Er ist schon ein recht kauziger Typ, dieser Donal (Nigel O'Neill), der Mitte Fünfzig und alleinstehend immer noch auf einem Bauernhof in Tyrone/Nordirland mit seiner Mutter zusammenwohnt. Neben der Arbeit als Farmer schraubt er an alten Kisten herum, die er manchmal noch renovieren und gewinnbringend verkaufen kann. Doch eines Nachts, nach einigen Bier in der Scheune schlafend, wird er durch Geräusche geweckt und sieht gerade noch ein Auto mit zwei Personen davonfahren - als er ins Haus eilt, findet er seine Mutter erschlagen vor. Donal ist völlig konsterniert, hatten doch weder er noch seine Mutter irgendwelche Feinde in der friedlichen, ländlichen Idylle. Noch mysteriöser wird es in der folgenden Nacht, als er wieder durch Geräusche erwacht und zwei junge Einbrecher erwischt - die haben eine Schlinge geknüpft, in welcher sich der überrumpelte Farmer nun selbst erhängen soll. Doch die nordirischen Bauern sind zähe Burschen, und im folgenden Handgemenge gelingt es Donal, die beiden zu überwältigen, wobei er einen der beiden unter einer Motorhaube zerquetscht. Der andere, ein polnischer Bursche namens Bartosz (Józef Pawlowski), eindeutig nicht die hellste Kerze auf der Torte, ist bereit zu reden: doch er plappert nur wirres Zeug. Donal, der den gewaltsamen Tod seiner Mutter ergründen und rächen will, nimmt ihn kurzerhand als Gefangenen mit zu einem Gasthof, von wo aus die beiden losgeschickt wurden - dort soll sich der Auftraggeber, ein Typ namens Gavigan, aufhalten...
Mit seinem Revenge-Thriller Bad Day for the Cut vermag Regisseur Chris Baugh nicht nur das Genre des Rachefilms zu bedienen, sondern präsentiert dem Zuseher auch gleich jenen Typus Mensch, der prägend für den ganzen Film ist: der stoisch ruhige, eher wortkarge aber stets entschlossene Nordire, der mit einer großen doppelläufigen Flinte loszieht, um Gerechtigkeit zu suchen. Auf der Jagd nach den Hintermännern fährt Donal mit seinem selbstrenovierten Camping-Bus durch die einzelnen Grafschaften Nordirlands bis zur Küste und muß dabei manch brenzlige Situation überstehen, während der polnische Mitfahrer ihm langsam zum Gehilfen wird, denn auch er hat ein Anliegen. Geschickt und behutsam entfaltet das Drehbuch dabei einen Subplot über Gewalt und Gegengewalt in der Vergangenheit, der bis in die Gegenwart reicht und erst ganz zum Schluß die Geschehnisse aufklärt. Mitsamt einigen immer wieder zwischendurch eingestreuten kleinen Prisen schwarzen Humors entsteht dabei ein Krimi, der nach einer kurzen Anlaufzeit zu Beginn das Publikum auf ungewöhnliche Art und Weise gleichzeitig fesselt wie auch fasziniert.
Die Gangster, so stellt sich nämlich heraus, haben mit Trafficking und Gewaltprostitution zu tun, und Bartosz, ein linkischer, aber herzensguter Typ (der als geborener Pechvogel allerdings nichts auf die Reihe kriegt), sucht eigentlich seine Schwester Kaja, mit welcher er von den Gangstern erpresst wird. So schmieden Donal und er zumindest eine zeitlang ein Zweckbündnis, was natürlich nicht ohne Mißverständnisse abgeht. In authentischen, stets nachvollziehbaren Schritten, wobei sie auch ab und zu mit der Tücke des Objekts zu kämpfen haben (so wird beispielsweise ein Topf heißer Bohnensuppe mal eben als Folterinstrument für einen der Gangster zweckentfremdet), kommen die beiden langsam aber sicher den Übeltätern auf die Spur. Deren Boss ist mit Frankie Pierce (Susan Lynch) nicht nur ungewöhnlichweise weiblich, sondern darüber hinaus auch noch grandios besetzt.
Wie sich am Schluß alle Fäden entwirren, ist durchaus spannend, in jedem Fall aber sehenswert - Bad Day for the Cut, den es derzeit nur im englischen Original auf Netflix zu sehen gibt, gehört zu jenen kleinen aber feinen Streifen, denen aus den verschiedensten Gründen ein größeres Publikum versagt bleibt, der aber als Geheimtip durchaus funktioniert - 8 Punkte.