Was wurde über diesen Film spekuliert! Macht es überhaupt Sinn, einen der verstörendsten Horrorfilme überhaupt neu aufzulegen? Würde das Remake gegen das Original bestehen können? Als dann auch noch der Name Michael Bay ins Spiel kam, bei dessen Klang man sich sofort an in Zeitlupe wehende Amerikafahnen und andere patriotische Widerwärtigkeiten erinnert fühlt, war für viele Fans von Tobe Hoopers Klassiker klar, daß dieser Schuß nur nach hinten losgehen konnte. Aber „Texas Chainsaw Massacre“ ist wider Erwarten richtig gut geworden. Dabei besitzt der Film eine gute Portion Eigenständigkeit und versucht nicht, das Original Einstellung für Einstellung zu kopieren. Die Grundhandlung ist allerdings dieselbe:
Ein paar Jugendliche fallen einer psychopathischen Sippe in die Hände. Unter ihnen befindet sich auch Leatherface, einer der schrecklichsten Killer, die jemals eine Leinwand betreten haben. Es beginnt ein gnadenloser Kampf ums Überleben...
„Gnadenlos“ ist dann auch das Schlagwort, nach dem der noch weitgehend unbekannte Regisseur Marcus Nispel vorgeht. Anders, als man erwartet hätte, ist das „neue“ „Texas Chainsaw Massacre“ absolut nicht massenkompatibel. Alle Leute, die einen „sauberen“ Horrorfilm, wie „Freddy vs. Jason“ erwarten, seien vorgewarnt. Dieses Werk ist verstörend, roh und brutal im essentiellsten Sinn des Wortes. Zwar wirkt die dreckige Atmosphäre, die den alten Film auszeichnet zuweilen ein wenig aufgesetzt, dafür wird visuell umso kompromissloser vorgegangen. Im Gegensatz zu Tobe Hoopers „Chainsaw Massacre“, ist die Version von Nispel vor allem von dem Level der graphischen Gewalt sehr exzessiv geworden. Ich würde sogar soweit gehen, daß ich auf der Kinoleinwand noch nie zuvor ein derartiges Gemetzel gesehen habe. Dabei sind es weniger die einzelnen Szenen an sich oder ihre Häufigkeit, als vielmehr die Art, wie diese inszeniert wurden. Leuten mit schwachen Mägen sei demnach auch abgeraten, denn passagenweise ist der Film wirklich kaum zu ertragen. „Untold Story“ lässt grüßen.
Die „Sickness“ – Komponente ist, wenn auch noch vorhanden, ein gutes Stück weit zurück getreten. Dies ist aber nicht so schlimm, denn dadurch wird die eigene Note des Films noch verstärkt. So wurde auch nur der rohe Handlungsverlauf übernommen, der Rest unterscheidet sich deutlich von Hoopers Version. Für Kenner des Originals bietet demnach auch das Remake viel an Spannung, indem es geschickt mit der Erwartungshaltung spielt, da viele Dinge minimal, aber sehr wirkungsvoll verändert wurden.
Nicht immer überzeugend wirken die Schauspieler. Dies liegt weniger an ihren darstellerischen Fähigkeiten, als vielmehr an den Rollen, die sie zu verkörpern haben. Besonders Jessica Biel ist viel zu „schön“ und passt demnach nicht recht in die ansonsten dreckige Umgebung. Auch ihre „ich fall in eine Pfütze, damit jeder sehen kann, daß ich nichts unter dem T – Shirt habe“ – Szene ist zwar angenehm anzusehen, wirkt allerdings gänzlich deplaziert.
Gut gefallen hat mir allerdings Leatherface, der nicht von Gunnar Hansen gespielt wird. Dieses Mal stellt ihn Andrew Bryniarski dar, der allerdings unter der Maske fast ebenso furchterregend wirkt, wie sein mittlerweile zum Kultstar avancierter Vorgänger.
Optisch bietet der Film einiges. Besonders das geschickte Spiel mit Licht und Schatten sei hier hervorzuheben. Die Beleuchtung des Hauses ist einfach nur genial, ebenso wie die Szenen in der Scheune, wodurch eine dichte, wenn auch wie eingangs erwähnt nicht so kranke Atmosphäre entsteht, wie beim Vorgänger. Man merkt eben in jeder Szene, daß es sich nicht um eine Low – Budget Produktion handelt, wodurch der „Schmuddelfaktor“ natürlich weitgehend verloren geht.
Insgesamt ist „Texas Chainsaw Massacre“ bei weitem nicht das Debakel geworden, das man hätte erwarten können, wenn er auch dem Original nicht das Wasser reichen kann. Allerdings ist es kein harmlos – netter Slasher geworden. Dazu ist die Gewalt einfach zu heftig. Schocken kann er aber durchaus und hat damit sein Ziel erreicht. In jedem Fall ein beeindruckendes Regiedebüt.
8/10 Punkte