Review

Texas Chainsaw Massacre
Mehr oder weniger gelungene Neuverfilmung eines echten Klassikers. „Marcus Nispel“ hat sich ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt, sich an einem „Klassiker“ ranzuwagen. Doch was dieser Herr, der anscheinend keine eigenen Ideen hat produzierte kann sich eigentlich schon sehen lassen. Zumindest liefert er mit diesem Remake nicht so eine Katastrophe wie sein später erschienenen „Freitag der 13.“ . Wer weis, wäre der ganze Film so wie die letzten 30 Minuten gewesen, hätte hier ein neues Meisterwerk des Horrors entstehen können. Denn eines ist sicher, die letzten 30 Minuten sind phänomenal.

„Marcus Nispel“ hat hier bewiesen, dass er es drauf hat, doch warum macht er nichts Eigenes? Warum Neuverfilmung und nicht Fortsetzung? Diese könnte man ihn zweifelsfrei zutrauen. So ist es schwer sein Texas Chainsaw Massacre einzuordnen. Einerseits handelt es sich um eine Neuverfilmung auf modern getrimmt, andererseits handelt es sich um eine Erweiterung, wenn nicht sogar neuen Teil der Reihe. Das kommt sicherlich auf die Perspektive an, aus der man den Film betrachtet, aber ganz einfach mach er es dem Zuschauer und anspruchsvollen Nostalgiker nicht.

Die Story:
Eine Gruppe von Teenys fahren in einem Van durch Texas nach Dallas, um ein Skinhead Konzert zu besuchen. Dabei schmuggelten sie noch Marihuana und scheinen Spaß zu haben. Durch Unaufmerksamkeit fährt „Kemper“ (Eric Balfour) fast eine Frau an, die traumatisch die Straße entlang läuft. Als sie Sie mitnehmen, begeht sie im Wagen mit einem Revolver Suizid, in dem sie sich die Birne weg ballert. Und schon kann der kommende Horror beginnen.

Auf der Suche nach Hilfe stößt die Gruppe auf „Sheriff Hoyt“ (R. Lee Ermey), der nicht sehr seriös wirkt. So dauert es nicht lange, bis er sich als Bestandteil einer psychopathischen Familie entpuppt. Diese schlachtet nun munter los und bringt einen nach dem anderen um in typischer Leatherface Diktion. Wilde Hetzjagd durch den Wald mit knatternder Kettensäge. - Man kennt die Story ja, daher brauchen wir hier nicht ins Detail gehen, sondern lieber das ganze mal durchleuchten.

Also was man zu der Idee des Anfangs schon mal sagen kann, ist diese „Einleitung“ im Heizungskeller schon mal gelungen. Eine Art Rückblick zur besseren Durchsicht ist ne gute Idee gewesen und wertet den Film schon mal etwas auf. Dadurch, dass dies so „real“ authentisch gefilmt wurde, löst das schon ein leicht beklemmendes Gefühl aus und macht Laune auf mehr. Was danach kommt, hat mit dem Originalen eigentlich kaum was zu tun. Dennoch wirkt er psychopathisch krank und reißt einen mit.

Spannung baut der Film erstaunlicherweise auf. Das ist natürlich ein kleiner Bonuspunkt, wenn man die Story „nicht“ 1:1 vom originalen übernimmt. Doch kommt hier natürlich die Frage auf, warum hat man sich nicht gleich für eine würdige Fortsetzung entschieden, womit man wieder bei dem Punkt ist, das Remakes nur der Filmwirtschaft sich als dienlich erweisen, ansonsten völlig schwachsinnig und vor allem überflüssig sind. Aber darüber lässt sich es halt streiten, da hier jeder seine eigne Ansicht vertritt.

Neben der zu erwartenden Spannung muss man auch ein Lob an den Art Director aussprechen, deren Szenebild gut umgesetzt wurde. Die raue und schmutzige Kulisse wirkt schon sehr authentisch und kann durchaus mit der aus dem Originalen mithalten.

