Fünf Freunde durchqueren Texas auf dem Weg zu einem Lynyrd Skynyrd Konzert. Sie nehmen eine verstörte Anhalterin mit, doch bevor sie von ihr erfahren, was sie so in Panik versetzt, schießt die sich den halben Kopf weg. Verunsichert halten sie an einem Rasthof und alarmieren den Sheriff, doch als der kommt, sind sie vom Regen in die Traufe gekommen. R. Lee Ermey als sadistischer Gesetzeshüter spult quasi noch einmal seine Qualitäten ab, die er schon in "Full Metal Jacket" zeigte und die fünf Hauptakteure sind das, was man gemeinhin bei Teeniehorror vorfindet: ansprechend, glatt und in diesem Fall offensichtlich von H & M eingekleidet. Das verwundert ein wenig, spielt dieser Film doch angeblich 1973, wie Tobe Hoopers Vorlage. Dass Werbefilmer Michael Bay dennoch den ganzen Film arg durchstylt, führt zu eben jener Teeniehorroroptik mit Musikclipcharakter, wie es auch Marcus Nispel mit seiner Kamera gern hat. Jessica Biel als toughe Screamqueen wird in der ersten Hälfte bei annähernd jeder Kamerafahrt im Mittelteil präsentiert, während sie sich in der zweiten Hälfte von Pfütze zu Pfütze hangelt, um danach ihr T-Shirt mit Sprinkleranlage und, schließlich ins Freie gelangt, mit Regen zu durchnässen. Das mag ja ganz putzig aussehen, ist aber an Plumpheit kaum zu überbieten. Als nach und nach die degenerierte Schlachterfamilie ins Spiel kommt, wird offensichtlich, worum es bei diesem Remake geht: Hauptsache einen drauf setzen, gegenüber dem Original, das vor allem mit dichter, morbider Atmosphäre glänzte, statt mit Effekthaschereien. Während man früher noch kiffende Teenies zeigte, muss es hier schon kiloweise Grinsekraut, direkt aus Mexico importiert, sein. Das betrifft leider auch den Charakter von Leatherface, der hier ein abgenagtes Gesicht und einen richtigen Namen bekommt, was ihn damit etwas entmystifiziert. Punkten kann "Texas Chainsaw Massacre" in einigen Jagdszenen, besonders das Finale sorgt einige Male für Atemnot, fieser Psychoterror ist hingegen komplett gestrichen. Die Innenaufnahmen von dem Heim der Hewittfamilie ist anheimelnd gammelig ausstaffiert und der Keller gibt mit Fleischerhaken bewehrt die eine oder andere krude Szenerie ab. Wahres Gesplatter sollte man nicht erwarten, die blutigen Szenen sind selten gut sichtbar, zwei Szenen fielen von vornherein der Schere zum Opfer. Unterm Strich reiht sich Marcus Nispel damit in die Reihe der neuen Generation von pompös produzierten Backwoodstreifen ein, die zwar Tempo und (wenige) nette Goreszenen besitzen, jedoch so mainstreamig daherkommen, wie es diverse Aufgüsse im Slasherbereich tun. Fans von Hinterwäldler-fressen-alle-Touristen-Filmen sollten eher den interessanten "Haus Der 1000 Leichen" versuchen. Geklaut wurde ganz offensichtlich quer durch den filmischen Gemüsegarten, dafür gibt es zwar keinen Innovationspreis, ist aber bei solch anspruchsloser Kost in Videoästhetik nicht weiter schlimm. Das Verschliessen eines abgesägten Beines mit Pökelsalz, während das Opfer schreiend am Haken hängt, gibt einen Extrapunkt, sehr amüsanter Einfall.
Fazit: Nichts für die Ewigkeit, aber wer erwartet schon ein adäquates Remake eines Meilensteins wie "Blutgericht In Texas", an das man sich übrigens nicht sehr streng hielt. Jedoch als kurzweilige Unterhaltung mit Spannung und gelungenen Schockmomenten geeignet. 7/10 Punkten