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Eine weitere netflix-Produktion ist der Thriller Shimmer Lake, der sich um einen Bankraub in einer US-Kleinstadt dreht und dabei auch die Geschichte der Einwohner dieser Kleinstadt, unter denen sich der Täter befindet, erzählt. Das Besondere Stilmittel hierbei ist die rückwärts erzählte Story - als erstes sehen wir Tag 3 (Freitag) nach dem Bankraub (Dienstag), dann Tag 2 usw. Diese Vorgangsweise ist zwar nicht ganz neu und würde einem ähnlichen Plot auch durchaus zusätzliche Spannung verleihen, leider jedoch eröffnet die Story um das Kleinstadt-Milieu viel zu viele Handlungsstränge als daß man noch folgen könnte. Wer am Ende - in diesem Fall am Anfang - noch übrigbleibt mit dem Zaster wird zwar gezeigt, ist anhand der verwirrend vielen Nebengeschichten aber nicht mehr ganz nachvollziehbar - wie gut daß man bei netflix ähnlich dem heimischen DVD-Player hin- und herspringen kann.

In der an sich recht konventionellen Geschichte muß Sheriff Zeke Sikes (Benjamin Walker) gegen ihm jahrelang bekannte Zeitgenossen ermitteln und sich dabei so manches Mal über nachbarschaftliche Verbundenheit, familiäre Hürden und bisweilen auch das Phlegma einer Kleinstadt (darunter sein eigenes) hinwegsetzen. Dazu kommen mitermittelnde FBI-Agenten als lästige Konkurrenten sowie eine Reihe von unvorhergesehenen Ereignissen - die biedere Kleinstadt hat auch ihre dunklen Geheimnisse und manchmal offenbart sich das Grauen schon mit der Perspektive auf ein paar Würstchen mit Toast am Teller...

Schön herausgearbeitet in diesem Thriller auf Independent-Level sind die Figuren, wie beispielsweise die beiden zynischen FBI-Agenten, das kleine Mädchen, das schweren Herzens lügen muss weil sich des Sheriffs Bruder Andy (mit all seinen Macken gut dargestellt von Rainn Wilson) im Keller versteckt oder auch der geistig retardierte Chris ("Hast Du eine Uhr?" "Kannst du sie auch lesen?"), dessen Auto als Fluchtwagen dienen muss.  Für Auflockerung sorgt auch der sich zum Running Gag entwickelnde Fakt, daß der Assistent des Sheriffs im Wagen immer hinten sitzen muß - ein anderer öfter erwähnter Drehbuch-Einfall ist "der nackte Junge, der nachts über die Strasse gelaufen ist" und den es tatsächlich gab, wie sich später herausstellt. Daß dahinter die Vorliebe eines ehrenwerten Richters für Strichjungen steckt, gehört zu den vielen kleinen Geheimnissen, die der Film nach und nach aufdeckt bevor er am Ende den in jeder Hinsicht dilettantisch durchgeführten Bankraub geradezu zelebriert.

Erwähnenswert ist auch eine sprachliche Besonderheit - die oft in langsamem, schnarrendem Ton vorgetragenen Texte geben der kanadisch-amerikanischen Produktion auch in der deutschen Synchro einen besonderen Touch. Nichts läuft hier routiniert, aber sämtliche Beteiligten geben sich alle Mühe, ihren Rollen als Gesetzeshüter, Bruder, braver Ehemann, Bösewicht, Gangsterbraut usw. gerecht zu werden - und scheitern meistens kläglich. Dies wird in Shimmer Lake, der sich gerade durch die leierkastenartig vorgetragenen Dialoge manchmal am Rande einer Parodie bewegt, stets mit einem Augenzwinkern dargestellt. Insgesamt also überwiegen die positiven Aspekte und ich meine, daß der Film in der chronologischen Reihenfolge erzählt fast noch besser wirken würde (auch wenn dadurch einige Überraschungen wegfallen würden, die man aber schnittechnisch vielleicht anders platzieren könnte) - für kurzweilige Unterhaltung ohne allzu große Ansprüche kann jedoch auch der rückwärts aufgerollte Shimmer Lake sorgen. 5 Punkte.

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