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Ein großer, giftiger Apfel


Eine attraktive illegale Einwanderin ohne Dokumente schlägt sich in New York durch - zwischen erniedrigenden Nebenjobs, skeptischen Blicken, Kakerlaken in der Badewanne und wenig Hoffnung am Horizont. Bis eine Bekannte von ihr einen Job erwähnt, der extrem gut bezahlt ist und sich fast schon zu gut anhört, um wahr zu sein. Und tatsächlich: dieses geheime Engagement schöner junger Frauen in der Schattenwelt dieser gefräßigen Insel ist alles andere als angenehm und ohne Haken...

„Most Beautiful Island“ handelt von Enttäuschung, Erniedrigung und Lebensgefahr, von innerer Ruhe, Kraft und (erloschenem?) Lebensmut, von dem schon längst modernden amerikanischen Traum und einer scheinheiligen Unmenschlichkeit und Doppelmoral in der Gesellschaft/Oberschicht. Die wunderhübsche Ana Asensio drückt dabei dem unprätentiösen Werk ohne Zweifel von allen Richtungen (Regie, Hauptrolle, Drehbuch) ihren Stempel und ihre glaubhaften Erfahrungen auf. Hier natürlich in einem nervenzermürbenden Finale drastisch und effektiv gesteigert. Bis zu diesem unvergesslichen Höhepunkt gibt es neben ihrer starken Performance allerdings recht wenig Handfestes, Greifbares, Bleibendes, Fesselndes. Der Alltag einer Immigranten, ziemlich am Boden angekommen. Deprimierend, nicht neu, sehr zäh und ereignislos. Ein paar böse Vorahnungen gibt es, aber das Gro seiner Zeit handelt es sich um eine staubtrockene Milieustudie, ein mageres Charakterporträt mit eher wenig sympathischer „Heldin“ - erst im letzten Drittel dann in Richtung Grauen gehend. Das ist dann wie gesagt auch ein ordentlicher Payoff zu dem konsequenten Slowburn zuvor - aber insgesamt gesehen reicht mir das nicht ganz. Trotz knackiger Laufzeit und spektakulären Talenten von Frau Asensio. 

Fazit: das Finale ist aufregend und ungewöhnlich. Das Thema ist und bleibt akut, metaphorisch stark angegangen. Und die Mädels spielen intensiv. Manchmal machen sich sogar ein wenig „Eyes Wide Shut“-Vibes breit. Und dennoch reicht es leider im Gesamtpaket weder für genug Spannung oder bleibenden Effekt. Wieder mal: Kurzfilmpotenzial, Langfilmqual. 

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