügung reichte um mich ins Kino zu bringen. Und jeder der auf politische Thriller steht, sollte dies ebenso tun. Denn "Die Nile Hilton Affäre" ist verführerisch, unterschwellig, pochend und akut. Weltkino mit Anspruch und Schärfe. Unterkühlt und aufwühlend. Ein Krimi mit Klasse, mit exotischem Setting und realen Hintergründen. "Blade Runner" meets "The Big Sleep", einen guten Tatort und "Battle of Algiers". Kurz vor der arabischen Revolution 2011 geschieht in Kairo im Nile Hilton Hotel ein heikler Mord an einer Popsängerin. Nun wird der Chefermittler immer tiefer in die Unterwelt der korrupten und kurz vor dem bersten stehenden Stadt gezogen. Gibt es Gerechtigkeit? Wahrheit? Entkommen? Eine bessere Zukunft? Wer das Genre kennt, weiß die Antwort.
Zwar in Casablanca gedreht, doch mag ich das Cairo-Setting für einen Kriminalthriller sehr. Die Atmosphäre, der Smog, der Abschaum der Multikulti-Stadt, gemischt mit der Aktualität der Themen (Korruption, Regime, Immigration) - so wird spätestens im Heimkino, wo er genauso gut funktionieren wird wie im Kino, dieser prekäre Zwischenfall kurz vor dem arabischen Frühling sehenswert. Weitere Alleinstellungsmerkmale sind ein markanter Hauptdarsteller und weitere typische Film Noir-Eigenschaften, die man gerne endlich mal wieder neu kombiniert und interpretiert sieht. Mystery. Tod. Sex. Grauzonen en Masse. Der Weg ist das Ziel. Das Ziel will man kaum erreichen. Denn dort wartet wahrscheinlich eher Ernüchterung als Erleichterung oder Befriedigung. Am Ende steht das Volk auf und Ägypten liegt trotzdem am Boden. Zerfressen von Kriminalität, Scheinheiligkeit und Sünden. Ein guter Mann war nicht genug.
Fazit: ein Land zwischen Aufschwung und Niedergang, Korruption und Hoffnung, Politik und Mord. Ein Noir Krimi, der mehr als nur Exotenbonus genießen sollte. Trotz ein paar sehr trockener Passagen. Storytechnisch Stangenware, elegant und intelligent neu verpackt.