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Im Kampf zwischen Mensch gegen die Natur hat Danny Boyle mit „127 Hours“ bereits bewiesen, dass man trotz minimalistischer Ausgangsposition Hochspannung erzeugen kann, obgleich sich sein Protagonist im Vergleich zum vorliegenden noch nicht einmal sonderlich bewegen konnte. Bei Regisseur Scott Waugh ist indes eher „Need for Speed“ angesagt, denn er bremst sein Schneedrama immer wieder aus.

Dem ehemaligen Eishockeyspieler Eric LeMarque (Josh Hartnett) steht wegen Fahrens unter Drogeneinfluss ein Gerichtstermin bevor, doch bis dahin will der Sportler in den Weiten der Sierra Nevada beim Snowboarden entspannen. Als er in einen Sturm gerät, verliert er die Orientierung und findet sich ohne Proviant fernab der Zivilisation wieder…

Kein Stoff für Frostbeulen, denn der Titel bezieht sich auf die Umgebungstemperatur von minus sechs Fahrenheit, was umgerechnet etwa minus 21 Grad Celsius entspricht.
Die Geschichte beruht indes auf wahren Begebenheiten, welche sich im Februar 2004 ereigneten und Eric zwangsläufig dazu veranlassten, über seinen Drogenkonsum und Fehler in der Vergangenheit nachzudenken.

Leider gestaltet sich der Verlauf nicht allzu prekär, diverse Rückblenden verzerren die Konzentration aufs Wesentliche, von denen allenfalls die Hälfte die Gesinnung des Überlebenskämpfers betreffen, während andere komplett irrelevant sind.
Auch ein wenig befremdlich ist die Tatsache, dass Hartnetts Filmmutter von Mira Sorvino verkörpert wird, die gerade mal elf Jahre älter als ihr Kollege ist.

Zudem widerfährt Eric alles, was man sich bereits im Vorfeld ausmalen kann: Drohende Erfrierungen, Funkloch, Wölfe und Einbruch in einen gefrorenen See inklusive. Auch wenn es vielleicht nicht der Wahrheit entspricht, hätte man ihm zumindest einen Bären aufbinden können.
Hinzu kommt eine zuweilen unentschlossene Kamera. Einerseits versucht sie die endlose Weite des Gebirges und damit die Desorientierung einzufangen, andererseits eine Nähe zum Überlebenskämpfer aufzubauen, was aufgrund der ungünstig ausgeloteten Distanzen nur selten gelingt.

Hartnett müht sich redlich und robbt bis zum sprichwörtlichen Erbrechen durch den Schnee und auch das Make-up leistet solide Arbeit, zumal der Knabe anbei mit einer Beinverletzung zu kämpfen hat und die Strapazen nach einigen Tagen durchaus glaubhaft gestaltet sind. Der Score hält sich zwar weitgehend zurück, dreht zum Ende jedoch etwas zu sehr auf, speziell als die Chose ein wenig ins Melodramatische abdriftet.

So gestaltet sich das Schneetreiben nur mäßig spannend und beinahe austauschbar, da sich insgesamt zu wenig ereignet und verschiedene Flashbacks immer wieder den Fokus verschieben und kaum zur Empathie für die Hauptfigur beitragen.
Hartnett ist gut, der wahre Hintergrund interessant, der Verlauf hinterlässt hingegen kaum Spuren im rasch tauenden Erinnerungsschnee…
5 von 10

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