Michael Bays Version des Tobe Hooper-Klassikers erfüllt im Prinzip alle Erwartungen, die man an ein typisches Remake des neuen Jahrtausends stellt: Auf Hochglanz gestylte Bilder, schnelle Action, etwas Gore und knackige Teeniestars. So gesehen ist das "TCM2003" ein wirklich gelungener Horrorspass, der alle Zutaten des Genres erfolgreich vereint - ja sogar leichte Variationen in Sachen Story und Schauplätzen wie zB die Fleischerfabrik sind vorhanden!
Problematisch jedoch ist, dass kundige Filmfans hier andere Maßstäbe ansetzen als das durchschnittliche, jugendliche Publikum der heutigen Tage. Wer hier nämlich einen ähnlich verstörenden Schocker erwartet wie seinerzeit in den 70er Jahren, der wird doch ziemlich enttäuscht werden. Da kann die technische Umsetzung noch so gut sein, ohne die perversen Utensilien und Umtriebe der Schlachterfamilien des Originals ist es eben kein echtes Texas Chainsaw Massacre! Ganz dem aktuellen Trend folgend, ist "TCM2003" einfach trotz einigen Bluteffekten zu harmlos, bricht keine Tabus oder schockt durch krasse Sadismen, ja selbst Leatherface wirkt nicht wirklich unheimlich in seiner zwar nett anzusehenden aber insgesamt in Sachen Monströsität zu inkonsequenten Maske.
Zu einem zünftigen "Texas Chainsaw Massacre" gehört einfach mehr als hier einen Unterschenkel abzutrennen und da im Off jemanden andeutungsweise zu zersägen...
Freilich will ich nicht sagen, dass es sich hier um ein harmloses Remake handelt, weswegen der Film auch zu Recht keine Jugendfreigabe erhalten hat - eine bedenkenlose Empfehlung kann ich dennoch nicht aussprechen. Wer lediglich einen weiteren Hollywood-Slasher erwartet, der wird in jedem Fall gut bedient, ein erneuter Kultfilm wird dem lüsternden Fan dann aber leider doch verwehrt. Zum Abschluss sei noch fairerweise erwähnt, dass Michael Bay's Interpreation der Schlachterstory dem Hooper-Original immerhin in Sachen Tempo und Abwechslung einen Tick voraus ist, das war's dann aber auch...