Was entfernt an die Prämisse von „Funny Games“ erinnert, bildet das Debüt des spanischen Regisseurs Josué Ramos, der auch das Drehbuch schrieb. In kammerspielartiger Form fördert er die Geheimnisse einer scheinbar heilen Familie zutage und bringt damit die eine oder andere psychische Härte ins Spiel.
Die zehnjährige Sara verschwindet eines Tages auf dem Weg zur Schule, kurz darauf erhalten die Eltern Julia (Elisabet Gelabert) und Olivier (Pedro Casablanc) nebst Bruder Alex (Zack Gómez) einen Brief des Entführers, der sich in Ruhe und ohne Polizei mit ihnen unterhalten möchte. Noch in derselben Nacht erscheint der Fremde (Ramiro Blas) und erwartet als Gegenzug für die Freilassung ein bestimmtes Geständnis…
Eine Geschichte, die ohne irgendeinen Firlefanz rasch auf den Punkt kommt und das latente Unbehagen kontinuierlich zu steigern vermag. Sobald der Namenlose in der Wohnung der Familie erscheint und die simplen Regeln verkündet, zieht sich die Schlinge enger zu und zumindest ist absehbar, dass es nicht bei einer Leiche im Keller bleiben wird. Wobei die finale Pointe in gewisser Hinsicht absehbar ist, zumal es nicht allzu viele Anhaltspunkte gibt, inwieweit der Fremde einen Bezug zur Familie haben könnte.
Was wie ein typisches Familiendrama einsteigt, entwickelt sich zu einem Psychothriller auf begrenztem Raum, wodurch das Debüt eher überschaubare Produktionskosten aufweisen dürfte. Allerdings tragen die Darsteller nicht unerheblich zur unangenehm bedrückenden Atmosphäre bei. Primär sticht Ramiro Blas als Entführer positiv hervor, der mit viel Ruhe und gleichermaßen Bestimmtheit eine starke Präsenz einbringt. Aber auch die anderen Mimen performen authentisch. Der Score hält sich indes zurück und flammt lediglich während der jeweiligen Geständnisse kurz mit düsteren Hüllkurven auf, ansonsten ist einiges an klassischer Musik unterlegt, was ebenfalls stimmig ist.
Da ein Geständnis eine entsprechende Strafe nach sich zieht, kommt es zwar zu Sanktionen, die vorrangig körperlicher Natur sind, doch Nebengeräusche im Off reichen zumeist aus, um die Vorstellungskraft des geneigten Betrachters in Gang zu setzen. Ein Gemetzel sollte an dieser Stelle allerdings keinesfalls erwartet werden. Ohnedies liegt die Betonung eher auf den zwischenmenschlichen Nöten nahezu aller Beteiligter.
Und so ist es möglich, mit geringem Aufwand ein zumeist schlüssiges und zuweilen garstiges Filmdebüt abzuliefern, das mit einigen langen Takes und überwiegend ruhigen Einstellungen daherkommt. Kleine Mankos des Drehbuchs werden von den stark aufspielenden Mimen kaschiert, während der Ausgang nur konsequent ist. Home Invasion der angenehm unangenehmen Art.
7 von 10