Mit "Blutgericht in Texas" (Texas Chainsaw Massacre) erschaffte Tobe Hooper 1974 einen Kultfilm, geprägt durch pures Terrorkino mit einer erschreckenden psychischen Härte, welcher ohne Zweifel zu einem Meilenstein der Filmgeschichte wurde und dem zusätzlich noch drei Fortsetzungen sowie das hier besprochene Remake folgten.
Nachdem lange zuvor angekündigt wurde, dass es ein Remake geben wird, welches von dem berühmten Michael Bay ("Bad Boys 2", "Armageddon") produziert wird, fielen die Reaktionen der Fans im Vorfeld sehr unterschiedlich aus. Ein Teil war der Meinung, dass das Original von Tobe Hooper unantastbar ist (eine Kopie liegt im New Yorker Museum of Modern Art) und den Film mit einem Remake nur verunstalten würde, indem man ihn zu einem kommerziellen Mainstream Produkt macht. Die andere Hälfte der Fangemeinde ließ den Film, ohne irgendwelche Vorurteile, auf sich zu kommen.
Die Geschichte ist ähnlich wie die des Originals, da zum Teil auch schließlich das Original-Skript benutz wurde. Demnach spielt der Film auch im August 1973 (!!! nicht 1974 wie viele hier behaupten !!!): Fünf junge Teenager treffen auf dem Weg zu einem Konzert auf eine verstörte Anhalterin, die psychisch völlig am Ende ist und Unheil verkündet. Daraufhin passiert etwas sehr schreckliches, was die Teenagern dazu veranlässt, den Sheriff zu alarmieren. Schon bald stellt sich heraus, dass sie in eine Irre geführt wurden und in den mörderischen Fängen einer sehr kranken Familie sind.
Gleich zu Beginn, wo die fünf Freunde auf die Anhalterin stoßen, wird klar, dass es sich nicht um eine 1:1 Kopie handelt, wie beispielsweise bei "Psycho". Durch die Variation des Plots weiss selbst der Zuschauer des Originals nicht immer, was als nächstes auf ihn zu kommt. Regisseur Marcus Nispel selber sagte, dass man den Film modernisieren musste, indem man einige Szenen neu schrieb und einfügte ohne jedoch auf die besten bzw. spannensten Szenen des Originals zu verzichten. So bleibt es mir allerdings unverständlich, dass das legändere "Familienessen" aus dem Origianal keine Verwendung im Remake fand.
Was ganz interessant ist, sind die Szenen der Polizeiuntersuchung zu Beginn und gegen Ende des Filmes, welche man in schwarz & weiss zu sehen bekommt. In meinen Augen, eine gelungene Einleitung.
Die Familie wird in der 2003er Version nicht so krankhaft dargestellt, wie im Original. Da kann auch die Einführung neuer Charaktere nicht viel dran ändern. Die Bedrohung die von Leatherface ausgeht, ist dennoch immer schockierend. Insgesamt wird im Remake sowieso mehr auf die Opfer eingegangen, als auf die Familie.
Die Leistungen der Schauspieler (Sheriff, Opa im Rollstuhl) sind überzeugend, wobei man hier besonders die hübsche Jessica Biel hervorheben muss. Sie bringt die Rolle des Opfers sehr glaubhaft rüber - fast so gut wie Marilyn Burns im Original. Auch die Leistung des aus Deutschland stammenden Regisseurs, der vorher in der Musikbranche tätig war (Janet Jackson Video), hat seinen Job wirklich gut erledigt, denn es gelingt ihm mit interessanten Kameraperspektiven und einer gelungenen Mischung des Lichts und Dunkelheit an den düsteren Sets eine spannende sowie düstere und schockierende Atmosphäre zu erschaffen. Neben der psychischen Gewalt bekommt man im Remake auch wesentlich mehr physische Gewalt zu Gesicht als in der 74er Version.
Als Fazit ist zu sagen, dass es letztendlich jedem selbst überlassen bleibt, wie er das Ramake bewertet. Ich, als großer Fan des Originals, war jeden Falls positiv überrascht und gebe dem Film die Höchstnote, da der Film einen bedrohlichen Eindruck bei mir hinterlassen hat.
10/10 B.Vaupel