Review

Massentaugliches Remake des 74er Klassikers, das leider öfters in Regionen des 08/15-Slashers abdriftet.
Dabei fängt der Film recht einfallsreich an: Die Handlung wird dieses Mal in ein scheinbar authentisches Polizeivideo eingebettet, damit ähnlich wie beim Original ein Anflug von Authentizität entsteht. Im Hintergrund tönt jedoch der gleiche Sound so wie im Original, denn die Macher 2003er TCM erweisen sich als recht respektvoll dem Original gegenüber, auch wenn nicht alle Modernisierungen hier zum Besten sind.
Das fällt direkt bei der Einführung der Figuren auf, der nicht vergebene der fünf Jugendlichen ist dieses Mal kein Rollstuhlfahrer, denn Tabubrüche wagt das Remake selten bis gar nicht. Auch der mitgenommene Anhalter ist kein Psychopath, sondern ein entkommenes Opfer der Schlachterfamilie, das sich mittels versteckter Wumme in den Kopf schießt, als sie merkt, dass das Quintett in Richtung Schlachthaus fährt. Immerhin effektmäßig macht die Szene jedoch Laune (die Kamera folgt der Bahn der Kugel), doch das Ganze wirkt wenig bedrohlich.

Man informiert den Sheriff, der sich seltsamerweise an einer alten Mühle mit den Jugendlichen treffen will. Da der gute Mann irgendwie nicht auftaucht, startet der kleine Trupp Streifzüge – und erweckt dabei die Aufmerksamkeit der mordgierigen Schlachterfamilie…
TCM 2003 wagt weniger als das Original und setzt weniger auf Psycho-Horror. Da heißt, dass das andauernde Kreischen flachfällt, was an sich gar nicht mal so schlecht ist, und man stattdessen auf eine etwas konventionellere Hetzjagd setzt. Diese ist dann auch grundsolide gemacht, hat einiges an Tempo, doch Hochspannung sieht anders aus. Das liegt zum einen daran, dass man schon am Verhalten der Figuren schnell vorhersagen kann, wer diesen Film überleben darf, und man am Verhalten diverser ländlicher Nebencharaktere gleichzeitig schnell ablesen kann, wer da noch mit den Schlachtern unter einer Decke steckt.
Ebenfalls etwas nervig ist die Tatsache, dass TCM 2003 teilweise platte Slasherklischees aufgreift: Das zweite Pärchen unter den Jugendlichen ist erst wenige Tage zusammen, kann aber nicht voneinander lassen und verhält sich auch sonst so wie die Klischee-Teenies in den „Freitag, der 13te“-Sequels, die Schlachter sind nicht einfach auf Menschenfleisch umgestiegen, sondern brauchen ein 08/15-Motiv (in der Kindheit waren alle andern böse zu Leatherface, also wird jetzt im Erwachsenenalter gehäckselt bis die Schwarte kracht) usw.

Doch abseits dieser Schwächen bekommt man ein ganz ordentliches Horrorfilmchen, das vor allem mit einiger Atmosphäre aufwarten kann. Es wird weniger auf die Verwertung der getöteten Menschen gesetzt (man denke an die „Einrichtung“ im Original), stattdessen geht es hier düster zur Sache. Doch da kommt dann leichtes Gänsehautfeeling auf und hetzt man die letzte Überlebende dann durch Haus, Hof und Fleischfabrik, dann erzeugt TCM 2003 durchaus Spannung. Die weiteren Todesszenen sind ganz nett gemacht, bieten ein paar Effekte nicht zu viele, wirken aber selten unangenehm (lediglich das lebendige Aufhängen am Haken ist übel).
Schauspielerisch geht TCM 2003 durchaus in Ordnung, auch wenn vor allem das Jungvolk in den Hauptrollen keine Meisterleistungen vollbringt und gerade Jessica Biel eher durch gutes Aussehen als durch gutes Schauspiel auffällt. Immerhin R. Lee Ermey darf als verlotterter Südstaaten-Sheriff noch mal so richtig fies vom Leder ziehen und auch der Rest der Nebendarstelleer liefert recht Ordentliches ab.

Bleibt unterm Strich ein solides Horrorfilmchen mit düsterer Atmosphäre und spannenden Verfolgungsjagden, doch TCM 2003 bleibt Konfektionsware ohne den Mut des Originals und besitzt deutlich mehr Klischees als dieses.

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