Review

Die Kritik beruht auf der weltweit längsten, ungeschnittenen Fassung, neu veröffentlicht von XT-Video!

1981 setzte ein bis dahin unbekannter Regisseur namens Samuel Raimi mit seinem Low-Budget-Debut "Tanz der Teufel" Maßstäbe im Horrorbereich und läutete mit seinem splattrigen Schocker die Geburtsstunde des Dämonenfilms ein, dem nicht nur zwei weitere Fortsetzungen, sondern auch eine ganze Welle an Plagiaten folgte, unter anderem die "Night Of The Demons"-Trilogie.

Als Mitte der 80er Jahre die Zombie-Thematik im italienischen Kino so ziemlich ausgelutscht war, sprang Dario Argento als Autor und Produzent auf den erfolgsversprechenden Zug mit auf, und ließ Lamberto Bava die Italo-Variante zu "The Evil Dead" inszenieren.
Heraus kam dabei eine handlungsarme Splatterorgie, bei der Effekte-Spezialist Sergio Stivaletti in traditioneller Handarbeit einige der derbsten Goreeinlagen lieferte, die das italienische Splatter-Subgenre bis dato zu bieten hatte.

Während bei "Tanz der Teufel" eine Waldhütte und die angrenzenden Wälder der zentrale Mittelpunkt der Handlung waren, konzentriert sich das Geschehen bei "Dämonen" im ersten Teil auf ein Berliner Kino: 
Das während einer Preview auf der Leinwand dargestellte Grauen - eine mehrminütige Film-im-Film-Sequenz, wobei hier Szenen aus Bavas "Die Gruft" verwertet wurden - überträgt sich auf die Zuschauer im Publikum und verwandelt sie in blutrünstige Dämonen. Wer noch nicht infiziert ist versucht sich mit allen Mitteln in Sicherheit zu bringen, doch die Situation erscheint aussichtslos. 

Der Grund für das wüste Splatter-Spektakel, das im weiteren Verlauf der Handlung im Kino zelebriert wird, wird nicht näher erläutert. Ein Requisit aus dem Film - eine Maske, an der sich eine Zuschauerin schneidet - scheint der Auslöser zu sein, aber ein "Warum-Wieso-Weshalb?" bleiben Argento und seine drei (???) Co-Autoren dem Zuschauer schuldig. 
Hauptsache es matscht und spritzt - und das nicht zu knapp, weshalb der Film und auch seine Fortsetzung in Deutschland mit herben Schnittauflagen bestraft wurden.

Weshalb aber vier Autoren vonnöten waren bleibt ebenso ungeklärt - diese miesen Dialoge (sicherlich auch die Konsequenz aus einer eher unterdurchschnittlichen Synchronisation) hätte auch ein Viertklässler zustande gebracht. Das Grauen solch unfreiwillig komischer Dialogperlen wie "Wann hat der Terror endlich ein Ende?" - die übrigens von einem knallharten Luden über die dicken Lippen gebracht wurden, der sich mit zwei seiner Pferdchen ins Kino verirrt hatte - werden nur noch von dem unbeholfenen Laienschauspiel äußerst untalentierter Knallchargen übertroffen.
Auch bietet die Besetzung keinerlei Schauwerte für den Zuschauer, lediglich Bobby Rhodes (der Lude) dürfte eingefleischten Italo-Fans nicht nur aus der "Dämonen"-Fortsetzung, sondern auch Söldnerfilmen wie "Jäger der Apocalypse", bekannt sein. Ansonsten wurden weitestgehend unbekannte Gesichter verpflichtet, die hier den schauspielerischen Offenbarungseid ablegen.

Was in den 80er Jahren Kult war und in den Videotheken zu den heißesten Top-5-Anwärtern der Verleihcharts gehörte, ist 30 Jahre später nichts weiter als ein Dokument einer längst vergangenen Kino-Ära.
Abgesehen von den superben Masken- und Special Effects ist das Werk jedoch qualitativ eher durchschnittlich ausgefallen.
Lamberto Bava war es als Regisseur nie gelungen in die Fußstapfen seines berühmten Vaters - Mario Bava - zu treten.
Bis auf die Film-im-Film-Sequenz und ein, zwei weiterer Szenen krankt der Film an einem spürbaren Mangel an Spannung und Atmosphäre. 
Die Einflüsse Argentos werden lediglich bei der Auswahl des ungewöhnlichen Drehortes - nämlich Berlin - und dem Einsatz von Rock-Musik und des typischen Claudio Simonetti-Scores erkennbar, ansonsten dominieren Unlogik, Unsinn und jede Menge unnötige Handlungselemente das streckenweise langatmige Dämonen-Spektakel.

Höhepunkt des ganzen Schwachsinns ist im Finale ein Hubschrauber, der - von Gottes Hand gelenkt? - ohne erkennbare Erklärung in das Dach des Kinos stürzt, was den beiden letzten Überlebenden des Massakers den Weg in die Freiheit ermöglicht. 

Die "Dämonen"-Filme genießen in Fankreisen Kultstatus und zählen zu den Klassikern des italienischen Splatterkinos. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Werken dieser Ära, die man sich auch heutzutage noch immer wieder anschauen kann, haftet diesen Filmen jedoch mehr Trashappeal an als der Hauch eines zeitlosen Klassikers. 

5/10

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