Review

The Return - 8,5/10

Staffel 3 / The Return

Weg von den Wurzeln

Über zwo Jahrzehnte dauerte es bis vielleicht DIE Kultserie überhaupt zurückkehrte - „Twin Peaks“ macht mit „The Return“ den Deckel drauf und schliesst eine viel zu lang offene Geschichte relativ rund ab. Mit neuen Mitteln - aber alten Gewohnheiten. „Twin Peaks“ war, ist und bleibt alles andere als normal oder mainstream. Und „The Return“ ist nicht minder genial als der Ursprungsstoff aus den 90ern. Nur eben auch nochmal eine gehörige Portion anders. Von der Zeitspanne lässt die „dritte“ Staffel genauso viele Jahre in's Land ziehen wie in unserer realen Welt - Agent Cooper erwacht aus seinem „Red Velvet“-Alptraum und die Welt ist eine andere, mysteriösere. Doch manche Dinge, wie tote Schönheitsköniginnen, ändern sich nie… Hier ein paar Gründe, warum „Twin Peaks“ mit diesem „Return“ auch drei Jahrzehnte (besonders für Fans, wozu ich mich nun zähle) noch immer funktioniert. Sensationell sogar. Und warum dieser dritten Staffel und „Auflösung“ doch noch ein paar Prozentpunkte fehlen, um einen genauso großen Wow-Effekt auszulösen wie damals… 

Die Welt geht vor die Hunde, Junge, melancholisch aber wahr!

Glorreiche Rückkehr / TV-Heiligtum

+ etliche Rückkehrer und bekannte Gesichter

+ gerade für Fans genau das Richtige

+ noch immer ganz Twin Peaks

+ Folge 8 ist pur Lynch und ein TV-Meilenstein

+ nie berechenbar

+ etliche Insider und Throwbacks an die ersten beiden Staffeln

+ eine runde Sache; macht am Ende erstaunlich viel Sinn (zumindest für „Twin Peaks“-Verhältnisse)

+ Humor offbeat und speziell

+ Kyle MacLachlan kann’s noch immer

+ viele kurz nach Drehschluss/mittlerweile verstorbene Darsteller geben extra Gänsehaut (Sizemore, Coulsen, Stanton, Bowie, Forster)

+ Songs und musikalische Auftritte am Ende vieler Episoden geben Flair, Rahmen, Takt, Gefühl und Atmosphäre

+ vereint Mystery, Comedy, etwas Horror und Krimi

+ kann auch mal blutig werden

+ wunderschöne (auch ältere) Frauen

+ interessante „Neuzugänge“ (Lillard, Landry Jones, Watts, Farren)

+ viele WTF?!-Momente

+ besser spät als nie

+ kann noch immer niemand nachmachen

+ führt an menschliche Abgründe

+ führt endlich etliche Stränge zu Ende

+ geht keine Kompromisse ein

+ (k)eine klassische „Gut gegen Böse“-Geschichte

+ bringt den Mythos in eine neue Generation

+ nutzt die Fähig- und Möglichkeiten des modernen Fernsehen

+ definiert TV einmal mehr neu

+ unangenehm-geniale Soundkulisse

+ ein Prisma der subtilen Eitelkeiten

+ „Spiegelqualität“: jeder sieht etwas anderes

+ schlägt einen wunderschönen Bogen zur Pilotfolge und allgemein den älteren Staffeln, Themen, Figuren

+ vielseitig und variabel

+ man kann nicht immer alle Puzzleteile zusammensetzen - man hält sie aber liebend gerne in den Händen, im Gedächtnis, im Herzen, in den Knochen

+ dieser letzte Schrei geht mir nicht mehr aus dem Kopf… 

Wirre Collage / ausschließlich für „Lynchianer“

— nicht jedermanns Stil und Sache

— eher für Fans, kaum für Neueinsteiger 

— meist recht lange, einstündige Episoden

— alles andere als kurzweilig

— sehr, sehr viele Figuren; kann manchmal unübersichtlich werden

— sehr experimentell, abstrakt und „anders“

— seltsamste Auswüchse und Nebenhandlungen

— tritt von der Hauptgeschichte auch mal auf der Stelle

— visuell manchmal sogar hässlich aus heutiger Sicht

— lässt sich für viele nicht greifen oder verstehen

— selbst wenn man will und sich sehr konzentriert, versteht man nicht auf Anhieb alles; oft „Erklärvideos“ von Nöten

— man musste sehr lange auf dieses Finale warten

— hat vielleicht nicht mehr ganz den „Ü-Effekte“ wie damals

— weirde, leere letzte Episode… selbst für „Twin Peaks“-Verhältnisse 

Bevor die Hölle einfriert… 

Fazit: die Zeit steht nicht still… und doch bleibt „Twin Peaks“ genial. Außergewöhnlich. Einfach absonderlich gut. Sogar mit ein paar neuen Höhe- und Knotenpunkten des gesamten Mythos. Aber auch mit etwas Leerlauf und etlichen Fragezeichen, hochgezogenen Augenbrauen, ratlosen Blicken. Aber was wäre „Twin Peaks“ ohne. Selbst für Fans. „The Return“ ist die meiste Zeit genau der bizarre Abschluss, den man sich für diesen gesamten mysteriösen Meilenstein und kultigen Kosmos wünscht. Und doch ganz anders als man erwartet. Lynch at his new finest! (8,5/10)

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