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Sieben Jahre nach Ridley Scotts bahnbrechendem Sci-Fi-Horrorfilm „Alien“ entstand unter der Regie des Kanadiers James Cameron diese Fortsetzung, Camerons erster Film nach „Terminator“. Dabei bediente er sich einer etwas anderen Rezeptur als zuvor Scott, indem er Atmosphäre und Erzähltempo des Erstlings hinwegfegte und mehr auf Action und Schauwerte abseits der morbiden Ausstrahlung düsterer Kulissen setzte. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden und dass „Aliens“ zu einem wahrhaft aberwitzigen Kreaturenspektakel geriet, erfreut und begeistert mich als Monsterfreund in hohem Maße. Das hohe Tempo war (und ist) zeitgemäß und wurde gekonnt eingesetzt, denn die Dramaturgie bleibt nicht auf der Strecke und bietet dem Zuschauer dabei nur wenige Augenblicke zum Durchatmen. Weniger positiv fiel aber leider fast schon US-typisch die Darstellung der alienjagenden Marines aus. Mit schwerem Gerät bewaffnet, wirken sie eher wie klischeebehaftete Schießbudenfiguren denn ernstzunehmende Charaktere. Sie entbehren nicht einem gewissen Nervfaktor und wenn sie mit ihren Megawummen durch die Gänge schleichen und die Kamera frontal draufhält, ist leider kaum noch etwas von der von Scott erzeugten „Alien“-Stimmung übrig; man wähnt sich eher in einem trashigen B-Actioner. Glücklicherweise blieb uns Sigourney Weaver als selbstbewusste, intelligente Kämpferin erhalten, die den notwendigen Kontrastpunkt setzt und erneut die Rolle der Identifikationsfigur für den Zuschauer einnimmt. Und dann gibt es da noch Paul Reiser als hinterlistige, durchtriebene Gestalt, dem man seine Rolle leider so gar nicht abnimmt. Lance Henriksen hingegen glänzt als Android Bishop mit seinem zerfurchten Gesicht als echter Charakterdarsteller. Leider war es aber mit den Militär-Actionfiguren noch nicht mit den Anbiederungen an den Mainstream getan, stattdessen flocht man noch ein süßes, kleines Mädchen in die Handlung ein, das – insbesondere am Schluss des Films – für einen nicht unbeträchtlichen Kitschanteil sorgt. Auch hat es das Drehbuch mit dem Märtyrertum seiner Protagonisten etwas zu weit getrieben. Nichtsdestotrotz ist „Aliens“ eine qualitativ hohe Fortsetzung geworden, bei der sehr vieles richtig gemacht wurde: Der Film macht großen Spaß, unterhält prima, ist hochspannend und bietet viel fürs Auge, in erster Linie durch die tollen Kreaturen-Spezialeffekte, die hier wesentlich öfter zum Einsatz kommen als im Vorgänger. Doch während Scotts „Alien“ half, den Mainstream zu bereichern, auf eine höhere Stufe zu hieven, bedient sich Cameron für „Aliens“ des bereits vorhandenen Mainstreams, ohne in seiner Materialschlacht wirklich innovative Wege zu beschreiten. Durch seine Potenzierung von Horror- und Kreaturenaction hat er aber sicherlich mit dazu beigetragen, dass sich der Anspruch der Zuschauer an derartige Filme geändert hat, was erklären dürfte, warum „Aliens“ vom heutigen Publikum nicht selten sogar als stärker als das Original eingeschätzt wird.

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