Remakes sind doch wirklich up to date! Wenn einem nix besseres in den verkoksten Regisseur- beziehungsweise Produzentenschädel kommt, dann macht man mal flott einen Film den es schon gibt und der damals schon so richtig erfolgreich war! Klar, denn alle sind gespannt und notorisch skeptisch dazu, ob denn das Original zumindest halbwegs erreicht wird.
Bei dem von Nispel inszenierten „Texas Chainsaw Massacre“, in Fachkreisen auch unter dem einprägsamen Kürzel „TCM“ bekannt, war die Erwartung der Ledervisagenfreunde an diesen Film überproportional hoch. Da ich mich nicht zu den Leatherfaceanhimmlern zähle (eher ist das Gegenteil der Fall), war ich eigentlich nur darauf gespannt, ob aus den Fehlern des 70iger Jahre Horrorschmus gelernt wurde.
Die Story ist von ihren Grundpfeilern her identisch geblieben, doch es wird mehr von den Charakteren preisgegeben. Insbesondere erfährt man mehr über den degenerierten Leatherface und seiner inzestuösen Familienbande. Außerdem wurden reichlich neue Details in den alten Plot verwoben, die maßgeblich für Spannung und Atmosphäre sorgen. Jene zu verraten wäre deplaziert, denn es würde das Vergnügen an diesem Film stark minimieren!
Punkten können in diesem Remake vor allem die Darsteller, die nicht nur die ganze Zeit anödend rumplärren oder geistigen Dünnschiss von sich lassen. Hier wird im Gegenzug zum Original mehr wert auf schauspielerische Fähigkeiten gelegt. Die Identifikation mit den Jugendlichen ist auch vorhanden, was mir persönlich beim 74iger „TCM“ fehlte!
Die Atmosphäre ist auch bedeutend besser! Hier ist wirklich alles ziemlich psychopathologisch abgespaced fertig; Sicko eben! Düster, schmutzig und abstoßend! Das was das Original versuchte, erreicht das Remake vortrefflich! Hier ist nicht alles in dem Maße billig, übertrieben und unstrukturiert dargestellt; Nein- hier wird genau das präsentiert was man sich wünscht.
Einen wesentlichen Pluspunkt bekommt Leatherface in Nispels Inszenierung! Man sieht ihn häufiger, detaillierter und er wirkt meinem Gusto nach böser als im Original! Hier ist Leatherface nicht nur der fette und hohle Killer, weil er Ausstrahlung besitzt! Die Darstellung des familiären Rahmens mag hierfür maßgeblich sein.
Was leider zu kurz kommt sind die Gore-Effekte. Zwar ist der Film atmosphärisch und spannend, doch auch hier wird das Blutdefizit des Originals nicht ausgebessert. Von einem Film der ein Kettensägenmassaker verspricht, sollte diesbezüglich auch mehr optisch bei rum kommen! Dies hätte weder der Spannung noch der Atmosphäre geschadet- im Gegenteil, es wäre ein Film gewesen der hält was er verspricht!
Fazit:
Gemessen am Original ist Nispel ein beachtlicher qualitativer Sprung nach oben mit seinem Remake gelungen! Schauspieler, Atmosphäre und ein diesmal böser und nicht lächerlicher Leatherface können eher überzeugen. Maßgeblich negativ ist jedoch der Goremangel, welcher auch schon die 74iger Fassung zur übermäßigen Enttäuschung machte.
Es wurde zwar aus Fehlern gelernt, aber dennoch reicht es nicht für einen sehr guten Horrorfilm aus.
4,5 von 10 Punkten