"Die Ereignisse jenes Tages sollten zu einem der bizarrsten Verbrechen in den annalen der amerikanischen Geschichte führen."
Noch bis heute wirbt "Texas Chainsaw Massacre" mit dem Zuruf auf wahren Ereignissen zu basieren. Dabei handelt es sich, genauso wie im Original, auf einer losen Verfilmung des Romans Psycho aus dem Jahre 1959 den Alfred Hitchcock 1960 unter gleichem Namen verfilmte, bzw. der Mordserie des amerikanischen Serienmörders Ed Gein.
Im Jahre 1973 sind die fünf Jugendlichen Erin (Jessica Biel), Kemper (Eric Balfour), Andy (Mike Vogel), Pepper (Erica Leerhsen) und Morgan (Jonathan Tucker) mit einem Kleinbus auf der Rückreise von Mexico nach Dallas. Auf dem Weg läuft ihnen in einer verlassenen Gegend ein verstörtes Mädchen vors Auto, welches sich kurze Zeit später mit einem Revolver in den Kopf schießt. Geschockt durch dieses Ereignis lassen sie in der nächsten Tankstelle einen Sheriff rufen um eine Aussage machen zu können und den Leichnam in Verwahrsam geben zu können. Diesen sollen sie an einer alten Mühle treffen. Als dieser nach längerem warten nicht erscheint, suchen Erin und Morgan ein nahegelegenes, verlottertes Haus auf um erneut zu telefonieren. Sie wissen allerdings nicht, dass dort ein Hüne mit einer Hautkrankheit lebt, welcher schon des öfteren Menschen mit einer Kettensäge zerlegte.
Leatherface... dieser Name hat auch heute noch ein hohes Ansehen im Horrorgenre. Bekannt durch seine Maske aus Leder auf seinem Gesicht und der Kettensäge in der Hand, stolpert der maskuline Hüne nach wie vor über die Leinwände.
Michael Bay, der kurzerhand den bis dato unerfahrenen Marcus Nispel auf den Regiestuhl setzt, welcher auch für das eher schwache " Pathfinder" verantwortlich ist, leiht in diesem Remake wohl nur dem Titel den Namen und hat sonst nicht weiter viel zu tun gehabt, als beim Abschluss seine Unterschrift drunter zu setzen. Umso erstaunlicher ist es, was hierbei produziert wurde.
Was wie ein einfacher Roadmovie beginnt und sich gerade am Beginn etwas zieht, wird in der zweiten Hälfte zu einem rasanten und knallharten Höllentrip.
Der Ablauf ist einfach und behält die für das Horrogenre übliche "zehn kleine Negerlein"-Strategie bei, bedeutet einer nach dem anderen beißt ins Gras. Bei nur 5 Hauptfiguren die sich hierfür eignen, gibt es natürlich nicht allzu viele mögliche Todesarten darzustellen, dafür fallen diese umso innovativer und abartiger aus.
Es werden Beine abgesägt, Personen auf einen Fleischerhaken aufgehängt, Arme abgeschnitten und große Löcher in Köpfe geschossen. Zugegeben, durch die starke Abdunklung und einige verwackelte Kameraeinstellungen bekommt man das meiste hiervon nur für einen Sekundenbruchteil zu sehen, die Wirkung dieser kurzen Bilder bleibt aber erhalten.
Die düstere, dreckige Atmosphäre der Umgebung unterstreicht die recht simple aber unglaublich spannend gehaltene Handlung. Die temporeichen Fluchtversuche der Charaktere und Verfolgungen durch Leatherface erstrecken sich über weite Teile der bewaldeten Umgebung und endet meist in klaustrophobisch engen Hütten, alten Lagerhallen oder schmutzigen Fabriken.
Bis zum Zeitpunkt dieser Produktion haben die wenigsten der Schauspieler eine größere Rolle gehabt. Sie waren meist nur in Serien, B-Movies oder kleinen Ablegern zu sehen. Trotzdem fügen sie sich gut ein. Und gerade Jessica Biel zeigt hier durch zittern und nervöses Augenrollen, dass sie für wesentlich mehr geeignet ist.
Wie fast immer üblich in diesem Genre werden den Figuren kaum Möglichkeit gegeben sich zu entfalten, obwohl es anfangs die Möglichkeit dazu gäbe. Desgleichen gibt es ein paar Logiklöcher, beispielsweise der Look und die Kleidung der Hauptcharaktere. Der scheint mir nämlich nicht zu den Siebzigern zu passen. Dies ist hier aber zu verzeihen.
Das Original kenne ich nicht, dieses Remake hat mich aber neugierig gemacht wodurch ich mir sicher noch mehr Material mit dem "Vorzeigehelden" Leatherface antun werde. Die beklemmende Atmosphäre sowie die temporeiche Erzählstruktur in der zweiten Hälfte sind wirklich beeindruckend, trotz dem einfach konstruierten Ablauf.
8 / 10