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Jessica Biel spielt eine Jugendliche, die mit ein paar Freunden unterwegs ist, bis ihnen plötzlich eine junge Frau vors Auto läuft, die sich schließlich, nachdem sie sie aufgegabelt haben, eine Kugel in den Kopf schießt. Die Teenager sind gezwungen an einem entlegenen Farmhaus anzuhalten. Was sie nicht wissen ist, dass sich dort ein brutaler Killer befindet, der es kaum erwarten kann, sie mit seiner Kettensäge zu zerlegen.

"Michael Bay´s Texas Chainsaw Massacre" ist ein erneuter Beweis dafür, dass Ideen im Horror-Genre extrem rar geworden sind. Lose anlehnend an dem Fall Ed Gein und auf dem Original "Blutgericht in Texas" basierend ist dies nämlich nur ein weiterer Teenie-Horrorfilm, der tendenziös sämtlichen Genre-Klischees zusammenschustert und nicht hält, was man sich von Produzenten Michael Bay hätte erwarten können.

Zunächst einmal sei gesagt, dass der Film, auch wenn er gern realistischer wäre und sich mit seiner wahren Begebenheit brüstet, lediglich vage auf dem Fall Ed Gein basiert, der im Übrigen "nur" zwei Frauen getötet hatte und nicht eine ganze Gruppe Teenager. Zweitens weiß der Film die Begebenheit nicht auszuspielen, so wären die Beweggründe Geins für seine Morde und die Leichenschändungen interessant zu erfahren gewesen, aber jede Motivation des Killers bleibt unklar, überhaupt ist die Charakterkonstruktion extrem flach und bleibt innerhalb der Stereotypen des Genres. Damit werden die zentralen Chancen, über das Mittelmaß hinauszukommen leider größtenteils verspielt.

Immerhin ist die Inszenierung von Marcus Nispel, der mit "Michael Bay´s Texas Chainsaw Massacre" sein Debüt ablieferte gut genug, dass der Film durchgehend unterhalten kann, auch wenn die Handlung mehr oder weniger bis ins kleinste Detail kalkulierbar ist, da sie die Handlungsbahnen des Genres einfach nicht verlassen will. Mit dem unauffälligen, aber beklemmenden Score, den relativ ekelhaften, aber sehr stark inszenierten Gewaltspitzen und Gore-Szenen, den finsteren Kulissen und einigen Schockmomenten, die zwar nicht gerade unvorhersehbar eintreten, aber ihren Effekt nicht verfehlen, sowie den alles in allem überzeugenden Darstellern kommt dennoch eine meist dichte Atmosphäre zustande, die auch durch die relativ schwachen Wendungen zum Ende hin kaum getrübt wird und einen ordentlichen Unterhaltungswert garantiert.

Dass der Film nicht so brutal wie sein Vorgänger ist, auch wenn er natürlich nicht gerade zimperlich ist, wenn es um Gewaltdarstellungen geht, und außerdem keine erwähnenswert bessere Story zu bieten hat, zeigt, dass es sich eigentlich nur um einen schwachen Aufguss handelt und dies ist der zweite Grund, weswegen der Film trotz seiner guten Momente, trotz des einen oder anderen gelungenen Schockeffekts, trotz der mitunter recht dichten Atmosphäre definitiv nicht über den Mittelmaß hinauskommt, denn wer das Original gesehen hat, wird hier nichts weltbewegend Neues finden.

Darstellerisch gibt es im Grunde nichts zu bemängeln. Jessica Biel spielt ihre Rolle sympathisch und souverän, macht sich als Scream-Queen ganz gut, ohne übertrieben hysterisch zu wirken und ist damit als typisches Horrorfilm-Opfer gut besetzt. Und auch die übrigen Darsteller der Teenager überzeugen durchaus und zeigen damit immer mal wieder, dass "Michael Bay´s Texas Chainsaw Massacre" zumindest kein billiges B-Movie ist. Darstellerischer Höhepunkt ist jedoch R. Lee Ermey, mit seiner beängstigend guten Darstellung des suspekten und sadistischen Sheriffs, auch wenn seine Figur sehr unglücklich konstruiert und in die Handlung verwoben ist. Mit einer enorm hohen Leinwandpräsenz, wie er sie schon in seiner unvergesslichen Darstellung in "Full Metal Jacket" zeigte, hinterlässt er einen hervorragenden Eindruck.

Fazit:
Dafür, dass sich der Film damit brüstet, auf einer wahren Begebenheit zu basieren, bleiben die Hintergründe der Tat vollkommen unbehandelt und die Ereignisse viel zu verfälscht und, da dieses Potential nicht genutzt wird und sich Bays Werk gänzlich innerhalb altbekannter Stereotypen bewegt, gelingt der Sprung über das Mittelmaß hinaus trotz der meist dichten Atmosphäre und der guten Darsteller nicht. Ordentliche Unterhaltung wird dennoch geboten und damit ist dies schon einer der besseren Vertreter seiner Zunft.

62%

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