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„Eine bescheidene Auswahl – die Weiber sind zu mager!“

Sybil Danning („Das Tier II“) als leichtbekleidete „Warrior Queen“ mit Schwert in der Faust und durchgedrücktem Rücken im Airbrush-Stil auf dem Cover des gleichnamigen Films aus dem Jahre 1987 – das verspricht angenehmen „Conan“- bzw. „Red Sonja“-Rip-Off-Low-Fantasy-Kitsch, ein guilty pleasure für Freundinnen und Freunde des schlechten Geschmacks. Auch, guck an, diese US-amerikanisch-britisch-italienische Koproduktion wurde u.a. von Harry Alan Towers und Joe D’Amato finanziert und vom ehemaligen Porno-Regisseur Chuck Vincent inszeniert, der nach seiner Fleischfilmkarriere offenbar vornehmlich schlüpfrige Komödien mit weiblichen Hauptrollen drehte. Außerdem dabei: Donald „Dr. Loomis“ Pleasence und US-Pornodarstellerin Samantha Fox (die nicht mit dem gleichnamigen britischen Fotomodell und Pop-Sängerin zu verwechseln ist). Das macht neugierig. Aber worum geht’s denn überhaupt?

„Runter mit den Lumpen!“

Die Schwertkämpferin Berenice (Sybil Danning) stattet der Stadt Pompeji im Jahre 79 n.Chr. einen Besuch statt. Der Stadtobere Clodius (Donald Pleasence, „Halloween“) bemüht sich darum, dass seine Besucherin eine gute Zeit hat, während diese jedoch vorrangig daran interessiert ist, Sklaven zu befreien. Außerdem will sie verhindern, dass die Jungfrau Vespa (Tally Chanel, „Sex Appeal“) dem groben Gladiator Goliath (Marco Tullio Cau, „I ragazzi della 3 C“) in die Hände fällt. Währenddessen entwickelt der örtliche Vulkan beunruhigende Aktivitäten, was zwischen den dekadenten Feiern und lüsternen Orgien jedoch kaum jemanden zu interessieren scheint…

„Prüft das junge Fleisch nach Belieben!“

Offenbar handelt es sich beim Drehbuch um die Adaption eines Romans, den Produzent Towers unter seinem Pseudonym Peter Welbeck verfasst hatte. Alles beginnt mit einer Karawane, die überfallen wird. Die Unholde haben die Rechnung jedoch ohne Berenice gemacht, die sich als äußerst wehrhaft erweist. So zieht die Karawane, die Sklavinnen und Sklaven geladen hat, zusammen mit Berenice weiter nach Pompeji, wo die „Ware“ auf dem Sklavenmarkt mitunter kopfüber und nackt an Seilen hängend an den jeweils Meistbietenden versteigert wird. Ein Typ mit Augenklappe (David Brandon, „Aquarius – Theater des Todes“) führt seine neue Lustsklavin Vespa durch sein Bordell, wo sie von einer „Kollegin“ K.O.-Tropfen verabreicht bekommt und besext wird, nachdem man lange im Zeitlupentempo im Kreis schlich. Das hat viel von einem speziellen S/M-Fetisch und geht mit reichlich nackter Haut einher, jedoch ohne Softsexszenen.

„Von nun existiert du ausschließlich als ein Objekt der Begierde!“

Das Unterhaltungsprogramm für Berenice besteht aus Armdrücken mit tödlichem Ausgang und einigem Klimbim. Der Film wirkt bis jetzt eher wie eine Art „Caligula“ in weiblich, von Barbaren-Action o.ä. keine Spur. Gladiator Goliath bekommt eine nackte Schwarze serviert, überall wird im Puff gefummelt und geleckt. Die nackte Augusta führt eine Showeinlage mit einer Schlange auf, während die Kamera parallel immer wieder einfängt, was nebenbei so alles getrieben wird – inklusive ständiger Stöhngeräusche von der Tonspur, dazu monotones Getrommel und Xylophongeklöppel. Hm, habe ich mir hiermit vielleicht doch eher einen weiteren Softsexstreifen eingehandelt…?

Vespa wird von Goliath „gekauft“ und offenbar zu vergewaltigen versucht, doch glücklicherweise schreitet ein anderer Gladiator rechtzeitig ein, woraufhin eine Prügelei entbrennt. Nun beansprucht Berenice Vespa für sich. Es folgt ein brutaler Gladiatorenkampf mit Gekröse und abgesensten Ohren. Gladiator Marcus (Rick Hill, „Der Todesjäger“) zieht mit Valeria und Vespa los, doch das Trio wird von Goliath und dessen Männern überfallen, woraufhin Goliath Vespa brutal entjungfert. Berenice kommt herbeigeritten und sorgt für Ordnung, konnte die Vergewaltigung aber nicht verhindern. Die Ereignisse überschlagen sich weiter: Irgendwelche Typen entführen alle, Marcus‘ verflossene Philomena (Samantha Fox, „Teuflische Weiber“) will noch einmal Sex mit ihm, Clodius entpuppt sich als seniler Lustgreis und der Vulkan bricht aus. Trotzdem muss sich Goliath noch einmal mit Marcus prügeln – ein Kampf, der tödlich endet.

Wir sehen Archivbilder eines Vulkanausbruchs, Massenpanik- und Stadtuntergangsszenen, die anscheinend aus „Die letzten Tage von Pompeji“ gemopst wurden, und wie die, ähm, Puffeinarbeiterin mitsamt dem Etablissement untergeht. Ein paar Mädels überleben – sind das jetzt die Warrior Queens? Berenice jedenfalls musste in diesem Film für ihren Titel reichlich wenig kämpfen. Mit meiner Annahme, es hier mit einem Barbarenfilm zu tun zu bekommen, lag ich daneben, vielmehr haben wir es hier mit Low-Budget-History- und -Peplumploitation-Trash zu tun, angereichert mit einiger Sexploitation – krude, leidlich unterhaltsam, Sybil Danning irgendwie verschenkend und kolportagenhaft. Das fantasieanregende Cover-Artwork entpuppt sich als ernüchternde Mogelpackung, die aber immerhin dennoch über einen nicht ungefähren Anteil an Schauwerten verfügt.

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