Natürlich kommt "Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre" niemals ans Original ran. Natürlich ist die Originalversion viel viel besser und viel viel verstörender und viel viel originaler und viel viel um gar nichts zu übertreffender und überhaupt: ich kann diesen Originalitäts-Fetischismus bald nicht mehr hören. Das Original mag noch so toll sein - Michael Bay's Version ist deswegen kein Stückchen minderwertiger.
Zum Inhalt gibts nicht viel zu sagen: Es wird das klassische Motiv aufgegriffen, eine Gruppe Jugendlicher strandet mitten in der Pampa, die Anhalterin im Wohnmobil bekommt Muffensausen und schießt sich lieber schnell selbst das Hirn durch die Hinterscheibe hinaus als mit der Gruppe zusammen an diesem Örtchen im Nirgendwo zu verbringen. Zentrale Figur ist Ledergesicht, ein seltsames Menschlein mit einer üblen Kettensäge in der Hand, dessen Hobby es ist Menschen zu Tode zu quälen - oder alternativ halt gleich mit der Kettensäge zu Kleinholz, Verzeihung ich meine Hackfleisch, zu verarbeiten. Los gehts mein lieber Horror, jetzt darfst Du Dich ergötzen.
Das klassische Motiv funktioniert bei Michael Bay hervorragend. Die Neuverfilmung schadet nicht, im Gegenteil, sie bringt mehr Drive hinein. Die Szenerie ist nach wie vor düster: nicht nur von der Farbwahl, sondern insgesamt von der Ausweglosigkeit der Situation her. Alle Charaktere sind "some kind of strange", um nicht zu sagen völlig daneben. Jede Szene ist hart, auch wenn nicht immer alles gezeigt wird. Gesplattert wird nur in geringem Ausmaß, das Grauen hält auf psychischem Wege stilvoll Einzug - dafür umso dauerhafter und nachhaltiger.
Das moderne TCM wartet mit allerlei Special Effects auf, ohne dabei übertrieben zu wirken. Kaputte Charaktere werden aufgepeppt dargestellt - und nicht zuletzt werden die tapferen Leidensgenossen von zeitgemässen Figuren und Charakteren verkörpert. Jessica Biel raubt natürlich allen figurmässig den Atem (ein echter Hingucker), aber auch die Jungs Jonathan Tucker und Eric Balfour (bekannt als Gape aus "Six Feet Under") können auf ganzer Linie überzeugen. R. Lee Ermey als Sheriff Hoyt nimmt seine Rolle fast persönlich, teilweise ist Hoyt so widerwärtig daß man sich fragt ob Ermey nur ein Schauspieler ist oder tatsächlich ein solcher Unsympathling.
Keine Frage - wer das Original kennt wird auch immer nur das Original lieben. Aber für die Nachwuchsgeneration der Horrorfreunde ist dieses Remake ein Meisterwerk - und für sich alleine betrachtet ein erstklassige Streifen, an dem es nichts auszusetzen gibt. TCM 2003 verschwindet nicht so schnell aus dem Kopf des Rezipienten. Schwache Gemüter sollten ihn abends vorm ins Zubettegehen nicht ansehen...
(9/10)