Hollywood hat keine neuen Ideen, wissen wir. Und wenn man schon keine neuen Ideen mehr hat, dann schnappt man sich einen ganz großen Klassiker des Horrorfilms und dreht eine Art Remake davon. Fertig ist der Kassenschlager in den USA.
Fünf Jugendliche (Erin, Pepper, Andy, Kemper und Morgan) sind auf dem Weg nach Mexiko.
Auf der Straße nehmen sie eine verwirrte Anhalterin mit, die immer von einem bösen Mann redet. Kurz danach befördert sie sich mit einem Kopfschuss selbst in die Ewigkeit. Die fünf machen sich auf die Suche nach dem örtlichen Sheriff, in einem schmuddeligen Raststätte bekommen sie eine Info, wo der Sheriff sein könnte. Aber auch dort befindet er sich, warten ist angesagt. Erin (Jessica Biel) und ihr Freund Kemper (Eric Balfour) sehen sich die Gegend ein wenig an und kommen zu einem Haus, in dem ein alter Mann wohnt. Nur Erin darf ins Haus, darf aber auch den Sheriff anrufen, der jetzt wieder in 30 Minuten kommen soll. In der Zeit wird Kemper schon von einem Mann angegriffen, der eine komische Maske trägt. Was geht in dem Ort vor sich?
Ja, die Story kennt ja jeder, wenn man das Original gesehen hat. Immerhin hat Marcus Nispel das Original nicht 1:1 kopiert, man erinnere sich z.B. an das gruselige Psycho-Remake.
Nispel bringt einige neue Ideen in den Film, die ich aus Spoilergründen aber nicht verraten will. Das Grundgerüst der Story bleibt aber gleich. Eine verrückte Familie, die fremde Leute umbringt und sie fachmännisch im Keller verarbeitet, dabei kommt natürlich Leatherface und seine Kettensäge ins Spiel.
Ferner trennt das Original und dieses Remake fast 30 Jahre, und einige Veränderungen mussten her. Auch wenn der Film im Jahre 1973 spielen soll, wirkt er natürlich dank der Technik um einiges moderner und „sauberer“ als das Original. Das ist auch schon der erste Schwachpunkt. Das Original war roh, dreckig, hart. Diese Stimmung kann der neue TCM nicht entfalten.
Waren im Original die Schauspieler noch unscheinbar, quasi einfache Leute, den man den Job direkt abnehmen würde, so sieht es im Jahre 2003 ganz anders aus. Jeder Film braucht eine Frontfigur, also auch TCM. Die Frontfigur hatte man mit Jessica Biel gefunden. Hinzu kommen kiffende Leute, die alle nicht so aussehen, als ob sie aus dem Jahre 1973 kommen.
Hatte das Original auch keinen Funken von irgendwelcher Erotik, so sieht es beim Remake natürlich auch anders aus. Zwar gibt es keine expliziten Szenen, aber Jessica Biel wird schon eindeutig in Pose gestellt. Enges Top, enge Jeans, der männliche Zuschauer ist zufrieden. Reicht natürlich noch nicht. Im Laufe des Films lässt es Nispel dann natürlich noch regnen, die Biel läuft klatschnass durch die Gegend, alle wichtigen Konturen zeichnen sich ab, das TCM von heute, toll, nicht wahr?
Positiv fällt jedoch R. Lee Ermey als Sheriff auf, den eigentlich jeder kennen sollte als überharter Ausbilder in Kubricks „Full Metal Jacket“. Ermey bringt wieder seine ganz persönliche Note in den Film, sehenswert.
Auch bei den Effekten hält sich Nispel weitgehend, wie das Original zurück. 2-3 etwas härtere Szenen bekommt der Zuschauer zu sehen, der Rest passiert im Off oder wird nur angedeutet. Gemäß 2003 sind die F/X natürlich sehr gut geworden. In allem kann sich ein
Andrew Bryniarski, der den Leatherface darstellt, aber nicht mit einem Gunnar Hansen messen. Hansen ist Leatherface, war brutal und skrupellos, sah einfach zum fürchten aus. Im Remake wirkt die Leaterface-Maske schon fast zu modern, wenn es auch eine gelungene Szene gibt, wenn Erin mal ins Gesicht von Leatherface schaut.
Fazit: Sicherlich ist dieser Film kein Fallobst, an das Original kommt der Film aber nicht heran. Dafür wirkt der Film zu sauber, die Darsteller zu modern, um ihnen das Szenario von 1973 abzunehmen. Wenigstens hat man nicht versucht, das Original 1:1 zu kopieren, dass wäre höchstwahrscheinlich total in die Hose gegangen. Von technischer Seite her sehr gut (insbesondere auch die Referenz-DVD), inhaltlich nur Durchschnitt.