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57 Jahre ist Ripley im Kälteschlaf durchs All geflogen, nachdem sie das Alien-Monster überlebt hatte. Schließlich wird sie zufällig gefunden, wiederbelebt – und erfährt, dass der Planet, auf dem sie die Eier gefunden hatten, mittlerweile kolonisiert wurde. Als die Verbindung zur Kolonie abbricht, begleitet sie die militärische Rettungsmission und sieht sich bald erneut mit ihrem schlimmsten Albtraum konfrontiert – nur um ein Dutzendfaches vermehrt.

„Aliens – Die Rückkehr“ lieferte sieben Jahre nach dem legendären Original eine inhaltlich stringente Fortsetzung, die Motive aus dem ersten Teil erneut aufgreift – gierige Konzerne, die Profit über Menschenleben stellen, durchsetzungsfähige Frauen, die sich gegen Aliens und patriarchalische Strukturen zur Wehr setzen – dabei jedoch in bester Hollywood-Fortsetzungs-Manier alles um ein Vielfaches zu überbieten strebt.

Wo Ridley Scott einen atmosphärisch dichten Horror-Schocker liefern wollte, setzte James Cameron hier auf das, was er am besten kann: aufwendigen, visuell beeindruckenden Action-Bombast der Superlative. Und so lässt er hier nicht nur ein schleimiges Monster, sondern gleich mehrere Dutzend Jagd auf eine (deutlich größere) Crew machen, nicht nur eine isolierte Raumstation, sondern gleich eine ganze planetare Kolonie überfallen – und zum gigantomanischen Finale schickt er direkt eine riesige Alien-Königin in den Kampf gegen einen überdimensionierten Lagerroboter. Mit hochkarätigen Spezialeffekten, die selbst heute noch begeistern können, enormem Aufwand an Setting und Ausstattung und krachender Action verwandelt er den Kampf gegen die Monster in einen adrenalingeladenen Überlebenskampf voll heftiger Schießereien, Explosionen und brachialer Kämpfe. Wenn die Action erst einmal gestartet ist, gibt es bis zum spektakulären Finale kaum noch Atempausen.

Zeit für Atmosphäre und Figurencharakterisierung lässt er sich trotzdem. Es dauert eine volle Stunde, bis die ersten Aliens ins Bild rücken. Bis dahin wird Ripleys Geschichte glaubwürdig und mit einem Hauch psychologischer Tiefe weitererzählt, eine ganze Reihe neuer Figuren eingeführt (diesmal ein Trupp Marines, deren größerer Umfang zu einem deutlicheren Testosteron-Anteil führt, aber trotzdem mit knackigen Sprüchen und wehrhaften Frauenfiguren noch Spaß machen kann) und die inhaltliche Grundlage für die Rückkehr auf den Alien-Planeten geschaffen. Und dass sich auch diesmal wieder eine überschaubare Gruppe auf einem weit entfernten und einsamen Setting wiederfindet, wo sie in dunklen, beklemmenden, labyrinthartigen Gängen und Schächten ums Überleben kämpft, sorgt trotz des umfangreicheren Personals erneut für klaustrophobische Hochspannung.

Meisterhaft geraten auch wieder die Spezial- und vor allem Creature-Effekte, diesmal verantwortet von Stan Winston. Die Aliens sind schleimig, eklig, bedrohlich und scheinbar noch schneller als zuvor, und die riesige Königin ist ein Meisterstreich, wie er direkt aus den schlimmsten Albträumen stammen könnte. Auch die grausigen Details, wie Menschen lebend in Kokons gesponnen und als Brutwirte für die spinnenartigen Nachkommen genutzt werden, können für schlaflose Nächte sorgen. Hier wird der Horror des ersten Teils gekonnt in eine größere Dimension überführt.

Dass mit Michael Biehn (als Truppenführer und verhindertes Love-Interest Sigourney Weavers) und Lance Henriksen (als diesmal vertrauenswürdiger, geradezu tragischer Androide) auch bekanntere Namen aus der B-Liga Hollywoods dabei sind, trägt zum Unterhaltungsfaktor ebenso bei wie die herrliche 80er-Jahre-Optik – bläuliche Nachtaufnahmen, laserdurchstrahlter Nebel, „Hightech“-Computer, die noch mit Disketten betrieben werden – und der starke, nur an manchen Stellen vielleicht etwas zu erschlagende Score von James Horner. Dass die blutigen Details aus heutiger Sicht erstaunlich zurückhaltend bleiben, ist umso interessanter, weil durch die dichte Atmosphäre und das verstörende Creature-Design ein so beklemmender Eindruck entsteht, dass hier alles viel grausamer und bedrückender wirkt, als es auf der reinen Bildebene tatsächlich ist.

So erweist sich „Aliens – Die Rückkehr“ als überaus würdiger Nachfolger eines großen Genre-Klassikers, der es annähernd perfekt schafft, dem ersten Teil neue, eigenständige Aspekte zu verleihen und trotzdem dem Vorbild in vieler Hinsicht treu zu bleiben. Mit krachender Action, ekligen Monstern und starken Heldinnen ist auch dieses Werk ein Musterbeispiel an düsterer Unterhaltung à la Hollywood.

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