Bedingt durch den Hype in den sozialen Medien war ich mehr als gespannt auf die Neuverfilmung des Buches um den bösen Clown, der die Bewohner von Derry terrorisiert.
Die Story dürfte hinreichend bekannt sein:
Derry 1957/1958. Der Mord an dem kleinen George Denbrough bildet lediglich den Auftakt einer ganzen Serie, bei denen ein Killer vornehmlich Kinder auf brutale Art und Weise ermordet und verstümmelt. Doch es ist mehr als nur ein perverser Mörder, das Böse selbst hat sich in einem uralten Dämon manifestiert, der die Stadt seit Jahrhunderten Heimsucht und den Kindern in Form ihrer Urängste, vornehmlich aber auch als tanzender Clown Pennywise gegenübertritt. Bill Denbrough, der stottert, sowie weitere Außenseiter - Richi Tozier, bekannt für seine große Klappe; Eddie Kasparek, ein Asthmatiker und Hypochonder, Ben Hanscom, deutlich übergewichtig, Mike Handlin, ein Afro-Amerikaner sowie Beverly Marsh, die als Tochter einer sozial benachteiligten Familie Probleme hat, Anschluss zu finden und Stanley Uris, der als Jude täglichen Diskriminierungen ausgesetzt ist - bilden den Club der Verlier und stellen sich dem Bösen entgegen.
Um eines Klarzustellen, Es (2017; nachfolgend auch als Kinofilm bezeichnet) ist eine Neuverfilmung des Buchs und kein Remake des TV-Films von 1990, wie z.T. fälschlicherweise behauptet wird. Selbstverständlich vergleicht man dennoch beide Filme miteinander. Im direkten Vergleich schneidet die 2017er Fassung m.E. schlechter ab als die TV-Version. Die 2017er Fassung setzt mehr auf modernen Horror, der Clown wird bewusst sehr gruselig dargestellt. Auch wenn die Morde nicht explizit sind, so beinhaltet der Film z. T. doch etwas an Gore und die Szenen sind bewusst düster gehalten. Trotzdem schafft es der Film nach meiner Meinung nicht, dass der Funke überspringt, ganz im Gegensatz zur TV-Fassung.
Auch beim Vergleich mit dem Buch fällt Es aber leider durch, denn der Film löst sich sehr stark vom Buch (im Gegensatz zur TV-Fassung, auch wenn dies z. T. anders behauptet wird).
Ein großes Problem ist meines Erachtens die Charakterisierung der Kinder. Im Buch und im TV-Film ist z. B. Richi zwar ein "Schandmaul", das kommt aber daher, dass er alles und jeden durch den Kakao zieht. Im aktuellen Film kommen hingegen zahlreiche "Deine Mutter" Sprüche, die weder witzig sind noch in die Zeit der 50er Jahre passen. Die Aussprüche sind einfach nur vulgär und lassen ein Mangel an Tiefe erkennen. Ebenso passt Bev nicht ins Bild. Im Buch und im TV-Film war sie schwach ggü. ihrem Vater, der sie geschlagen hat und auch sonst eher zurückhaltend. Stark war sie nur gegen Es. Im Kinofilm wird angedeutet, dass ihr Vater sie missbraucht (was weder im Buch noch im TV-Film vorkommt). Andererseits nutzt sie indes ihre Reize, um in einer Szene einen Apotheker abzulenken. Abgesehen davon, dass die Szene vom Setting schon gewöhnungsbedürftig ist (12 jähriges Mädchen schafft es alten Sack nervös zu machen) passt dies nicht ansatzweise zur Missbrauchsthematik, wirkt m. E. gar verharmlosend. Muss nicht sein!
Ein weiteres Problem ist m. E. die unfreiwillige Komik, die der Clown versprüht. Immer wenn er seinen Mund öffnet, um jemanden zu fressen, bewegen sich seine Augen in 2 verschiedene Richtungen (sog. Froschblick). Dies nimmt dem Grusel aber die Spitze und verwandelt den Film für mich in Slapstick.
Das Buch enthält diverse Zeitsprünge, die eine Verfilmung entsprechend erschweren. Der Kinofilm "löst" dieses Problem, indem die zeitlichen Ebenen auseinandergezogen werden. Leider funktioniert dies aber meiner Meinung nach nicht. Im Buch (und m. E. auch gut in der TV-Fassung dargestellt) sind die Freunde von Damals in der Gegenwart weit Verstreut in den USA und haben ihre Kindheit vergessen. Erst der Anruf von Mike lässt sie sich wieder an den Sommer 1958 erinnern. Der Leser wird mitgenommen auf eine Reise, in der die Handlungsstränge von Gegenwart und Vergangenheit parallel laufen und die Protagonisten größtenteils nicht mehr wissen, als der Leser selbst. Es ist fraglich, wie dies in den zweiten Teil projiziert werden kann ohne zahlreiche Wiederholungen zu bringen. Zudem wird die Geschichte damit z. T. auch entzaubert, denn man fragt sich beim Buch unweigerlich, was so grauenhaft sein kann, dass selbst erwachsene Menschen in Angst leben. Auch die zeitliche Verschachtelung, die einen Teil des Reizes ausmacht, fehlt.
Schließlich wurden für den Kinofilm - genau wie in der TV-Fassung - einige Straffungen der Handlung vorgenommen um eine goutierbare Filmlänge hinzubekommen. Selbstverständlich bleiben daher einige Dinge auf der Strecke, leider aber z. T. auch einige wichtige. Hat für mich insoweit nicht funktioniert.
Schließlich haben mich auch die Darsteller nicht durchweg überzeugt. Insbesondere Ben Hanscom bleibt als kleiner übergewichtiger Junge recht
farblos. Dasselbe gilt für Henry Bowers, der die Kinder drangsaliert und den natürlichen Gegenspieler mimt versprüht nicht durchweg die Bedrohlichkeit, die er eigentlich haben sollte.
Insgesamt funktioniert der Film damit für mich auf mehreren Ebenen weder im Vergleich zum Buch noch zum Original. Er ist aber leichte Unterhaltungskost und einfach ein netter Zeitvertreib. Außerdem hat er mich dazu bewegt, das Buch mal wieder hervorzukramen und zu schmökern. Deshalb 5/10 Punkten, grundsolide, mehr aber auch nicht.