Review

Nicht zu verwechseln mit Joe Dantes Kuscheltier-Horror von 1984: Der kleine Monsterfilm von Autor und Regisseur Ryan Bellgardt beinhaltet weder einen Mogwai, noch sonstige Ingredienzien zum Liebhaben, denn er nimmt sich zu jeder Sekunde verdammt ernst.

Unter einem Vorwand überreicht Jim seiner Mutter eine antike Box, ohne zu wissen, dass in ihrem geräumigen Landhaus sein Bruder Adam nebst Frau und den zwei Kindern eingezogen ist.
Denn sobald ein Timer abgelaufen ist, erhebt sich aus der Box ein Monster, welches ein geliebtes Familienmitglied tötet, bis die Zeitspanne erneut abgelaufen ist. Adam bleibt nicht viel Zeit, hinter das Geheimnis der Box zu kommen…

Wie ein titelgebender Kobold sieht das kleine Vieh aus der Kiste nicht gerade aus. Eher erinnert es an eine Mischung aus Spinne und Gottesanbeterin in Grau, wobei der Kopf lediglich aus einem Gebiss besteht. Animiert wurde die Kreatur über weite Teile recht ordentlich, die Bewegungen fallen flüssig aus, die dazugehörigen Gewalteinlagen auch, obgleich mit blutigen Stichen und offenem Bauch kein Schlachtfest erwartet werden sollte.

Um die Figuren ist es leider mehr schlecht als recht bestellt, denn Adam geht fremd, Tochter Anna wähnt sich mit 16 schwanger, Mutter Julie scheint das Trauma ihres getöteten jüngsten Kindes noch nicht überwunden und strahlt viel Missmut aus, während Sohn Charlie überwiegend in einem Pappkarton hockt und herzlich wenig zum Geschehen beiträgt.
Außer dem ermittelnden Cop, der auch nur sporadisch auftaucht, ist hier kein Sympathieträger auszumachen.

Immerhin geht die Erzählung nach bereits zwanzig Minuten relativ temporeich zur Sache, kurze Spannungseinlagen mit Einschließen und Verbarrikadieren inklusive. Allerdings läuft die ohnehin simpel gestrickte Geschichte weitgehend vorhersehbar ab, zumal die wenigen mit der Box verbundenen Regeln rasch klar sind: Der Fluch tritt in Intervallen auf, wodurch sich das Monster immer nur ein Opfer sucht. Die Box ist weder zu vernichten, noch kann man sich ihrer entledigen und der Fluch kann nur gebrochen werden, indem die Box an einen geliebten Menschen weitergereicht wird. Das Prinzip erinnert an einen Kettenbrief oder den Genrestreifen „It Follows“.

Inhaltliche Defizite vermögen die Darsteller nicht zu kaschieren, denn die performen ohne Elan und auf Sparflamme, während die Synchro fast durch die Bank grausig ausfällt.
Immerhin spielt die Kamera einigermaßen mit, der Score ist passabel und das Interieur des geräumigen Hauses sorgt für minimale Abwechslung.

Ansonsten erinnert der Streifen eher an einen Beitrag von SyFy und Konsorten, der seinen Inhalt flott aber überraschungsfrei herunterspielt. Allerdings bleiben Auflockerungen komplett aus, emotionale Einlagen fallen den schwachen Performances zum Opfer, nur das wendige Monster sorgt letztlich für einen brauchbaren Unterhaltungswert im Mittelmaß.
Genrefans sollten demnach auf eine TV-Ausstrahlung warten, denn mehr als einen Pausenfüller stellt „Gremlin“ wahrlich nicht dar.
Knapp
5 von 10

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