Sommerliches Zelten steht für die Großstädter Ian (Ian Meadows) und Samantha (Harriet Dyer) auf dem Plan, und so macht sich das junge Paar (er Arzt, sie noch Medizinstudentin) aus Sydney auf den Weg, im ländlichen New South Wales ein lauschiges Plätzchen zu finden. Das sandige Ufer eines Gewässers scheint gut geeignet, zumal dort schon ein anderes Zelt steht. Die erste Nacht verläuft problemlos, doch am nächsten Tag finden die beiden ein elternloses Baby auf einem Waldweg in der Nähe. Ob der Kleine zum nachbarlichen Zeit gehört, dessen Besitzer offenbar nicht anwesend sind? Das alles kommt ihnen recht merkwürdig vor, doch dummerweise hat ihr kleiner Mazda eine Reifenpanne, und sie können nicht weg. Der Wagen der Nachbarn steht zwar auch noch da, aber ein Schlüssel läßt sich nicht finden...
Parallel dazu versuchen zwei wenig vertrauenserweckende Männer auf einer der vielen derzeit stattfindenden Sylvesterparties, bei jungen Mädels zu landen. Doch der jüngere Chook (Aaron Glenane) stellt sich viel zu blöd an, was den schweigsamen älteren Scotty (Aaron Pedersen) jedoch viel mehr stört sind die Handyfotos, die Chook recht wahllos herumzeigt. Bei einem Gang zur Toilette entsorgt der Bärtige daher kurzerhand gleich das ganze Handy. Tags darauf trifft zunächst Chook auf die jungen Mediziner, die ihn sogleich um Hilfe bitten wegen des Autos und des Säuglings, später kommt auch Scotty hinzu, doch der Weg führt nicht zur nächste Wachstube...
Die australische Produktion Killing Ground schildert nach bewährtem Muster, wie ein unbedarftes junges Paar in einen schrecklichen Mordfall im australischen Outback verwickelt wird - Parallelen zu Wolf Creek und Konsorten sind da natürlich unvermeidlich. In seinem ersten Langfilm greift Regisseur Damien Power dabei auf verschiedene zeitliche Ebenen zurück, die er ansatzlos (aber durchaus nicht verwirrend) hintereinander ablaufen läßt, bevor der Film im letzten Drittel nur noch in der Gegenwart spielt.
Tatsächlich campierte im benachbarten Zelt nämlich eine vierköpfige Familie, die dort ebenfalls Erholung suchte. Während die Eltern mit dem Baby spazieren gingen, blieb die Teenager-Tochter beim Zelt zurück. Mit jeder der zahlreich eingeschobenen Rückblenden erschließt sich dem Zuschauer somit Stück für Stück, was am Tag zuvor geschehen war.
Während die Thematik von mörderischen Hinterwäldlern auf der Jagd nach ahnungslosen Touristen nichts Neues darstellt, vermag Killig Grounds immerhin damit zu punkten, daß er komplett auf Blutfontänen und Jump Scares verzichtet und seine Akteure relativ nachvollziehbar handeln läßt. Diese authentischen Verhaltensweisen (in Hinterwäldler-Slashern alles andere als selbstverständlich) schaffen eine gewisse Nähe zu den Protagonisten und halten auch eine gewisse Spannung aufrecht, gleichwohl der Zuschauer durch die Erzählweise stets mehr weiß als das junge Paar, auf dessen Reaktionen man jedoch stets gespannt sein darf.
Den beiden unsympathischen Tätern wird immerhin soviel Raum zugestanden, daß sich das Publikum ein ausreichendes Bild von deren Gemütslage verschaffen kann - und die ist auch ohne graphisches Gemetzel schauderhaft genug, untermauert vor allem durch eine längere Einstellung, in der entblößte Vergewaltigungsopfer wie selbstverständlich herumliegend einen zynischen Schießwettbewerb garnieren.
Nach dieser etwas verstörenden Szene verläuft das weitere Geschehen dann jedoch relativ schnörkellos und ohne größere Überraschungen bis zum blutigen Ende, läßt eine zwar nicht filmentscheidende, aber auch nicht unwichtige Frage ganz bewußt offen und endet statt mit dem erwarteten, erklärenden Epilog mit einem schwarzen Bildschirm zu melancholischen Klängen beim Abspann.
Fazit: ein grundsolides Terrorfilmchen aus Down Under, welches weitgehend ohne explizite Szenen auskommt, das meist im Off stattfindende Grauen jedoch eindringlich zu vermitteln weiß und sich daher vom Durchschnitt derartiger Produktionen auch ein klein wenig abhebt - mehr aber auch nicht. 6,51 Punkte.