Die schauspielerischen Leistungen sind als durchschnittlich anzusehen. Deutlich heraus sticht hier natürlich „R. Lee Ermey“ in der Rolle von „Sheriff Hoyt“ (Full Metal Jacket). Sein auftreten, seine brachialen Sprüche und diese leicht psychopathische Aura verleihen dem Film Charakter, der hier gesamt gut reinpasst.

Wo wir schon beim Charakter sind, sollte man noch Kultfigur „Leatherface“ ansprechen. Die hat in diesem Remake, wie zu erwarten deutlich verkackt. Denn auch wenn „Andrew Bryniarski“ (der hier Leatherface spielte) sich Mühe gegeben hat, seine Wesenszüge sind nicht nur vom Original abgewandelt, nein sogar noch schlimmer, sie passen erst gar nicht rein. „Leatherface“ wirkt hier wie ein beliebiger Serienkiller aus der Konserve. Dieses Unberechenbare, kranke, psychopathische und dennoch ruhige wie beim original, sucht man hier vergebens.

Ein weiterer wie ich finde negativer Unterschied ist der Handlungsstrang. Wo im Originalen mehr die Familie fokussier wurde, hat man sich hier mehr auf die Opfer konzentriert, was schade ist. Das veranlasst natürlich, dass man mehr auf die Details eingehen kann, wenn zum Beispiel die Opfer „bearbeitet“ werden. So ist klar, dass dieses Remake „blutiger“ ist als das Original.

Gut, fassen wir das noch mal kurz zusammen.
Das Schlechte zuerst: Richtig verkackt und schlecht gemacht ist die Figur „Leatherface“. Das Ganze wäre sicherlich besser ausgegangen, hätte man sich hier mehr vom originalen abgeguckt, speziell bei der Optik und den Wesenszügen. Solch ein wichtiger Bestandteil wie diese Figur, um die es ja im Film hauptsächlich geht, so zu verhunzen, bezeichne ich als lieblos. Na ja typisch Remake halt. Zweiter negativer Aspekt sind mit Sicherheit die Handlungsfehler. Beispiel: Wo der Van kurzgeschlossen wird und Leatherface auftaucht und die Räder plötzlich abfallen, wirkt einfach nur billig.

Was erstaunlich ist, es gibt auch Positives:
Hier ganz klar die Idee mit der Schlachthaus Szene. Wo jetzt die Hardcore Remake Hasser gleich aufschreien werden, und sagen, dass diese Szenen überhaupt nicht zum Film passen, muss ich ausnahmsweise mal widersprechen, denn ich finde gerade diese Szene strahlt eine düstere Atmosphäre aus, wie sie besser nicht sein kann. Da man sowieso keine 1:1-Story umsetzen wollte, passt das schon und wertet den Film wie ich finde auch auf. Des Weiteren positiv zu erwähnen ist die Kameraarbeit, die wichtige Details einfängt, dabei nicht zu schnell ist und angepasst an den Handlungsverlauf reagiert.

Fazit:
Alles im allem hat „Marcus Nispel“ mit „Texas Chainsaw Massacre“ als Neuverfilmung ein Grund soliden Horrorfilm gedreht, der sich trotz Ideenklau sehen lassen kann. Für ein Remake erstaunlich gut und schlecht und hier habe ich auch ein Problem mit der Bewertung. Betrachte ich den Film als Remake, ist er im Grunde schlecht gemacht und maximal 3 Punkte Wert. Betrachte ich ihn aber als weiteren Teil der Reihe, wozu ich eher neige, würde ich ihn sogar schon fast 7 Punkte vergeben. So treffe ich mich in der Mitte bei 5 Punkten und gebe sogar noch einen drauf für die gelungene „Schlachthausszene“ und vergesse dabei den erbärmlichen Leatherface und komme so auf 6/10

Empfehlung? Ja eigentlich schon!

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