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Klassische Märchen sind immer wieder eine dankbare Inspiration für Filmemacher. Speziell die der Gebrüder Grimm mutierten bereits zu Fantasy, Abenteuer, Thriller und natürlich Horror.
Aber auch eine Gesellschaftskomödie ist möglich, wie die Variante von „Aschenputtel“ der französischen Regisseurin Amanda Sthers veranschaulicht.

Das neureiche amerikanische Paar Anne (Toni Collette) und Bob (Harvey Keitel) hat sich für den Sommer in Paris niedergelassen und empfängt in ihrem Anwesen wichtige Gäste, damit Bob ein wertvolles Gemälde veräußern kann. Als Annes Stiefsohn unerwartet aufkreuzt, soll Hausmädchen Maria (Rossy de Palma) die Zahl der Gäste auf 14 aufrunden, doch die angemahnte Zurückhaltung bleibt aus und schon hat Kunsthändler David (Michael Smiley) ein Auge auf die vermeintliche Diva inkognito geworfen…

Auf den ersten Blick könnte man Anne für die titelgebende Madame halten, doch im Grunde ist es die Geschichte des Hausmädchens auf Abwegen, - zumindest aus Sicht der Hausherrin.
Stark ist die erste halbe Stunde, welche sich in Kammerspielform dem Dinner hingibt und ein ums andere Mal mit spitzfindigem Dialogwitz punktet. Oberflächlicher Smalltalk und Heucheleien unter vorgehaltener Hand werden von der unbeholfenen, jedoch in ihrer Art wunderbar charmanten Maria durchbrochen, während das neunjährige Pianogenie kein High five geben kann, - schließlich deckt das seine Versicherung nicht ab.

Danach bricht die Konzentration der Erzählung merklich auf, humorige Einschübe lassen nach und der Ton wird ernster. Allerdings mangelt es an Ecken und Kanten, viele Begebenheiten wirken nahezu altbacken, andere merkwürdig unausgegoren. Speziell den männlichen Figuren haften zahlreiche Klischees an, während die Damen an ihrer jeweiligen Fassade arbeiten, die in Einzelfällen schon längst bröckelte. Bei einigen Intrigen folgt die Strafe sprichwörtlich auf den Fuß, doch gesellschaftskritische Bissigkeit bleibt weitgehend aus.

Das ist insofern schade, als dass mit Rossy de Palma eine nicht wirklich dem Schönheitsideal entsprechende, jedoch sehr markante und präsente Dame im Vordergrund agiert, die namhafte Kollegen wie Collette und Keitel problemlos die Show stielt.
Auch der Score ist hübsch arrangiert und spiegelt die Leichtigkeit eines Sommers in Paris wider, was im totalen Kontrast zur vermeintlich heilen Welt der High Society steht.

Mit der reinen Konzentration auf das Dinner, der Bloßstellung von Standesdünkel und Seitenhieben auf Oberschichtenklischees wäre der Unterhaltungswert möglicherweise konstant hoch gewesen, doch Sthers folgt dem Weg einer Tragikomödie mit romantischen Versatzstücken, was unterm Strich nicht übermäßig packt und allenfalls von den überzeugenden Mimen ein wenig kaschiert wird.
5,5 von 10

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