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Fast könnte man den Eindruck erlangen, seit der Ära eines gewissen US-Präsidenten sei die Produktion von Dystopien deutlich gefragter. Mit einer Mischung aus „Mad Max“, „Die Klapperschlange“ und „The Purge“ versucht sich Autor und Regisseur Mike P. Nelson im Metier, wobei er überwiegend hinlänglich bekannte Versatzmuster abspult.

Nach einem Supergau vor drei Jahren sind nur noch rund zehn Prozent der Bevölkerung am Leben. Viele davon sind in kriminellen Gangs unterwegs, harmlose Zivilisten wie das Paar Nina (Kate Bosworth) und Mark (Tyler Hoechlin) müssen sich über gefährliche Stationen hangeln, um nach Milwaukee zu ihren Eltern zu gelangen…

Nelson hält sich nicht lange mit Erklärungen auf, sondern illustriert anhand eines Geschwaders, welches schwarzes Gift über die Landschaft versprüht, dass offenbar jemand auf den Roten Knopf drückte. Von den beiden Protagonisten bekommt man rasch einen flüchtigen Eindruck ihrer Ehekrise, wobei die Chemie zwischen dem Paar tatsächlich nicht allzu dolle ist und dieses folgerichtig nur bedingt als Sympathieträger taugt.
Leider mutet der dazugehörige Road-Trip recht wahllos an, denn das Konzept besteht lediglich darin, einzelnen Gangs zu begegnen, welche mehr oder minder gewaltbereit sind.

Die Idee hinter den kriminellen Vereinigungen ist nicht verkehrt, doch die Gangs bleiben zu oberflächlich entwickelt. Die Cherrys, die nur aus Frauen besteht, kommen zu selten zum Einsatz, Hinterwäldler, die als Plowboys unterwegs sind, bleiben deutlich zu harmlos, während die Gambler komplett drüber gezeichnet sind: Einige von ihnen sind mit schweren Tierköpfen unterwegs und deren Leitmotiv ist entsprechend das Zocken. So entscheidet etwa ein Glücksrad über Leben oder Tod und später wird es bei einer Art Russisch Roulette vor Publikum sogar einigermaßen spannend. Wirklich aufregend gestaltet sich allerdings nur der finale Akt, als die Grenzen zwischen Gut und Böse ein wenig verwischt werden.

Dazwischen gibt es zu viele arg ruhige Einschübe, die durch beinahe meditative Klänge untermauert werden. Emotionen kommen hier allerdings kaum auf, was nicht zuletzt am eher steifen Spiel der beiden Mimen liegt. Wesentlich interessanter sind ambivalente Charaktere wie Nathan und seine Familie, bei denen man sich nie sicher sein kann oder eine Amazone, die das Paar wie eine Art Schutzengel verfolgt. Dazwischen gibt ein Radiomoderator noch ein paar aktuelle Aspekte in Sachen Gangbewegungen von sich und ist für den Einsatz einiger Oldies zuständig. Wobei die Fünfziger nie so recht zur apokalyptischen Stimmung passen.

Immerhin kommt es zu einigen recht harten Gewaltspitzen, es gibt zahlreiche blutige Einschüsse, ein Messer durch den Kopf und ein halb weggeschossenes Gesicht. Die Sets sind indes zwar schlicht gestaltet, doch die Endzeitstimmung kommt dabei gut zur Geltung, während die Kamera grundsolide arbeitet.
Demgegenüber kommt die Story nicht mit, sie wirkt über weite Teile konzeptlos und erst im letzten Drittel wird ein wenig an der Temposchraube gedreht, wobei größere Schauwerte, trotz einiger Action ausbleiben. Für beinharte Fans düsterer Zukunftsmusik nicht gänzlich verkehrt, Innovatives sollte man jedoch nicht erwarten.
Knapp
6 von 10

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