In Zeiten extremer psychischer Belastungen gehen Menschen speziell beim Thema Ernährung sehr unterschiedlich heran: Die einen futtern aus Frust und versuchen zu kompensieren, die anderen kriegen den sprichwörtlichen Bissen kaum herunter und verfallen längerfristig der Magersucht. Letztere hat Autorin und Hauptdarstellerin Troian Bellisario am eigenen Leib erfahren müssen, was sie zu „Feed“ inspirierte und überzeugend rüberbringt.
Die Zwillinge Liv (Bellisario) und Matt (Tom Felton) begeben sich ins letzte Jahr an der High School mit dem Ziel zu den Jahrgangsbesten zu gehören. Doch als Matt bei einem Autounfall stirbt, ändert sich Livs Alltag schlagartig. Sie isst unregelmäßig, die schulischen Leistungen werden schwächer, der Kontakt zu Freunden reißt beinahe ab. Doch Matt scheint immer noch an ihrer Seite und erscheint ihr regelmäßig, bis die Essstörung existenzielle Auswirkungen annimmt…
Zwischen Drama und Psycho-Thriller wandelt das Werk von Regisseur Tommy Bertelsen, der hiermit seinen ersten Langfilm abliefert. Obgleich der Begriff der Anorexie Nervosa nie genannt wird, geht es um eben jene krankhafte Form im Umgang mit der Nahrungsaufnahme.
Liv verspürt zunehmend weniger Appetit, ist nervlich am Ende und zudem ständigen Druck von ihren Eltern ausgesetzt, was im Kontext mit dem plötzlich verstorbenen Zwilling absolut nachvollziehbare Gründe liefert.
Allerdings gestaltet sich das für den Betrachter teilweise ein wenig zäh und eindimensional. Vorgänge wiederholen sich einige Male, manche Nebenfigur wie der beste Freund und gleichermaßen Love Interest offenbart arg klischeehafte Verhaltensweisen und einige Floskeln von Lehrern und Eltern erscheinen beinahe schon zynisch im Kontext einer ohnehin schon angeschlagenen Liv.
Der Verlauf der Krankheit ist indes einigermaßen glaubhaft inszeniert, wobei das solide Make-up ein wenig nachhelfen muss, denn Bellisario erscheint zwar schlank, nimmt während des Verlaufs jedoch nicht wirklich ab, was die Glaubwürdigkeit ein wenig schmälert. Allerdings performt sie mit zunehmender Dauer stets intensiver, was wiederum einige Pluspunkte einbringt. Gleiches gilt für Tom Felton, der in ungewöhnlichen Situationen im Raum auftaucht und den undurchsichtigen Aufpasser grundsolide verkörpert.
Die einfühlsamen Schilderungen über eine Magersüchtige, gepaart mit einer Nervenkrankheit sind angemessen sensibel in Szene gesetzt, doch möglicherweise muss man sich tief in die Materie einfühlen, um durch den Stoff berührt zu werden, denn auf emotionaler Ebene tut sich da nicht wirklich viel. Sauber performt, überwiegend ordentlich gefilmt, bietet der Streifen viel Vorhersehbares und wenig Spannung, etwas zuviel Teenygedöns am Rande und das eine oder andere Klischee zuviel, der Rest ist für ein Regiedebüt okay.
5 von 10