Review

Lieber Michael Bay,
dass Sie es als Regisseur von Musikvideos und Werbefilmen beim Feuilleton schwer haben würden, dürfte Ihnen bereits bewusst gewesen sein, als es Sie vor gut 20 Jahren ins Filmgeschäft verschlug. Und tatsächlich hat Ihnen Ihre Arbeit in diesem Business bis heute zehn Nominierungen für die Goldene Himbeere eingebracht, eine regelrechte Flut schlechter und sehr schlechter Kritiken. Aber egal: Sie machten dünne Storys und haarsträubende Wendungen einfach genauso zu Ihrem Markenzeichen, wie die gegen das Sonnenlicht gefilmten Hubschrauberlandungen und Kussszenen. Zwischendurch produzierten Sie stereotype Horrorfilme, als wollten Sie Ihre vielen Kritiker bestätigen.
Sie haben als Regisseur unbeirrt einfach geliefert, was Ihr Publikum sehen wollte: gewaltige Zerstörungsorgien, perfektes Unterhaltungskino, meist so kurzweilig und überwältigend, dass man Ihnen selbst den amerikanischen Hurra-Patriotismus nicht übel nehmen konnte. So haben Sie Mir mit „The Rock“ und vor allem „Armageddon“ zwei der größten Blockbuster meiner Kindheit beschert, Bruce Willis zu meinem Helden gemacht, mich zehn Jahre später, mit „Transformers“, im Kinosessel elektrisiert, wie es Peter Jackson zuletzt mit „Herr der Ringe“ gelungen war - und das auch ohne den epischen Atem der Fantasy-Trilogie. Stattdessen haben Sie einfach Ihre kämpfenden Roboter in den Ring geschickt und eine visuell so atemberaubende Zerstörungsorgie geliefert, dass ich sie mir gleich zwei Mal im Kino angesehen habe.
Seitdem haben Sie, unterbrochen von kleineren Produktionen, der „Transformers“-Reihe und Produzent Steven Spielberg die Treue gehalten. Dass die Kritiken immer verheerender wurden, war Ihnen egal, Sie machten bis zum fünften Teil einfach weiter. Ein Grund dürfte, in Anbetracht der gigantischen Einnahmen, Ihr üppiges Salär gewesen sein. Aber ein hohes BoxOffice ist ja auch so etwas wie der Zuspruch eines großen Publikums. Und meinen Zuspruch hatten Sie auch, nach einem etwas enttäuschenden zweiten jedenfalls bis zum überzeugenden dritten Teil.
Danach stieg Hauptdarsteller Shia LaBoeuf, wie zuvor bereits Megan Fox, aus. Beide waren mit dem Niveau der Franchise unzufrieden - und sollten mit dem vierten Teil ihre Bestätigung finden. Der Neustart mit Mark Wahlberg war ein Rohrkrepierer, die Story wirr, der Humor infantil. Spätestens hier hätten Sie das Handtuch werfen, sich noch mal mit einem frischen Stoff befassen sollen, zumal das erste Mal bei dieser Reihe das Einspielergebnis im Vergleich zum direkten Vorgänger leicht zurückgegangen war. Doch Sie machten weiter. Dass Sie mit dem fünften Teil nun auch beim Publikum verspielt haben, zeigt der enttäuschende Kinostart in den USA (wenngleich es weltweit besser aussieht). Ich selbst habe mich, das erste Mal, von einem Ihrer Filme überhaupt nicht unterhalten gefühlt.
Die Story ist selbst für Ihre Verhältnisse ein echtes Desaster. Warum haben Sie sich nicht damit zufrieden gegeben, zwei verfeindete Roboter-Allianzen aufs Schlachtfeld zu schicken und ein paar Wolkenkratzer zu zerlegen? Der Film hätte 90 Minuten gedauert, wäre etwas einfallslos aber schnell erzählt und unterhaltsam gewesen, hätte nicht die fahrigen Längen des vierten Teils aufgewiesen. Stattdessen haben Sie alles nur noch verworrener gemacht, als es ohnehin schon war:
