Es gibt Filme, die nach einem Erfolg an den Kinokassen zumeist mäßige Sequels nach sich ziehen. Stimmt beim zweiten Mal auch das Ergebnis, gibt's noch einen Nachschlag usw. Über die Qualität dieser Streifen kann man in den meisten Fällen getrost den Mantel des Schweigens decken. Doch es gibt auch löbliche Ausnahmen, eine davon ist mit Sicherheit James Camerons Actionknaller „Aliens", denn es ist eine Fortsetzung, die man so nicht erwartet hatte, denn mit dem relative ruhigen ersten Teil hat dieser Film nicht mehr viel gemein. Andererseits hat Cameron nur dass gemacht, was er bereits kurz zuvor mit „Terminator" exzellent umsetzte, nämlich knallhartes, düsteres Actionkino, wobei „Aliens" in Sachen Materialschlacht noch einen oben drauf setzte. Dabei ist es erstaunlich, was Cameron für angeblich weniger als 20 Millionen Dollar auf die Leinwand schmiss, heute sind solche Blockbuster meist zehnmal so teuer, sehen allerdings auch nicht aufregender aus.
Cameron hat alles richtig gemacht, ohne Ausnahme. Er hat einen perfekten Actionfilm kreiert. Gut, dass er erneut FX-Experte Stan Winston vertraute, und für den durch „Terminator" bekannte Michael Biehn gab's erneut eine tragende Rolle, diesmal als Marinekämpfer Hicks. Zusammen mit anderen Marines und einer Ripley - die ihr „Alien"-Trauma loswerden möchte und deswegen als Beobachterin mitkommt - fliegen sie zum Planeten LV-426, von dem seit geraumer Zeit kein Lebenszeichen mehr kommt. Kolonisten hatten dort ihre Heimat gefunden. Bereits kurze Zeit nach der Landung wird Ripley klar, dass hier keiner mehr lebt und warum, wird sie - grauenhafter als im ersten Teil - bald ebenso wissen.
Cameron dreht nicht einfach einen Actionfilm, er zelebriert ihn. Und, was andere Genrevertreter oft vermissen lassen, ist neben der unglaublichen Atmosphäre die Charakterstudien jeder einzelnen Person, insofern steht er Scotts „Alien" in nichts nach. Die Anteilnahme des Zuschauer steigt unaufhörlich, wenn sich der Trupp immer weiter in einem riesigen, teilweise verwüsteten, Komplex zurückzieht und den Massenansturm der Aliens mit allen Mitteln versucht abzuwehren. Sigourney Weaver glänzt nicht nur als mutige Kämpferin, sondern zeigt auch ihre sensible Seite, wie sie in ihrer Rolle als Mutterersatz für das überlebende Waisenkind Newt eindrucksvoll zeigt. Höhepunkt der adrenalinfördernden Achterbahnfahrt ist der finale Kampf zwischen Ripley und der Alienkönigin, wobei der Ausgang Erinnerungen an das Ende zum ersten Teil hervorruft, aber wenigstens ist das Schlussbild weniger düsterer, da wenigstens drei Menschen überlebt haben (und auch der Android Bishop, genial verkörpert durch Lance Henriksen, gehört dazu, wenn auch etwas unvollständig).
Ich habe lange Zeit nie an den perfekten Actionfilm geglaubt. An eine perfekte Fortsetzung eines schon genialen Streifens wie „Alien" sowieso nicht, aber irren ist menschlich. Cameron hat nach „Terminator" den nächsten Volltreffer gelandet. „Aliens" ist bis heute ein unerreichbares Genre-Highlight geblieben. Auch James Cameron konnte daran mit seinen weiteren Arbeiten - trotz überdimensionierter Budgets - nichts ändern.