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Mit 17 hat man ganz eigene Vorstellungen wie das Leben ablaufen soll, und dementsprechend ist die Schülerin Luna (Lisa Vicari) dann auch lieber mit ihrer Clique am Samstag auf der Piste, statt frühzeitig schlafen zu gehen, weil am nächsten Morgen ein Familienausflug ins Wochenendhaus in den bayrischen Alpen ansteht. Doch ihr Papa (Benjamin Sadler) ist noch wach, als sie gegen 2.00 Uhr morgens heimlich durchs Fenster in die elterliche Wohnung zurückkehrt und so bleiben der jungen Dame nur etwa 3 Stunden Schlaf, ehe sich die vierköpfige Familie auf den Weg macht. Kaum in der Idylle an einem kleinen Weiher angekommen, bekommt der Vater auch schon einen kurzen telefonischen Hinweis, daß "sie" unterwegs wären, doch für eine Flucht reicht die Zeit nicht mehr: schon nähert sich ein schwarzer Geländewagen, dem mehrere bewaffnete Männer entsteigen, die mit der erschreckten Familie kurzen Prozeß machen: Mutter und kleine Schwester werden einfach niedergeschossen, kurz darauf auch der Vater, nur Luna gelingt es trotz Verfolgung, irgendwie durch den Wald zu entkommen.
Noch unter Schock stehend, erreicht sie eine dörfliche Wachstube, wo sie ihre Geschichte erzählt, woraufhin eine Spezialistin aus München sie mit einem Wagen abholen soll. Doch die blonde Polizistin gehört offenbar auch zum Killerkommando, denn unterwegs greift sie bei einer kurzen Rast die völlig überraschte Luna an. Die Szenerie wurde allerdings von einem weiteren Fahrer beobachtet, der der 17-Jährigen zu Hilfe kommt, diese kurzerhand in seinen Kofferraum verfrachtet und sie erst einmal aus der Gefahrenzone bringt. Dieser Hamid (Carlo Ljubek) tischt ihr dann eine kaum zu glaubende Geschichte auf: Ihr Vater wäre ein russischer Geheimagent gewesen und wegen brisanter Informationen in seinem Besitz ermordet worden, sie selbst hätte Großeltern in Moskau und er, Hamid, sei ein ehemaliger Kollege ihres Vaters...

Die deutsche Produktion Luna kommt recht schnell auf den Punkt und verheißt anhand der anfänglichen Actionszenen einen spannenden Agententhriller, verflacht dann allerdings immer mehr und vermag aus den beiden prinzipiell interessanten Grundideen, nämlich der Rolle einer über Nacht zur Waisen gewordenen 17-Jährigen sowie dem Umstand, sein ganzes Leben mit jemandem verbracht zu haben, der in Wirklichkeit ein Doppelleben geführt hatte, rein gar nichts mehr herauszuholen: weder verhält sich Luna so, wie man dies erwarten könnte, noch bemüht sich das Drehbuch um eine Aufdeckung der Hintergründe der Bluttat. Dazu kommen dann noch einige Logikfehler und Ungereimtheiten bezüglich des Vorgehens von Geheimdiensten und so ist es in der zweiten Filmhälfte ausschließlich dem Auftreten des Kumpeltyps Hamid zu verdanken, daß man nicht vorzeitig abschaltet.

Zu unrealistisch wirken die nachfolgenden Szenen, in denen Luna kaum ihrer Familie nachtrauert oder gar auf Rache sinnt, stattdessen überlegt, aufgrund eines einzigen Satzes von Hamid betreffs ihrer Großeltern mit dem Bus nach Moskau zu fahren, wo sie noch nie war (was will sie da, ohne Sprachkenntnisse, ohne Freundeskreis? wtf?), zu bieder wirkt der deutsche BND-Chef Behringer (Rainer Bock), der sich höchstpersönlich konspirativ vor einem Schaufenster in der Innenstadt mit dem Informanten trifft (hat er keine Mitarbeiter, die so etwas für ihn erledigen?), zu klischeehaft wirkt der eiskalte russische Killer (Branko Tomovic), der dann tagelang in einer observierten Wohnung seelenruhig Familienpapa spielen darf (statt sich schnellstmöglich abzusetzen), zu unglaubwürdig die als akkreditierte Polizeisprecherin(!) im TV auftretende blonde Agentin, die Luna umbringen wollte - da ist den Autoren einfach nichts mehr eingefallen.

Am Schluß nur noch wie ein x-beliebiger Fernsehfilm wirkend endet Luna dann erwartungsgemäß mit absolut konventionellem Finale inklusive "Auflösung", läßt sämtliche die Arbeit westlicher wie östlicher Geheimdienste betreffende aufgeworfene Fragen unbeantwortet und kann somit nicht einmal einen durchschnittlichen Unterhaltungswert für sich reklamieren. An den Darstellern liegt es nicht: Vicari hätte durchaus Potential, bleibt in ihrer durch Unlogik geprägten Rolle allerdings blaß, Ljubek sieht man aufgrund seiner meist lässigen Attitüde sowieso gerne auf dem Bildschirm, aber auch diese beiden Hauptdarsteller kommen gegen das äußerst schwache Drehbuch nicht an. So bleibt am Ende nur zu konstatieren, daß man aus dem Stoff deutlich mehr hätte machen können: 4 Punkte.

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