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Der Deutsche Frank (Rolf Peter Kahl) unternimmt einen Trip ins kalifornische Death Valley, nachdem er in einem neu erschienenen Roman sich und seine vor Jahren in die USA abgehauene Ex-Freundin wiederzuerkennen glaubt. Nachdem ihm die Agentin der Schriftstellerin zunächst nicht weiterhelfen kann, fährt er in seinem Mietwagen weiter durch die in diesen Tagen extrem heiße Wüste. Unterwegs lernt er die Bordsteinschwalbe Nina kennen, die reichen Männern bei deren Sado-Maso-Phantasien behilflich ist. Und da Frank sowieso nichts Besseres zu tun hat, bleibt er gleich da und assistiert Nina und ihrer Kollegin Marie hinter der Kamera bei ihrem Job...

Diese einleitenden Sätze stellen schon fast eine Inhaltsangabe der deutschen Produktion A Thought of Ecstasy dar, denn mehr als ein bißchen eher spießig anmutender und billig inszenierter Schweinkram zwischen ermüdend öden Passagen langer Autofahrten durch die Wüste passiert in Rolf Peter Kahls Film tatsächlich nicht. Von den wenigen Dialogen abgesehen (deren spärliche Sätze erstaunlich tonlos und unbeteiligt heruntergeleiert werden) ist das größte Problem des drehbuchfreien Amateurstreifens jedoch sein Hauptdarsteller Rolf Peter Kahl: ein untersetzter, glatzköpfiger Mittvierziger, der weitgehend emotionslos auftritt, auch sonst keinerlei Eigenschaften zu besitzen scheint und wegen der Helligkeit fast immer mit verkniffenem Gesicht herumläuft, kann bei niemandem Sympathie oder auch nur Interesse wecken. Seine Suche nach der verschollenen ex-Freundin, die als Stimme aus dem Off aus dem Roman vorliest während der vermutlich von einer Dashcam aufgenommenen endlosen Fahrten geht wohl auch dem geduldigsten Zuschauer komplett am Allerwertesten vorbei.

Was die Ausstattung betrifft, so ist A Thought of Ecstasy kein Low-Budget-, sondern ein No-Budget-Film: Kein Hotelzimmer, ein 08/15-Mietwagen und die Kamera, die Rolf Peter Kahl dann für die Mädels bedienen "darf", ist ein Mini-Camcoder im Wert von vermutlich nicht einmal 100 €. Womit dieser Streifen auch noch punkten will, sind einige Erotik-Aufnahmen, die teilweise dem Hardcore-Bereich zuzuordnen sind, weswegen es tatsächlich eine entschärfte Fassung gibt. Kann man den drei Damen, die außer Rolf Peter Kahl noch in diesem Streifen mitspielen, wenigstens zugute halten, daß sie zumindest nett anzusehen sind, wird das an ganz wenigen Stellen aufblitzende erotische Potential sofort im Keim erstickt, wenn Rolf Peter Kahl nackt ins Bild läuft. Offenbar wollte sich der Regisseur selbst ein Denkmal setzen, wenn er sich von einer jungen Dame die Stange polieren läßt - nur: wen interessiert das??

Was den Film vor dem unzweifelhaft berechtigtem vorzeitigen Abschalten bewahrt, ist neben der - freilich unerfüllten - Hoffnung auf irgendeine erkennbare Handlung ein erstaunlicherweise gar nicht mal so schlechter Soundtrack. Dies nützt aber nichts bei einem unscheinbaren Allerwelts-Hauptdarsteller, der das Ganze vielleicht ehrlicherweise besser als einen Videoblog seiner persönlichen Sex-Phantasien an ausgewählte Freunde verschickt hätte. Denn mehr als Rolf Peter Kahls erotische Vorlieben sind es nicht, die hier - mit einer ebenso kurzen wie mäßigen Rahmenstory zu Spielfilmlänge aufgeblasen - dargeboten werden. 2 Punkte.

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