Review

In den letzten Jahren scheinen Hollywoods Drehbuchautoren von einer Welle der Ideenlosigkeit erfasst worden zu sein. Kaum noch neue Ideen. Stattdessen wird neuverfilmt bis das Zelluloid brennt. Neben den John Carpenter-Klassikern "Assault - Anschlag bei Nacht" und "The Fog" sowie anderen Action- und Horror-Klassikern hat es auch etliche japanische Horror-Produktionen erwischt. Und im Moment scheint es noch nicht so auszusehen, als ob man in Hollywood damit aufhören will. Sicher gibt es das eine oder andere Remake (z.B. Das Ende - Assault on Precinct 13), das sich mit dem Original messen kann, doch die meisten Remake-Versuche sind dann doch ein Schuss in den Ofen. Anders bei "Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre", kurz "TCM 2003". Ich persönlich halte von dem Original nicht viel, will das aber nicht weiter erläutern, da ich dies bereits in dessen Review getan habe. Somit ist das Remake aus meiner Sicht die bessere Variante und betrachte es als alleinstehendes Werk, das nicht ständig mit dem Original verglichen werden muss.

Auf dem Weg durch das in unbarmherziger sommerlicher Hitze vor sich hin brütende Texas nehmen Erin (Jessica Biel) und ihre Freunde eine verstörrte Anhalterin mit, die sich kurz darauf Selbstmord begeht. Entsetzt versuchen die Jugendlichen, die sich auf einmal in einem Alptraum gerissen sehen und doch keine Ahnung davon haben, was ihnen noch bevorsteht, den nächsten Sheriff zu benachrichtigen. Damit beginnt jedoch erst der wahre Terror, denn die fünf landen in einem abgelegenen Farmhaus, in dem eine degenerierte Familie haust...

Eyecandy Jessica Biel (Blade: Trinity) gibt die typische Horrorfilm-Heldin, die mit den üblichen Schrei-, Heul- und Wegrenn-Standarts ausgestattet und stets knapp bekleidet ist. Aber alles halb so schlimm, da man sich mit Biel zufrieden geben kann. Das restliche Jungvolk wie Eric Balfour (No Night Stand), Jonathan Tucker (Hostage) und Erica Leerhsen (Blair Witch 2) spielen ebenfalls passabel, wenn halt auch nicht herausragend. Einen ordentlichen Dreckssack mit Stern markiert hier R. Lee Ermey (Full Metal Jacket), während Andrew Bryniarski (Rollerball) als Leatherface lediglich das Standartprogramm auffährt, was auch Michael und Jason drauf haben.

Als ich hörte, dass Michael Bay (Bad Boys) das Remake produzieren würde, war ich schon etwas skeptisch. Bis auf "The Rock" und die beiden "Bad Boys"-Filme hat der Mann bisher nur cineastischen Abfall produziert, der mit "Pearl Harbor" einfach die Geschichtsbücher fälschte und somit den Gipfel fand. Wie sich das mit "Die Insel" verhält, kann ich nicht sagen, da ich den Film noch nicht gesehen habe. Aber Herr Bay war ja hier nun als Produzent und nicht als Regisseur tätig. Diesen Job überließ er seinem deutschen Werbeclip-Spezi Marcus Nispel (Frankenstein), der zwar schon mit "End of Days" sein Spielfilmdebüt geben sollte, sich aber so sehr mit Arnie und dem Rest der Crew zoffte, dass man ihn kurzerhand rausgeworfen hatte. Nun sollte er unter Michael Bay eine neue Chance erhalten, die er auch nutzte. Mit Daniel Pearl holte er zwar den Kameramann des Originals mit an Bord, entfernte sich aber nach der Einleitungssequenz von dessen Dokumentarstil. Eher schwelgt Nispel hier in Hochglanzoptik mit vielen Braun-, Grün- und Schwarztönen. Dadurch schafft er es auch prima die brütende Sommerhitze des Handlungsortes zu vermitteln. Vor allem die Hewitt-Bude sieht schön bedrohlich aus und dessen Innenräume wurden auch mit viel Detail gestaltet. Ansonsten bedient sich Nispel Kulissen mit einem gewissen Ekelfaktor, was auch gut zur Atmosphäre des Streifens passt. Kommen wir aber nun zu den Tötungssequenzen. Wie im Original ufert man auch hier nicht im titelgebenden Massaker aus, sondern zieht die Morde mit schnellen Schnitten oder kurzen Einblendungen über die Bühne. So mancher Tot eines Opfer ist auch gar nicht zu sehen, und wird nur angedeutet. Somit nichts für irgendwelche blutgierigen Gorehounds, vielmher was für den Gewohnheitsgucker. Für Menschen mit schwachen Nerven oder Angst-Syndromen ist "TCM 2003" dennoch nichts, da allein die Atmosphäre schon bedrohlich wirkt und einige Locations so manche Sauberkeitsfanatiker in die Wahnsinn treiben würden. So lässt sich sagen, dass Marcus Nispel ein fähiger Regisseur ist, der mit der Optik (vor allem die Kamerafahrt durch das Schussloch im Kopf der Anhalterin) umzugehen weiß. Auch die Musikuntermalung geht in Ordnung und erinnert stellenweise sogar an "Shining". Kommen wir aber so den Negativpunkten des Streifens, die aber glücklicherweise nicht überwiegen. Da wäre zum einen die lächerliche 08/15-Erklärung, weshalb Leatherface diese Taten begeht. Dass er in seiner Kindheit schlecht behandelt wurde erklärt aber noch lange nicht, warum der Rest der Familie gleich mitmachen muss. Zum anderen dann das etwas ziellose Wegrennen Erins vor Leatherface und ihr Verhalten, nachdem sie ihm den Arm abgetrennt hat. Warum geht sie nicht einfach zu Leatherface zurück und gibt ihm mit der Kettensäge den Rest, solange er von der Verletzung noch geschwächt ist? Da wollte man sich wohl die Tür für eine mögliche, aber nicht notwendige, Fortsetzung offen halten. Leatherface mit Captain Hook-Haken wär auch eine selten blöde Idee. Ungeklärt bleibt auch, was mit dem kleinen Jungen passiert, nachdem dieser Erin und Morgan zur Flucht verholfen hat. Doch wie gesagt überwiegen die Schwachpunkte von "TCM 2003" nicht, weshalb er als für sich allein stehendes Werk ordentliche Horrorkost darstellt.

Alles in allem macht das "TCM 2003" zwar nicht zu einem wahrhaft hervorragenden Remake der Marke "Das Ende - Assault on Precinct 13" oder "Mann unter Feuer", doch besser als das oftmals hochgelobte und überschätzte Original ist der Film dann doch.

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