Das Erzählprinzip von „Irreversible“, nur ohne Feuerlöscher und Vergewaltigung im Tunnel verfolgt Autor und Regiedebütant Oren Uziel mit seinem Krimi, welcher drei ereignisreiche Tage in einer Kleinstadt von hinten aufrollt. Folgerichtig ergeben sich erst im Nachhinein einige Logiklöcher innerhalb eines an sich passablen Drehbuchs.
Sheriff Zeke Sikes (Benjamin Walker) hat neuerdings alle Hände voll zu tun, denn ein Banküberfall geriet außer Kontrolle, er selbst wurde von einer Kugel getroffen, zudem soll sein Bruder Andy (Rainn Wilson) am Überfall beteiligt gewesen sein…
Die Handlung steigt am Freitag ein, nachdem der Raub am Dienstag stattfand. Tag für Tag werden Puzzleteile in die Runde geworfen, Ereignisse vorweg genommen, welche schließlich zu dem Clou führen, der natürlich den einen oder anderen Twist mit sich bringt.
Obgleich das Figurengefüge recht überschaubar bleibt, ist ein wenig Konzentration gefragt, zumal am Mittwoch beispielsweise weniger Personen involviert sind, als am Tag zuvor. Entsprechend werden einige um die Ecke gebracht, andere verschwinden, doch erst zuletzt, also am Tag des Verbrechens fügen sich die Puzzleteile zusammen und ergeben ein halbwegs schlüssiges Ganzes.
Für Auflockerungen wird derweil regelmäßig gesorgt, etwa durch das Zusammenspiel zwischen Sikes und seiner jungen Nichte oder der Tatsache, dass der Deputy im Polizeiwagen grundlegend hinten sitzen muss, weil vorne gerade besetzt ist. Auch ein, zwei Nebenfiguren sind bewusst überzeichnet wie der Fahrer des Gangstertrios oder eine Tucke, die wahrlich jedes Klischee erfüllt. Zwar kommt es im Verlauf zu einigen Gewalteinlagen, welche allerdings vergleichsweise unblutig ausfallen.
Auf darstellerischer Ebene ist die Chose treffend besetzt, die Mimen performen solide und auch handwerklich ist wenig anzukreiden, mal abgesehen von einigen etwas abrupt gesetzten Schnitten. Der Score arbeitet zweckdienlich und die Ausstattung geht in Ordnung, - auf Schauwerte setzt die Erzählung ohnehin nicht.
Jene konzentriert sich auf das Zusammenspiel einzelner Ereignisse, doch lässt man jene Revue passieren, gesellen sich Unwahrscheinlichkeiten und kleine Logiklöcher hinzu, was den positiven Gesamteindruck jedoch nicht allzu sehr in Mitleidenschaft zieht.
Das Drehbuch ist kein Ausbruch an Cleverness, doch die Umsetzung unterhält solide und spornt sogar ein wenig zum Rätselraten an.
6 von 10