Eigentlich schien Found Footage bereits ein wenig abgenutzt und mit zig Ablegern „Paranormal Activity“ beinahe überstrapaziert, da setzt Regieneuling, Autor, Cutter und Hauptdarsteller Mathieu Ratthe auf Wackelkamera und hastige Schwenks. Inhaltlich bietet er wenig Neues, doch genau das hat er relativ spannend verpackt.
Vor einigen Monaten verlor Matt (Ratthe) sein rechtes Auge bei einem Autounfall, nun wurde dieses durch ein künstliches ersetzt und mit einer kleinen Kamera angereichert. Um diese zu testen, begeben sich er und Frau Jessica, sowie zwei befreundete Pärchen in eine einsam gelegene Waldhütte, als sie eine Art Meteorit erblicken. Kurz darauf scheint es im Wald nicht mehr mit rechten Dingen zuzugehen…
Glücklicherweise wird die Handlung nicht ausschließlich durch Matts künstliches Auge bebildert, denn die neutrale Kamera kommt ebenso zum Einsatz wie Überwachungskameras in und an der Hütte, während ein anderer eine zweite Kamera mitführt. Zwar kommen die rund Dreißigjährigen zuweilen etwas unreif daher, doch spätestens bei den ersten ominösen Lauten aus der Distanz fallen die Figurenzeichnungen nicht mehr allzu sehr ins Gewicht. Die nachfolgenden Verhaltensweisen fallen zumindest nicht irrational aus, allerdings handelt der eine oder andere zuweilen etwas impulsiv.
Das Setting macht derweil Laune, speziell die Momente in einem recht hohen Maisfeld schüren eine bedrohliche Atmosphäre, während die Angreifer zunächst nur schemenhaft durchs Bild huschen und im Verlauf immer deutlichere Konturen annehmen.
Die dazugehörigen Effekte können sich in jeder Hinsicht sehen lassen, zudem fallen Maske und Make-up überzeugend aus und auch die Computereffekte machen etwas her.
Nachdem die Identität und Herkunft der Angreifer geklärt ist, gestaltet sich das Treiben zuweilen ein wenig eindimensional, denn viel mehr als Umherirren, Rufen und Ausharren in Wald, Hütte und Feld ist da nicht, wogegen einige Jump Scares recht effektiv sind und ein gutes Gespür fürs Timing aufweisen. Zumindest kann die Spannung aufgrund eingeschränkter Sichtfelder aufrecht erhalten werden und auch die Fokussierung auf Umgebungsgeräusche funktioniert phasenweise hervorragend, weshalb der Score nur recht spartanisch eingesetzt wird.
Darstellerisch gibt es nicht allzu viel zu tun, wobei die Damen im Schnitt deutlich überzeugender performen als ihre männlichen Gegenspieler, primär Ratthe wirkt in einigen Szenen ein wenig unsicher. Die Dialoge konzentrieren sich aufs Wesentliche, ab und an kommen sie etwas zu konstruiert daher, was im Finale mit etwas Kitsch einhergeht.
Was an eine Mischung aus „Blair Witch Project“, „Signs“ und „Jeepers Creepers“ erinnert, entpuppt sich als simpel gehaltener Horrorfilm mit leichtem Hang zur Wackeloptik.
Das Timing stimmt, Kamera und Schnitt liefern solide und auch einige Schockmomente sitzen, während die Effekte nahezu durch die Bank überzeugen können.
Keine Offenbarung, aber für Freunde kurzweiliger Weglauffilme eine halbwegs unterhaltsame Angelegenheit.
6 von 10