Die alte Metapher vom Bezwingen des Berges zieht doch immer wieder. Der Mensch im Kampf gegen die Natur oder gegen den inneren Schweinehund im filmischen Gewand eines Abenteuers.
Etwas ungewöhnlicher gestaltet sich die Prämisse, wenn eine Dame jenseits der 80 Jahre eine Kletterpartie anvisiert.
Die 83jährige Edie (Sheila Hancock) pflegte 30 Jahre lang ihren Mann und soll drei Jahre nach dessen Tod ins Altersheim abgeschoben werden. Als sie beim Packen auf dem Dachboden eine Postkarte ihres Vaters findet, dessen Motiv den Mount Suilven in den Schottischen Highlands ausgibt, entschließt sie sich kurzerhand zu einer Reise. Als sie vor Ort den jungen Bergführer Jonny (Kevin Guthrie) trifft, kommen ihr jedoch erste Zweifel…
Die Erzählung macht es einem zunächst nicht leicht, mit der alten Dame warm zu werden. Sie erscheint dickköpfig, trotzig, grantig und eigensinnig und offenbart wenig von dem, was man mit einer lieben Omi ihres Alters assoziiert. Das Motiv ihrer Reise ist indes nachvollziehbar: Über Jahre musste sie sich unterordnen und die seinerzeit geplante Tour mit ihrem Vater zum Mount Suilven konnte nie verwirklicht werden. Entsprechend heißt es: Jetzt oder nie.
Der sprichwörtliche Zusammenprall mit dem unbekümmerten Jonny, der in dem kleinen Dorf in einem Laden für Campingausrüstung arbeitet, ist nicht nur das Aufeinanderstoßen der Generationen, etwa, als Edie in der versifften WG bei Jonny übernachten muss, weil das Hotel belegt ist. Im Verlauf entdecken die beiden Gemeinsamkeiten innerhalb der jeweiligen Beziehung und den daraus resultierenden, nicht verwirklichten Träumen.
Leider fallen die Figurenzeichnungen teilweise etwas mager aus, erst eine Hintergrundgeschichte im Mittelteil lässt ein wenig Emotionalität aufkommen, während die eine oder andere Situationskomik für willkommene Abwechslung sorgt, - sei es, als Edie im Morast stecken bleibt oder beim parallelen Zeltaufbau.
Was hingegen starke Momente generiert, sind die großartigen Aufnahmen der Highlands, mit vielen Panorama – und Luftaufnahmen, die oftmals untermauern, wie klein der Einzelne innerhalb einer zerklüfteten, einsamen Berglandschaft erscheint. Gleichermaßen liefert die souveräne Kamera einige gelungene Nahaufnahmen der Titelgebenden mit eben jenen Landschaften im Hintergrund, was mitunter eine gelungene Einheit bildet.
Sheila Hancock, eine in jeder Hinsicht gestandene Bühnen – und Filmdarstellerin, bringt natürlich die notwendige Ausstrahlung mit und einige Szenen in der rauen Natur kommen deshalb überaus authentisch rüber, weil sich die damals 84jährige tatsächlich an den Mount Suilven herantraute. Ihr Partner Guthrie performt angenehm bodenständig und vermag seine etwas schwach gezeichnete Figur ebenfalls mit sympathischen Momenten auszustatten.
Im Kern bleibt die simple Geschichte weitgehend vorhersehbar, wonach sich spannende Einlagen arg in Grenzen halten, speziell als es im letzten Drittel um einige bedeutende Entscheidungen geht. Demgegenüber punktet das Abenteuerdrama mit dem Zusammenspiel der Hauptfiguren und dem gefühlvollen Score, der bisweilen ein wenig übers Ziel hinausschießt. Als reines Bergsteigerabenteuer kaum der Rede wert, als schlichter Wohlfühlfilm über Ziele im gehobenen Alter durchaus inspirierend.
7 von 10