Sie haben ein paar krude historische Bezüge aus der Zeit der Völkerwanderung miteinbezogen, inklusive des sagenumwobenen Artus-Mythos. Um das alles irgendwie zu verknüpfen wenden Sie viel Laufzeit für langweilige Erklärungen auf und lassen Anthony Hopkins immer wieder zu zähen Vorträgen ausholen. Doch das, was der alte Mann erzählt, ist kein augenzwinkerndes Seemannsgarn, sondern Schrott: Pseudo-Geschichte durchsetzt mit Alien-Fantasien, Dan Brown auf Speed.
Außerdem beziehen Sie diesmal so viele Roboter aus verschiedenen Phasen der Geschichte und aus unterschiedlichen Regionen der Erde mit ein, dass es beim Showdown, wenn alle aufeinandertreffen, allzu unübersichtlich wird. Ihr letzter „Transformers“-Film, wie Sie ihn angekündigt haben, sollte wohl der größte werden. Stattdessen ist er hoffnungslos überladen.
Und auch ansonsten haben Sie nichts aus dem vorigen Teil gelernt. Ihre Roboter verhalten sich erneut wie eine Horde halbstarker Pubertierender. Sie furzen, weil sie zu viele Bohnen gegessen haben und werfen nur so mit One-Linern um sich, die schon zur Jahrtausendwende nicht mehr cool waren („Huston, der Adler ist gelandet“). Mit Laura Haddock und Teenie-Sternchen Isabela Moner haben Sie sich zwei neue starke Frauen mit ins Boot geholt, die noch weniger Profil als ihre Vorgängerinnen haben und als Bösewicht ist Ihnen mal wieder nicht mehr eingefallen, als ein metallener Fiesling, der zum x-ten Mal die Erde vernichten will.
Sie sind erst 52 Jahre alt, doch der Film wirkt wie der eines alten Mannes, der sich fortlaufend selbst rezitiert. Der fünfte Teil fühlt sich an wie der zehnte einer Reihe, die sich unter Ihrer Ägide überlebt hat. An der Optik Ihrer Transformers-Filme konnte man sich bereits in den vorherigen Teilen satt sehen und bis zum Showdown gibt es nicht eine Action-Sequenz, die wirklich Spaß macht, nur kurze und austauschbare Kampf-Szenen. Bis zum finalen Gefecht wird ohnehin allzu viel gelabert und gewitzelt - und wir reden hier über einen Zeitraum von etwa zwei fast ereignislosen Stunden.
Der finale Welten-Kampf ist dann purer Gigantismus, der hilflose Versuch durch einen übermäßigen Einsatz von CGI, durch maßlos übertriebene Action, aus der Fülle an ebenso gewaltigen CGI-Orgien von DC oder Marvel noch herauszustechen. Sie lassen ein Raumschiff in der Größe eines Planeten auf die Erde los und überladen nicht nur die Story, sondern auch die Action-Szenen vollends. Während sich die Macher von „Fast and Furious“ immer wieder neue Settings und rasante Aktionen einfallen lassen, versuchen Sie, die Einfallslosigkeit mit noch mehr Bombast zu übertünchen. Damit versagen Sie leider auch auf dem Feld, das Sie eigentlich beherrschen wie kaum ein anderer.
In der kriegsähnlichen Sequenz, in der die Gruppe um Optimus Prime einen feindlichen Bunker einzunehmen versuchen, blitzt Ihr Potential einmal kurz auf. Es ist die einzige Szene, die wirklich zu gefallen weiß und damit doch ein kleiner Lichtblick. Sie sollten sich noch mal an einem anderen Stoff versuchen. Vielleicht gebe ich Ihnen dann noch eine letzte Chance.

Hochachtungsvoll,
ein enttäuschter Fan

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