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Nachdem er auf der Seite von Tony Stark gegen Captain America und dessen Verbündete gekämpft hat, findet sich Peter Parker, gespielt von Tom Holland, wieder auf dem Boden der Tatsachen wieder. Stark, gespielt von Robert Downey Jr., überlässt dem Teenager zwar das von ihm entwickelte Spider-Man-Kostüm, nimmt ihn jedoch (noch) nicht in den erwählten Kreis der Avengers auf. Stattdessen geht Parker weiter zur Schule und nutzt seine Superkräfte um Katzen vom Baum zu holen oder älteren Damen über die Straße zu helfen, während er auf die Chance hofft, sich endlich als Superheld beweisen zu können. Als äußerst schlagkräftige Handfeuerwaffen mit Alien-Technik auf dem New Yorker Schwarzmarkt auftauchen, scheint diese gekommen. Parker vereitelt eine Übergabe und funkt somit dem skrupellosen Unternehmer Adrian Toomes, gespielt von Michael Keaton, in seine Geschäfte. Damit verstößt er nicht nur gegen Starks Anweisungen, er bringt sich und sein Umfeld in Gefahr.

Knapp zehn Jahre nach den ersten Soloauftritten von Iron Man und Hulk, mit denen der Aufbau des Marvel Cinematic Universe MCU in Gang kam, stieß der verlorene Sohn im Superhelden-Clash „The First Avenger: Civil War“ mit zur bunten Superheldentruppe und erhielt nun, nachdem alle Rechtsstreitigkeiten zwischen Disney und Sony ausgeräumt worden waren, seinen ersten Solofilm. So ist der Titel „Spider-Man: Homecoming“ zu verstehen, bei dem es sich um den nunmehr dritten Neustart einer Reihe über den Spinnen-Helden innerhalb von 15 Jahren handelt, nach Tobey Maguire und Andrew Garfield diesmal mit Tom Holland in der titelgebenden Rolle und erstmals eingebettet in das MCU. Für Marvel und Disney bietet der Zuwachs von Spider-Man zu den Avengers nicht nur aufgrund des hohen Bekanntheitsgrads der Figur ein großes Potential, sondern auch weil der in den Comics sehr jugendliche Superheld die Möglichkeit eröffnet, sich an eine (noch) jüngere Zielgruppe zu wenden, als es beim humorlosen Captain America oder beim aus Teenie-Sicht fast schon betagten Tony Stark der Fall sein dürfte. Daher vermutlich auch die Besetzung von Tom Holland, der tatsächlich als Mittelstufenschüler durchgehen könnte und einen solchen auch gut gelaunt und glaubhaft verkörpert. Doch wie alle Teenager nerven auch der Superheld und sein Film streckenweise.

Regisseur John Watts, bisher im Blockbuster-Fach reichlich unerfahren, verzichtet darauf, die Superheldengenese ein drittes Mal zu erzählen, die Geschichte rund um den Spinnen-Biss kennt mittlerweile ja ohnehin jeder. Er präsentiert seinen Zuschauern aber, wie gehabt, einen Jugendlichen, der ein hübsches Mädchen anschmachtet, bei seiner Tante May wohnt und auch als Superheld noch nicht wirklich weiß, wo sein Platz ist. Diese Prämissen nutzt Watts vor allem in der ersten Filmhälfte aus, um seinen Superhelden ziellos durch New York hüpfen und auf den Anruf von Tony Stark warten zu lassen, was sich durchaus kurzweilig gestaltet, wenngleich nicht jeder Gag zündet und der Film stellenweise etwas hektisch und fahrig wirkt. Wie gesagt, ein Teenie-Film eben. Und damit ist auch der Ton für den weiteren Verlauf gesetzt, der Film ist (noch) heiterer als manch anderer Marvel-Film und überzeugt, was CGI-Effekte und Action-Sequenzen angeht, visuell auf ganzer Linie. Das ist freilich bei einem Film aus dem Hause Marvel eigentlich unnötig zu erwähnen. Kameraführung und Schnitt hätten nur beim finalen Duell etwas ruhiger sein können. Dann wäre wohl mehr zu erkennen gewesen.

Dass „Spider-Man: Homecoming“ hinter einige der letzten Marvel-Blockbuster zurückfällt, ist aber nicht allein der allzu Teenie-tauglichen Umsetzung geschuldet, die sich beim jungen Publikum mitunter regelrecht anbiedert. Ein weiteres Problem besteht darin, dass Marvel hier allzu sehr auf Bewährtes zurückgreift. Zeichneten sich die letzten Filme noch durch ein paar Eigenheiten aus, der schräge Humor bei „Guardians of the Galaxy 2“, die visionäre Optik bei „Doctor Strange“ oder der clevere Bösewicht in „The First Avenger: Civil War“, hebt sich „Spider-Man: Homecoming“ kaum von anderen Marvel-Filmen ab. Die Story ist mit Ausnahme eines Twists weitgehend vorhersehbar, die Handlung früh vorgezeichnet. Und während sich gerade die beiden ersten Spider-Man-Filme durch starke Bösewichte wie den Green Goblin von Willem Dafoe oder Doctor Octopus auszeichneten, liegt der Fokus hier so stark auf dem Helden und den sehr aufdringlichen Bezügen zum Avengers-Universum, dass Adrian Toomes alias Vulture zum austauschbaren Gegenspieler verkommt. Dabei gibt sich Michael Keaton alle Mühe den Unternehmer auf Abwegen menschlich erscheinen zu lassen, als jemanden, der aus Sorge um seine Existenz, seine Familie, sein Unternehmen und seine Mitarbeiter bis zum Äußersten geht. Der Gipfel der Beliebigkeit wird erreicht, wenn Parker die High-Tech-Funktionen an seinem Anzug entdeckt und damit quasi zu einem Iron-Man Junior mutiert.

Fazit:
„Spider-Man: Homecoming“ wirkt wie eine Fingerübung der Marvel-Studios, die nicht wirklich aus der Masse an Comic-Verfilmungen heraussticht. Unterhaltsam ist der launige Superheldenfilm zwar, er ist mitunter aber auch etwas nervig, weil er sich zu sehr bei der pubertierenden Zielgruppe anbiedert. Letztlich solide, aber etwas enttäuschend.

59 %

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