57 Jahre nachdem sie als einzige Überlebende der Nostromo entkommen konnte, wird Ellen Ripley, gespielt von Sigourney Weaver, schließlich gefunden und aus ihrem Kälteschlaf aufgeweckt. Dann muss sie jedoch erfahren, dass der Planet, auf dem sie damals den Alien gefunden hatte mittlerweile bewohnt wird und, dass der Kontakt zur Kolonie abgebrochen ist. Nun kehrt sie mit einer Spezialeinheit zu der Station zurück, stellt dort jedoch fest, dass sie es diesmal mit hunderten Aliens zu tun hat.
Mit seinen perfekt kreierten Alptraumwelten lieferte Ridley Scott mit "Alien" ein atmosphärisches und spannendes Meisterwerk ab, das einen Meilenstein für das Sci-fi-Horror-Genre darstellte. Umso überraschender war es, dass das Sequel seinen Vorgänger sogar noch übertreffen konnte, zumal James Cameron zum Zeitpunkt des Drehs ausschließlich mit "Terminator" in Erscheinung getreten war.
Cameron orientiert sich eindeutig an Scotts erstem Teil und liefert einen hervorragenden Anschluss. Zunächst einmal erzeugt auch Cameron eine unglaublich dichte Atmosphäre und verwendet dafür Ridley Scotts furchterregende Alptraumwelten, seine düstere Optik und seine kalten sowie trostlosen Bilder eines Planeten, auf den sich besser niemals ein Mensch verirren sollte. Auch der Ton ist perfekt gelungen, mit dumpfen und bedrohlichen Klängen, düsterer Spannungsmusik, makellosen und überraschenden Ton-Effekten und einem vorbildlichen Ton-Schnitt verstärkt Cameron seine Atmosphäre und baut damit permanent Spannung auf. Nach seinem Durchbruch zeigt sich Cameron also erneut als handwerklicher Perfektionist, wie später auch bei "Abyss" oder "Titanic".
Auch die Handlung knüpft perfekt an Scotts Original an, auch wenn der Film natürlich auch ohne Vorkenntnisse durchaus sehenswert und verständlich ist. Die Charakterkonstruktion der starken Frau, Ellen Ripley, übernimmt Cameron und auch er setzt auf eine eher konventionelle Handlung, die dann doch relativ kalkulierbar in den Handlungsbahnen des Genres bleibt. "Alien 2" ist aber einer der wenigen Filme, bei dem diese Vorhersehbarkeit im Prinzip komplett in den Hintergrund tritt. Angesichts der dichten Atmosphäre und der fulminanten Action, treten sämtliche verwendete Genre-Klischees in den Hintergrund, so lässt man sich als Zuschauer fesseln, obwohl man sich denken kann, welche der Protagonisten ins Gras beißen müssen und, dass Ellen Ripley wohl überleben wird (zumal es ja zwei weitere Sequels gibt). Als Vehikel für Action und Atmosphäre funktioniert die Story aber auf jeden Fall und, da sie durchaus an Ridley Scotts Meisterwerk anknüpfen kann, ist Camerons Arbeit auch in Bezug aufs Drehbuch in allen Belangen makellos.
Cameron orientiert sich aber nicht nur am Original seines Vorgängers, er lässt auch eigene Aspekte einfließen. Im Wesentlichen sind es die zahlreichen Action-Sequenzen, die "Alien 2" von seinem Vorgänger unterscheiden. Während Scott lediglich ein paar kurze und platzierte Action-Momente einbaute, liefert Cameron eine ganze Materialschlacht, die jedoch rundum überzeugen kann, auch wenn die Effekte leicht antiquiert sind. Die erste Hälfte nutzt er hauptsächlich um eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen und der Figur der Ellen Ripley weitere Tiefe zu verleihen, aber die gesamte zweite Hälfte des Films besteht dann aus überzeugenden, stellenweise ziemlich ekelhaften Action-Szenen, die bei der düsteren Atmosphäre kaum spannender sein könnten. Cameron setzt die Action-Szenen mit ordentlichen Effekten perfekt in Szene und trifft auch hier die Perfektion, auch wenn er zum Ende hin vielleicht ein bisschen zu viel Spaß an seiner Zerstörungsorgie hatte und seinen Showdown teilweise in die Länge zieht. Auch dramaturgisch ist der Film, typisch für Cameron, sehr simpel, aber auch sehr effektiv und gelungen aufgebaut.
Etwas wäre dann aber doch noch zu bemängeln. Ridley Scott lies nur einen einzigen Alien, eine scheinbar unbesiegbare und tödliche Bestie auf der Nostromo eine ganze Besatzung töten und konnte so die Angst vor der Kreatur noch weiter schüren. Cameron, der offensichtlich auf mehr Action aus ist, entscheidet sich verständlicherweise mehrere der Aliens zu verwenden, genau genommen sind es hunderte, von denen ziemlich viele getötet werden. Damit geht die Angst des Zuschauers vor den grausamen Bestien zumindest teilweise verloren, da sie hier wesentlich verletzbarer und besiegbarer erscheinen, aber auch dies stört angesichts der virtuosen Inszenierung nur selten.
Sigourney Weaver macht sich erneut in ihrer Paraderolle der Ellen Ripley hervorragend und wurde damit vollkommen zu Recht mit einer Oscar-Nominierung bedacht. Sie kann mimisch in den dramatischeren Momenten, beispielsweise, als sie erfährt, dass ihre Tochter gestorben ist, oder als sie in der verlassenen Kolonie ein kleines Mädchen findet, voll und ganz überzeugen und die Sympathie des Zuschauers auf sich ziehen. In den Action-Szenen brilliert sie aber auch als knallharte und taffe Action-Heldin, und macht sogar Stallone, Schwarzenegger und Co Konkurrenz. Der übrige Cast überzeugt ebenfalls, wobei mir vor allem Bill Paxton, der im Prinzip in jedem Cameron-Film zu sehen ist, als psychisch labiler und verstörter Soldat sehr gefallen hat.
Fazit:
Wie Ridley Scotts Vorgänger besticht auch James Camerons Sequel mit einer zum Bersten gespannten Atmosphäre, einer düsteren und bedrohlichen Kulisse, perfekten Ton-Effekten, einem hohen Spannungsbogen und der stark aufspielenden Sigourney Weaver. Mit Camerons rundum virtuos inszenierten Action-Sequenzen und einem noch höheren Erzähltempo übertrifft das Sequel sein Original sogar noch und ist als Kultfilm, vielleicht sogar bester Vertreter seines Genres auf jeden Fall zu empfehlen.
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