Eine Hommage, die längst überfällig war und zum genau richtigen Zeitpunkt gedreht wurde, ist die an Burt Reynolds. Autor und Regisseur Adam Rifkin betonte mehrfach, dass dieses Projekt ohne Reynolds nie gedreht worden wäre, denn er ist Dreh – und Angelpunkt der Reise.
Der alternde Filmstar Vic Edwards (Reynolds) freut sich über eine Einladung zu einem Filmfestival, auf dem er für sein Lebenswerk geehrt werden soll. In Tennessee wird er von der aufmüpfigen Lil (Ariel Winter) schroff in Empfang genommen und zu einer billigen Absteige gebracht. Eine kleine Bar entpuppt sich derweil als Bühne für die Festspiele, die ein paar Fans organisiert haben. Nach einem Streit lässt sich Vic von Lil nach Knoxville fahren, wo eine kleine Erinnerungsreise beginnt…
Viel besser konnte man die Figur nicht auf Reynolds zuschneiden, zumal die Geschichte über weite Teile biographische Parallelen aufweist. Vic begann als Footballspieler, war einige Zeit als Stuntman unterwegs, um anschließend in einfachen Western mitzuspielen. Fünfmal war er verheiratet und gern gesehener Gast in Talkshows, doch all dies ist lange her und kaum jemand scheint sich an den Haudegen von einst zu erinnern.
Umso erfrischender, wenn Vic während seiner Reise doch ab und an erkannt wird und sogar kurzfristig auf einer Hochzeitsfeier singen darf.
Natürlich ist es in erster Linie ein Prozess der Reflektion, auch für die junge Begleiterin Lil, die in ihrer Freizeit gruselige Bilder malt, wenn sich nicht gerade ihrem Bad Boy Freund nachhängt und während der Fahrt ausgiebig erläutert, was diverse Psychopharmaka hinsichtlich ihrer Depression anrichteten. Vics trockener Kommentar nach minutenlangem Zuhören: „Solltest du wirklich Autofahren?“.
Neben einigen kleinen Auflockerungen kommt es zweimal zu einer visualisierten Zeitreise, als Vic seinem deutlich jüngeren Alter Ego begegnet, wofür auf Ausschnitte aus „Beim Sterben ist jeder der Erste“ und „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ zurückgegriffen wurde. Die dazugehörigen Dialoge sind clever aufeinander abgestimmt, visuell weist die Montage keinerlei Mankos auf.
Leider mäandert die Geschichte im Mittelteil ein wenig unentschlossen herum, denn nachdem nahezu alle Knotenpunkte der Vergangenheit abgeklappert sind, sind keine weiteren Resümees erkennbar. Natürlich nähern sich ungleiche Figuren an und der Ausgang stimmt zufrieden, ein wenig Mut zu kleinen Überraschungen wäre im Endeffekt jedoch wünschenswert gewesen.
Großes Plus ist natürlich der seinerzeit 81jährige Reynolds selbst, der mit viel Ausstrahlung gar nicht allzu sehr performen muss, da er in vielen Szenen tatsächlich in Erinnerungen zu schwelgen scheint (Footballstadion). Ariel Winter überrascht indes positiv, da man ihr einige feine Nuancen vielleicht gar nicht zugetraut hätte, wogegen Chevy Chase in einer Nebenrolle zwar immer Freude bereitet, insgesamt jedoch deutlich zu kurz kommt.
Unterm Strich ist der Stoff über den vermeintlich letzten Filmhelden ein ruhig erzählter, mit ebenso stillen und leicht melancholisch anmutenden Klängen untermalter geworden, der dem Schauspieler Reynolds, auch mithilfe der passenden Synchro von Norbert Langner ordentlich gerecht wird. Nachdenklich stimmende Momente wechseln sich mit kleinen Aufheiterungen ab und obgleich diverse Entwicklungen wenig überraschen, trägt er das Herz am rechten Fleck ohne sich dabei in Gefühlsduseleien zu verstricken.
7 von 10