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Tobe Hoopers berühmt berüchtigtes „Texas Chainsaw Massacre“ genießt weltweit unter Horrorfans einen einzigartigen Ruf, wird dabei aber von Genreneulingen, aufgrund des Phantasie anregenden Titels, welcher auf ein Gorefestival schließen lässt und aus werbeträchtiger Sicht nicht ungeschickt gewählt wurde, völlig falsch eingeschätzt. Die bis heute anhaltende Faszination des Originals entwickelte sich aus der sicken Backwood-Atmosphäre und der kompromisslosen Inszenierung, der gar kein Budget für blutige Goreinlagen zu Verfügung stand.

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Hollywood, dessen Drehbuchautoren nun schon seit Jahren an chronischer Einfallslosigkeit leiden, an ein Remake dieses Klassikers machen würde. Überraschend hierbei allerdings die treibende Kraft: Michael Bay. Einer der bekanntesten, umstrittensten aber auch erfolgreichsten Mainstreamregisseure der letzten Jahre fungierte als Produzent und engagierte den völlig unerfahrenen David Nispel, der bis dahin gerade mal zwei Musikvideos runtergekurbelt hatte, als Regisseur, was in der Fangemeinde für massive Proteste sorgte. Sollte „ihr“ Klassiker etwas zu einem familientauglichen Horrorfilm der Neuzeit verkommen?

Umrahmt von dokumentarischem Polizeimaterial über die Hillbillies, variiert Nispel das Remake enorm, platziert es aber ebenfalls im Jahr 1974. Der Plot um jene in einem Kleinbus reisenden Freunde, die ehe sie es sich versehen, um ihr Leben kämpfen, wurde dabei aber grundlegend beibehalten, auch wenn unvergessliche Szenen, wie das „Familienessen“ hier keine Verwendung finden. So wird schon zu Beginn, während sie eine, am Straßenrand stehende, wie weggetreten wirkende, seltsame junge Frau aufgabeln, deutlich, dass dieser Film sich etwas anders entwickeln wird und nicht, wie zum Beispiel im vermurksten „Psycho“-Remake, alle Szenen 1:1 kopiert. Somit ist immerhin ein gewisser Spannungsbogen vorhanden, weiß man doch nie, was passieren wird.

David Nispels Regieleistung ist wiedererwartend positiv zu bewerten. Man spürt deutlich, dass er sich mit der Franchise auseinandergesetzt hat und viel Wert auf Details und Sets legt. Mit Farbfilter taucht er sein Remake in ein blasses Ambiente, das gut zu den staubigen, schmutzigen Locations, wie dem Haus der Familie passt, welches übrigens den Vergleich zum Original Stand hält und eine gewisse Faszination ausstrahlt. Lob für die Arbeit der Setdesigner und die düstere Ausleuchtung.

Nispel müht sich redlich den Spagat zwischen ernsthaften und mainstreamtauglichen Horrorfilm zu schaffen, scheitert dabei allerdings deutlich und verliert die Stärken seines Vorbilds aus den Augen, dass auch tagsüber gut funktioniert, während sich in der Neuauflage, fast panisch, auf die Nacht gestürzt wird. Die Sickoatmosphäre, vielleicht DIE Stärke des Originals, will hier nie aufkommen, denn an statt sich auf das kranke Verhalten der „Familie“ zu konzentrieren, wird das Schicksal der Opfer wesentlich stärker gewichtet, was auch die Einbindung neuer Familienmitglieder nicht ausgleichen kann. In aller Ausführlichkeit werden die Jugendlichen gequält und an Fleischerhaken gehängt, bis sie im feuchten Keller, nach verzweifelten Fluchtversuchen endlich dahinsiechen. Die einzige prominente Schauspielerin Jessica Biel, wird von Nispel so offensichtlich auf das männliche Publikum ausgelegt, dass es schon lächerlich wirkt, wenn sie in viel zu engen Jeans und sowieso schon verschwitztem Top mehrmals ins Wasser fällt, so dass sich ihre Rundungen endgültig nicht mehr aus den maskulinen Gehirnen entfernen lassen.(Nispel setzt auf Nippel)

War Leatherface, der hier auch einmal seine Maske abnimmt, bei Tobe Hooper noch das brachiale, schier unkontrollierte, kompromisslose Mysterium, welches mit seinen Opfern kurzen Prozess machte, verkommt er hier leider zu einem billigen Abklatsch berühmter Filmserienkiller wie Jason Vorhees oder Michael Myers, was aber nicht an seinem Aussehen, sondern an seinem Verhalten liegt, dass im Vergleich keinesfalls so konsequent ausfällt. Spätestens im überlangen, finalen Showdown, in dem er mehrere Minuten Jessica Biel, durch eine Vielzahl, düsterer und zerfallener Häuser inklusive Schlachthof, jagt, wird er endgültig zu einem beliebigem Schlächter abgestempelt.

Gorehounds werden, nebenbei bemerkt, keinen sonderlichen Spaß an Nispels Inszenierung haben, wird, abgesehen vom Anfang, stets eine Kameraeinstellung oder eine unübersichtliche, schnelle Schnittfolge gewählt, die sich außerhalb der expliziten Details bewegt, um dann auf das verkrampfte Gesicht der Opfer zu zoomen. Kurze Close-Ups auf einen Beinstumpf, sowie einen kurzen Blick auf ein abgesägtes Bein, ist schon das Äußerste, was man sich im Remake zutraut.

Fazit:
David Nispels Debüt hat seine Licht- und Schattenseiten, die sich in etwa ausgleichen. Während die Sets und die Variation des Plots, sowie die Inszenierung gelungen sind, wird die Atmosphäre der hooperschen Inszenierung nie erreicht. Dies dürfte aber, da das Mainstream-Publikum enorme Schwierigkeiten mit der Verarbeitung derer haben dürfte, auch nie Michael Bays Absicht gewesen sein. Leider verkommt der Film mit zunehmender Spieldauer und wachsender Präsenz Leatherfaces zu einem, wenn auch unheimlichen, Szenario, dass aus zu vielen Slashern bekannt ist, in denen der maskierte Serienkiller das hübsche Opfer jagt. So bleibt ein Remake, das eindeutig an das erwachsene Publikum gerichtet ist und besser als so manch anderer Recyclingversuch geriet, letzten Endes aber nicht an das Original heran reicht.

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