Review

Verzweifelte Weiblichkeit

Von vielen Filmen dieses Jahr hatte ich erwartet, dass sie polarisieren. Vom neuen Werk von Claire Denis eigentlich weniger. Doch es gab im Publikum bei meiner Vorstellung heftige Reaktionen, die man bei einer ruhigen, arthousigen Liebeskomödie aus Frankreich nicht unbedingt erwarten kann. Kritiken im Netz von "Meisterwerk" bis "schlimmster Film ever" schlagen in eine ähnliche Kerbe. Die Wahrheit liegt für mich wie so oft mal wieder zwischen den Extremen. Ein komplizierter, spezieller Liebesfilm, der weder romantisch noch lustig oder wirklich dramatisch ist, über eine mittelalte, attraktive Frau, die in Paris einige Affären mit nicht allzu brauchbaren Exemplaren der männlichen Gattung hat...

"Let The Sunshine In" könnte kaum französischer sein und ist rein gar nichts für den Mainstream. Doch auch Kritiker oder Liebhaber des europäischen Kunstkinos könnten Schwierigkeiten bekommen, da dieses anstrengende Liebesdrama oft zwischen Stühlen tanzt und (absichtlich) ätzend und trashig und blöd ist. Zumindest hoffe ich auf Absicht. Juliette Binoche ist jedenfalls bezaubernd und stark wie selten in ihrer eindrucksvollen Karriere - eine Traumfrau, noch immer und für immer. Die Männer kommen weniger positiv weg. Die Figuren, nicht die ebenfalls guten Darsteller. Eine fühlbare und gleichzeitig seltsam überhöhte Welt voller Schweine und Loser, Quatschköpfe und Lustmolche, Leere und Sinnlosigkeit. Eine Frau auf der Suche nach dem Glück in einer Welt voller Schwindler und enttäuschter, deprimierter Seelen. Bei dem negativen Bild der Männerwelt muss die Regisseurin wohl mit den frustrierten Aufschreien von einigen von uns Dreibeinern leben. Nicht, dass jetzt alle Frauen das Kino zufrieden verließen. Ganz im Gegenteil. Auch da waren manche am schimpfen wie Rohrspatzen. Umso länger ich darüber nachdenke, desto beeindruckter bin ich von dieser Leistung... ohne die vielen Passagen der Ziellosigkeit und Banalitäten des eigentlich recht kurzen Films zu vergessen. Er ist nicht sexy und nicht unterhaltsam, selten lustig und ausgestattet mit fragwürdigen Figuren die sich viel zu lange über Nichts unterhalten und ausgestattet mit einer oft unangenehmen Eindringlichkeit. Irgendwie sehenswert - auf eigene Gefahr!

Fazit: Binoche strahlt sonnengleich und den Mut seinen polarisierenden Weg zu gehen, muss man respektieren, fast etwas bewundern. Zudem gibt es einige wunderschöne Shots und Szenen voller Ehrlichkeit und Frustration... ABER im Endeffekt siegen bei mir dennoch eher Frust, Langeweile und eine aufreizend nichts sagende, prätentiöse Art, die wahrhaft aufregen kann und zumindest Emotionen hervorruft. Das können heutzutage gar nicht mehr allzu viele Filme von sich behaupten.

P.S.: Der Abspann mit Gerard Depardieu und seiner faszinierenden Nase ist dann nochmal ein schwafelndes Highlight, das endlich echtes Lachen hervorruft. Wenn auch über den Film selbst. Aber einer Meisterin auf dem Regiestuhl wie Denis unterstelle ich auch hier volle Absicht. 

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