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Berlin: Die junge Cheryl erhält in einer U-Bahn-Station von einem seltsam zurechtgemachten Typ mit Metallmaske zwei Eintrittskarten für das  "Metropol"-Kino... einem riesigen Schuppen, von dem weder sie noch ihre Freundin Kathy je etwas gehört haben. Die beiden Mädels sind dann auch der Meinung, dass das Ganze wohl eine Promo-Aktion für einen neuen Horrorfilm darstellt und man sie mit den kostenlosen Tickets in eine Sneak-Preview locken will. Der gezeigte Streifen entpuppt sich schnell als billiger Gruselfilm, in dem es um ein paar Teenies geht, die das Grab des berühmten Nostradamus entweihen und sich dadurch einen dämonischen Fluch zuziehen. Merkwürdigerweise kommt in dem Film auch ein auffälliges Masken-Prop zum Einsatz, an dem sich einer der Darsteller schneidet und sich darauf hin in ein Monster verwandelt... und eine exakte Replik dieser Maske befindet sich auch im Foyer des "Metropol" und - was für ein Zufall - vor Beginn der Vorstellung hat sich die Nutte Rosemary beim Herumspielen damit ebenfalls an dem Ding gepiekst. Diese tut es nun ihrem Vorbild auf der Leinwand gleich und wird zum Ungeheuer, das die anderen Zuschauer anfällt und jeden, den sie in ihre Krallen kriegt, ebenfalls zum Dämon macht. Panik bricht aus, die Fluchtwege sind versperrt und Cheryl und die anderen versuchen sich den unaufhaltsamen Monster-Attacken zu erwehren und lebend wieder aus dem Kino rauszukommen... Versteh' mal wieder einer den deutschen Video-Anbieter New Vision, der Lamberto Bavas "Dämonen"-Filme hierzulande in umgekehrter Reihenfolge veröffentlicht und dabei gleich den Erstling "Dèmoni" dank angehängter "2" im Titel völlig unmotiviert zum Sequel degradiert hat. So richtig Sinn macht das nämlich nicht, zumal die wesentlich schwächere Fortsetzung, die in Deutschland nun für immer als "Dämonen" firmiert, kaum dazu angetan sein dürfte, den geneigten Fan dazu zu bringen, sich auch alle eventuellen weiteren Teile der Franchise reinzuziehen. Verständlicher ist da schon die Marketing-technische Herausstellung von Produzent und Co-Drehbuchautor Dario Argento, mit dessen (damals noch) gutem Namen groß und breit geworben wird und die "Dämonen 2" als eine seiner Regie-Arbeiten verstanden wissen will. Das ist ganz schön unfair gegenüber dem tatsächlichen Regisseur Lamberto Bava, denn der liefert hier seinen besten Film ab und beweist nach einigen eher vergessenswerten B-Movies, dass er stilistisch wohl doch das eine oder andere von seinem Vater abbekommen haben muss. Die dünne Story wird da noch mit dermaßen vielen Licht- und Farb-Spielereien aufgepeppt, die doch visuell mächtig was hermachen. Die Hintergründe der Dämonen-Invasion bleiben abgesehen von der minimalen Makulatur rund um die Prophezeiungen des Nostradamus (die schon in den Film-im-Film-Szenen nicht mal das Kino-Publikum überzeugen) völlig im Dunkeln und interessieren nach dem Einsetzen des actionreichen Body Count-Parts der Handlung eh niemanden mehr, denn ab da konzentriert der Streifen sich voll und ganz auf seine Schauwerte. Die ultra-blutigen Gore- und Make Up-Effekte stammen dabei aus der Hand Sergio Stivalettis, sind stellenweise superb und dürften jeden Hardcore-Splatterfan vom Sessel hauen, denn ab da wird geschmoddert wie zu besten Fulci-Zeiten und man fährt die ganze Palette an Scheußlichkeiten auf: Ausgestochene Augen, aufgerissene Kehlen, Skalpierungen, Schleim, Eiter, Monster-Kotze, Halleluja! Wenn die Form dann natürlich wieder mal meilenweit über dem Inhalt steht, verwundert es nicht, dass der eigentliche Plot nur eine Ansammlung von Zufälligkeiten, Deus ex Machina-Momenten und anderen Schwachsinnigkeiten darstellt... geradezu italo-typisch, möchte man da sagen, wobei natürlich auch Argento in seiner Rolle als Schreiberling kein Garant für durchdachte Geschichten ist, das kennt man ja schon von seinen eigenen Filmen. "Dämonen 2" ist dafür einer der wenigen Genre-Streifen, die dank deutscher Original-Drehorte und oft gesetzter Inserts vom West-Berlin der 80er Jahre den Horror tatsächlich mal vor die eigene Haustür holen und deshalb recht beklemmend wirken. Das Ende ist recht apokalyptisch geraten und umreißt das typische, Romero'sche Weltuntergangs-Szenario in einem budgetmäßig engeren Rahmen ganz gekonnt, kann aber natürlich nicht wirklich gegen eine Groß-Produktion aus Hollywood anstinken. Aber der Schluss-Gag, der ist gut. Und natürlich kann kein Film, der seine blutige Action mit Metal-Songs von Bands wie Pretty Maids, Saxon und Accept (das grandiose "Fast as a Shark" als Begleitung zum finalen Samuraischwert-Motorbike-Massaker im Kinosaal, sehr edel!) untermalt, wirklich schlecht sein. Als kleinen Klassiker kann man "Dämonen 2" darum allemal durchwinken...

7/10

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